Ligurien bittet Mountainbiker zur Kasse | Ride MTB

Ligurien bittet Mountainbiker zur Kasse

Kostenpflichtige Trails

Was bislang eher als theoretisches Schreckensszenario durch die Mountainbike-Szene geisterte, wird in Orten wie Finale bald Realität: Ab 2026 müssen Mountainbiker in Ligurien ein Zugangsticket für Trails lösen als Beitrag zur Finanzierung des Wegunterhalts. Besonders brisant: Nur auswärtige Biker sind betroffen, Wanderer und Einheimische hingegen nicht.

Das neue Regionalgesetz betrifft Mountainbike-Hotspots wie Finale Ligure, Imperia, Genua oder Levanto. Wer dort künftig auf die Trails will, braucht ein kostenpflichtiges Ticket. Mit dem eingenommenen Geld soll – so die offizielle Begründung – der Unterhalt der Wege sichergestellt werden. Zuständig dafür werden regionale Konsortien, bestehend aus Behörden und Vereinen. Sie organisieren nicht nur Pflege und Bau neuer Strecken, sondern auch die Ausgabe der Zugangsberechtigungen.

Schuss ins eigene Knie

Doch das Modell hat einen doppelten Boden. Denn nur die Hälfte der Einnahmen fliesst tatsächlich in den Wegunterhalt. Die andere Hälfte wird für digitale Lenkungsmassnahmen, Werbekampagnen und Events verwendet – also für Massnahmen, die in der Praxis oft den Zugang einschränken oder regulieren. Das nennt man umgangssprachlich einen Schuss ins eigene Knie.

Zwar betont die Region, dass es sich zunächst um Pilotprojekte in Savona und Imperia handeln soll auf stark frequentierten Trails im Hinterland. Doch das Gesetz lässt offen, wie weit die Regelung später ausgeweitet wird – und ob auch klassische, nicht speziell gebaute Singletrails betroffen sind. Unklar bleibt zudem, wie hoch die Ticketpreise sein werden und wie die Kontrolle abläuft. Gibt es künftig bewaffnete Carabinieri an der Natobase, die den Zutritt regeln? Oder Verfolgungsjagden nach «Schwarzfahrern» auf dem Kill-Bill-Trail?

Hitzige Debatten

Die Entwicklung wirft eine alte Frage neu auf: Sollen Mountainbiker ihre Trails selbst finanzieren? In vielen Regionen wird diese Debatte immer wieder geführt. Befürworter sehen im Modell eine Möglichkeit, legale, gepflegte Infrastruktur zu schaffen und langfristig abzusichern. Kritiker hingegen warnen vor einer Spaltung der Szene und einer Kommerzialisierung des freien Zugangs zur Natur. Und von einer erheblichen Schlagseite, so wie in Ligurien. Fussgänger bleiben davon verschont, ebenso andere Sportarten. Fussballer finanzieren ihre Plätze nicht selbst. Rennradfahrer auch nicht. Leichtathleten auch nicht, Wanderer auch nicht, Motorradfahrer auch nicht. Nur Mountainbiker sollen jetzt zahlen – für öffentliche Wege, die sie nicht nur nutzen, sondern in vielen Fällen auch selbst pflegen.

Weitere Informationen:

 


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