1000 Pumptracks weltweit: Velosolutions erreicht Meilenstein | Ride MTB

1000 Pumptracks weltweit: Velosolutions erreicht Meilenstein

Peking Pumptrack Velosolutions

Offiziell der tausendste Pumptrack von Velosolutions: WM-Strecke 2026 in Peking.

Foto: Velosolutions

Die WM-Pumptrack 2026 in Peking war offiziell der tausendste, den Velosolutions gebaut hat. Gründer Claudio Caluori packte wie bei hunderten davor auf der Baustelle mit an. Eines zeigt sich: Trotz aller Erfahrung wird das Bauen der Asphalt-Wellenbahnen nicht einfacher.

Schon 2009 baute Velosolutions im bündnerischen Jenaz den ersten befestigten Pumptrack, damals noch aus Beton. Dass Asphaltieren die bessere Methode ist, zeigte sich in der Folge. 2012 baute die Firma in Chur die erste Anlage mit dem Belag, mit dem es in den folgenden 14 Jahren in allen Ecken der Welt Communities beglücken würde. «Ich hatte keine Bau-Erfahrung, wir haben einfach gemacht», sagt Claudio in einem vor Kurzem ausgestrahlten SRF-Beitrag. In den Jahren danach ist Velosolutions zum Pionier der asphaltierten Wellenbahnen geworden und hat die Kunst des Pumptrackbaus perfektioniert. 

Den Planungsprozess beschreibt Claudio gegenüber Ride so: «Die Zeichner bei uns geben mir eine massstabtreue Vorlage des Geländes, auf welche ich zeichnen kann. Ich mache eine Skizze, die sie dann mit Vectorworks in eine Technische Zeichnung umwandeln. Da unsere Zeichner genau wissen, was ich mit meinen Skizzen meine, braucht das kaum mehr Erklärungen.» Auf die Frage, ob es digitale Elemente gebe – Kurven, Wellen, Sprünge – aus denen ein neuen Pumptrack wie mit einem Baukasten zusammengesetzt werden kann, antwortet Claudio: «Ja, diese Elemente gibt es, aber nur in meinem Kopf oder dem der anderen Designer.»

Auch die Streckenbauer haben ihre eigenen Methoden entwickelt, wie sie Bumps, Anlieger, Tables und weiteren Formen der Strecke zu einem gut rollenden Pumptrack zusammenbauen. Gewölbte Flächen mit Asphalt zu überziehen, der danach jahrelang hält, ist eine Technik, die im Strassenbau eher selten zur Anwendung kommt.

Trotz aller Erfahrung war auch der tausendste Pumptrack in Mentougou, einem Stadtteil Pekings, eine grosse Herausforderung. Einerseits mussten Claudio und seine starken Männer bei fast 40 Grad Hitze und «gefühlten 99 Prozent Luftfeuchtigkeit» die Anlage bauen. Nach wie vor ist vieles Handarbeit, die Maschinen, die zum Einsatz kommen, müssen teilweise mit viel Muskelkraft dazu gebracht werden, an der richtigen Stelle ihren Zweck zu erfüllen.

Hinzu kamen laut Claudio wirre Übersetzungen und interessante Regeln, wie jene, dass in Peking Lastwagen mit Asphalt nur nachts fahren dürfen, die Baustelle aber nur tagsüber betrieben werden durfte. Das habe dazu geführt, dass der Asphalt, der eigentlich heiss verarbeitet werden muss, spätestens um sechs Uhr morgens angeliefert wurde, die Trackbauer aber erst um 8 Uhr mit der Arbeit beginnen durften. Der Asphalt war dann schon fast hart, was das Formen noch härter machte. Hinzu sei gekommen, dass der Lastwagen, der das Baumaterial brachte, auf den letzten Metern täglich im lehmigen Boden einsank. Ein Bagger zog ihn dann jeweils zu der Stelle, an der er gebraucht wurde. «Statt dass man einfach einmal die Anfahrt befestigt hätte», kommentiert der Bündner mit einem Lächeln auf dem Gesicht.

Dass ihn und seine Crew auch dieses Projekt nicht überforderte, dürfte auch daran liegen, dass unter den davor gebauten 999 Pumptracks einige waren, bei denen die Bedingungen mindestens so schwierig waren, ob in Thailand, im afrikanischen Lesotho, in Nepal oder in Palästina und Israel.

Wie die Nachfrage und die Kapazitäten von Velosolutions gestiegen sind, zeigt der 2022 erreichte Meilenstein: Nach zehn Jahren feierte Velosolutions damals 534 realisierte Pump Tracks. Für die nächsten 466 brauchten Claudio und seine Crew weniger als vier Jahre. Heute baut das Unternehmen mit Ablegern in über 30 Ländern rund 180 Pumptracks pro Jahr und bis zu 30 Pumptracks parallel. Bei einer Handvoll Anlagen pro Jahr schaufelt Claudio auf der Baustelle mit.

«Ich kann wählen, welches Projekt mich am meisten reizt. Das sind oft jene unseres Programms Pump for Peace oder der Pumptrack auf dem die nächste Weltmeisterschaft stattfindet, wie soeben in Peking.» Claudio betont, dass es ihn grundsätzlich nicht brauche, er aber auch bei Projekten mit besonderen Zeitdruck gern dabei sei, damit nicht nur seine Arbeiter darunter leiden müssen.

Gleichzeitig leitet Claudio, der Bauarbeiter ein globales Bauunternehmen – von dem Ort aus, wo er sich gerade befindet. Und scheint dabei ziemlich im Gleichgewicht zu leben. Dem SRF sagt er im Bericht: «Ich mache einfach, was mir am meisten Freude macht. That’s it.»