Das Ende einer Ära: Auch BMC zieht im MTB den Weltcup-Stecker
Was sich für die betroffenen Athleten und Betreuer bereits im Frühjahr abzeichnete, ist nun offiziell: BMC schliesst sein Cross-Country-Werksteam. Die Ära, in der Aushängeschilder wie Ex-Weltmeister Jordan Sarrou oder Loana Lecomte im rot-schwarzen Trikot um Weltcup-Siege und Meistertitel fuhren, gehört damit der Vergangenheit an.
Laut Sportmarketing-Chef Amaël Moinard blickt das Unternehmen auf eine erfolgreiche Zeit mit grossen Emotionen und Siegen zurück, richtet den Blick nun jedoch strategisch neu aus. Die freiwerdenden Ressourcen fliessen primär in den Aufbau eines Engagements im professionellen Frauen-Peloton auf der Strasse sowie in den boomenden Gravel- und Offroad-Bereich. Dort will man sich künftig bei Formaten wie dem Lifetime Grand Prix oder der Gravel Earth Series profilieren. Einzig die Unterstützung des regionalen Schweizer Förderteams Bike Team Solothurn bleibt bestehen.
Das Fabriksteam als Auslaufmodell
Der Rückzug von BMC ist mehr als nur eine unternehmerische Neuausrichtung – er ist ein Alarmsignal für den Cross-Country-Rennsport. BMC folgt damit einem Trend, der die Szene in den vergangenen zwei Jahren erschüttert hat. Zuvor hatten bereits andere Branchenschwergewichte wie Cannondale oder Lapierre ihre legendären Werksteams drastisch umgebaut oder komplett aufgelöst. Die Gründe für den Exodus der Hersteller ähneln sich branchenweit:
Explodierende Kosten versus Paywall: Seit der Vermarktung und Übertragung des Mountainbike-Weltcups durch Warner Bros. Discovery sind die Hürden für Sponsoren und Teams gestiegen. Die weltweite TV-Reichweite leidet unter teils unübersichtlichen Bezahlschranken, während die Logistikkosten für einen globalen Weltcup-Tross kaum noch zu rechtfertigen sind.
Gravel stiehlt die Show: Für die Marketingabteilungen der Bike-Industrie bieten US-geprägte Gravel-Events und Offroad-Rennformate oft ein besseres Verhältnis aus Investition und Reichweite. Sie sprechen eine kaufkräftige, erwachsene Zielgruppe an und lassen sich über Social-Media-Storytelling flexibler vermarkten als ein reglementiertes 90-Minuten-Rennen im UCI-Korsett.
Krise im Bike-Markt: Der nach wie vor anhaltende Konsolidierungsdruck in der Fahrradindustrie zwingt fast alle Hersteller zu eisernen Sparmassnahmen. Teure Rennstrukturen mit eigener Bus-Flotte, Mechanikerstäben und Millionenbudgets stehen als Erstes auf dem Prüfstand.
Mit dem Aus von BMC Factory Racing verliert der Cross-Country-Weltcup nicht nur eines seiner etabliertesten Teams, sondern auch einen der technologischen Vorreiter im Rennzirkus. Für Spitzenfahrer wird die Luft im Paddock damit noch dünner.