Berner Ämter und Eigentümer klemmen MTB-Testbetrieb ab | Ride MTB

Berner Ämter und Eigentümer klemmen MTB-Testbetrieb ab

Bike Region Voralpen Gantrisch Mountainbike Routennetz

Am Gantrisch gibt es eine signalisierte Mountainbike-Route. Die Problemzone sind die Anfahrten von Bern in das Berggebiet.

Foto: Verein Bike Region Voralpen

Seit Jahren bemüht sich der Verein Bike Region Voralpen um ein Routennetz im Gantrischgebiet mit Zubringern aus der Stadt Bern und Vororten. Doch selbst ein Testbetrieb auf bestehenden Wegen ist aufgrund von Vorbehalten kantonaler Ämter sowie von Grundeigentümern nicht möglich. 
 

Dass kaum ein Kanton den Mountainbikern so wenig Platz einräumt wie Bern ist nichts Neues. Es kamen auch schon positive Signale, so ein Bekenntnis zur Koexistenz im Berner Strassengesetz in einer Revision von 2023. 2025 machten dann die Berner Waldbesitzer mit horrenden Entschädigungsforderungen für Biketrails und Routen Furore.

Doch auch der Kanton Bern muss das Veloweggesetz umsetzen und deshalb bis Ende 2027 seine Planung eines Freizeitroutennetzes vorlegen. Dass es ein steiniger Weg bis dorthin wird, zeigt die Situation des Projekts Bike Region Voralpen.

Während im Gantrischgebiet einige Mountainbikerouten mit Singletrail-Anteil signalisiert werden konnten, fehlt es an Zubringern. Der Verein Bike Region Voralpen arbeitet deshalb seit langem daran, eine Route von Bern nach Riggisberg und von Köniz nach Schwarzenburg zu realisieren. «Gemeinden, Naturpark, Kanton, Regionalkonferenz Bern-Mittelland, BEBike sowie regionale und lokale Vereine wurden in die Projektentwicklung einbezogen», schreibt der Verein in seiner Medienmitteilung. An vier Mitwirkungsanlässen hätten Grundbesitzer ihre Anliegen, Bedenken vorbringen können und seien mögliche Lösungen diskutiert worden.

Zugleich hat der Verein bei kantonalen Tiefbauamt um Bewilligung eines Testbetriebs angefragt.

Neue Auflagen statt Bewilligung

Im Oktober 2026 zeigt sich jetzt: An beiden Fronten stossen die Initiatoren des Projekts auf unüberwindbaren Widerstand. Bei den Bodenbesitzern stehen laut Mitteilung «Sorge vor Konflikten und Unfällen mit Landwirtschaft, Wandernden oder Tieren, negative Erfahrungen mit Mountainbikenden sowie die Befürchtung einer zusätzlichen Frequenz auf den bestehenden Wegen» im Vordergrund.  

Wäre zumindest auf gewissen Abschnitten der zwei Routen ein Testbetrieb denkbar gewesen, so zogen die Antworten von sechs kantonalen Ämtern dem Versuch fürs erste den Stecker. Plötzlich habe eines dieser Ämter das schriftliche Einverständnis jedes einzelnen Grundbesitzers verlangt, wovor davor nie die Rede war. «Dabei könnten und möchten wir ohnehin nichts gegen den Willen der Grundeigentümer machen», erklärt Manuela Huber vom Verein Bikeregion Voralpen.

Der Kanton erklärt der Berner Zeitung, dass noch Fragen zu Wildtierkorridoren und Schutzgebieten offen seien. Verschiedene Schutzinteressen machten das Verfahren komplex, so der Kanton weiter. Manuela Huber fügt an, einzelne Ämter forderten, dass nur «genügend feste» Wege in den Versuchsbetrieb aufgenommen würden. Einerseits sei unklar, was genau damit gemeint sei, anderseits deute diese Forderung daraufhin, dass es für attraktive Singletrails schwierig würde, so die Vertreterin von Bike Region Voralpen.

Dass ein unattraktives Netz die Mountainbiker nicht lenkt, ist zwar Common Sense, sticht beim Kanton Bern aber offensichtlich nicht. «Die Koexistenz wird grundsätzlich kritisch gesehen und die Entflechtung soll gefördert werden», nennt Manuela Huber einen weiteren Einwand, der das Finden einer attraktiven Route weiter erschwert.  

Immerhin, die Gemeinden stehen hinter dem Testbetrieb, denn dieser verspricht die Lenkung der Mountainbikenden, die ohnehin unterwegs sind.

Kann der Kanton Bern Ende 2027 ein Mountainbikenetz vorlegen?

Ist der Stillstand zwischen zwischen Bern und Region Gantrisch ein Zeichen dafür, dass die Mountainbikenetz-Planung im ganzen Kanton stockt? Der Vorsteher der Bau- und Verkehrsdirektion des Kantons Bern meldet auf Anfrage, die Pläne lägen im kommenden Frühling öffentlich auf, der Regierungsrat werde voraussichtlich im Dezember 2027 – also fristgerecht – den Sachplan Velowegnetz erlassen.

Béatrice Brand von der Organisation BEBike erklärt, die grosse Herausforderung sei nicht die Planung, sondern die Umsetzung. «Gerade bei der Realisierung von Mountainbike-Routen auf bestehenden Wegen zeigt sich, wie anspruchsvoll die Abstimmung der unterschiedlichen Interessen sein kann. Die Verfahren sind komplex, die Zuständigkeiten nicht immer klar und die Anforderungen an die Projekte teilweise unterschiedlich. Dies führt dazu, dass selbst weit fortgeschrittene Projekte ins Stocken geraten können, wie das Beispiel Bike Region Voralpen zeigt.»

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