20 ist eine schöne Zahl die Karriere zu beenden | Ride MTB

20 ist eine schöne Zahl die Karriere zu beenden

Jahrelang gehörte Dominik Gspan zu den besten Schweizer Downhill-Piloten. Anfang Oktober gewann er das Finale des iXS-Swiss-Downhill-Cup in Bellwald. Mit dieser Überraschung tritt Gspan als Rennfahrer von der Gravity-Bühne ab. Über seine Beweggründe spricht er im Interview.

Dominik, angefangen hast du im Jahr 1995 als Cross-Country-Fahrer, wo du dich in den unteren Nachwuchsklassen regelmässig mit Nino Schurter duelliert hast – oft auch zu deinen Gunsten. Weshalb hast du das Lager gewechselt?
Gspan: Mich hat das Technische immer mehr gereizt als das hauptsächlich schnelle Beine entscheidend sind. Dazu kam, dass ich parallel BMX gefahren bin und mich zusammen mit Roger Keller, dem mehrfachen Schweizermeister im Trial, auch im Velo-Trial üben konnte. Dank Claudio Caluori versuchte ich mich bald im Dual Slalom. Bald darauf wurden alle diese Radsportarten zusammen zu viel. So entschied ich mich für den actionreicheren Dual Slalom, von welchem aus der Schritt in den Downhill-Sport die logische Konsequenz war.

Im Downhill hast du dich Stufe um Stufe hochgearbeitet und so hat deine Karriere manches «Supertalent» überdauert. Weshalb bist du weitergekommen als viele andere deiner Kollegen?
Ich war immer sehr konstant und habe auch viel dafür trainiert. Ich war immer sehr zielorientiert, vielleicht oft auch professioneller als andere, aber dafür auch ernster. Das gehört halt zu meinem Charakter. Dazu kommt, dass ich ein sehr technischer Fahrer bin und mich gerade auf schwierigen Strecken besonders wohl gefühlt habe.

Hat wegen dieser Konstanz vielleicht mal ein Exploit gefehlt?
Nicht unbedingt. Ich hatte in all denen Jahren die eine oder andere grössere Verletzung – das prägt. Aus diesem Grund bin ich nicht mehr alle Risiken eingegangen, die dafür nötig gewesen wären. Andere konnten vielleicht auf den Tag X mehr riskieren.

Du warst im Jahr 2007 kurz davor, im Downhill-Weltcup in den Top-20 Fuss zu fassen. Weshalb ist es bei einzelnen Resultaten geblieben?
Was viele Leute nicht wissen, ich hatte im Jahr 2008 – nach meinem Hoch im Jahr 2007 – aufeinanderfolgend viele schwere Stürze mit einigen Hirnerschütterungen. Das hat mich immer wieder zurückgeworfen, worauf auch eine gewisse Unsicherheit aufkam. Auf das hin habe ich im Downhill-Weltcup zurückgeschraubt. Ich habe mich praktisch nur noch auf die Rennen des Europa-Cup konzentriert. Dort habe ich wieder das Vertrauen gefunden und auch streckentechnisch waren diese Rennen für mich persönlich spannender. Im Weltcup sind die Strecken eher einfacher geworden während die im Europa-Cup immer anspruchsvoller wurden.

Warum hast du dich aus dem 4x zurückgezogen, wo du doch sehr erfolgreich warst?
Downhill ist vom Training her vielseitiger. Das hat mir auf Dauer mehr zugesagt, als hunderte von Starts zu trainieren, welche im 4x fast das Wichtigste sind. Dazu kam auch der zeitliche Aspekt, denn an den Weltcup-Rennen für das Downhill- und das 4X-Rennen zu trainieren, wurde mir zu stressig.

Du bist während deiner ganzen sportlichen Laufbahn für das ewz-mountainbiketeam loop gefahren, welches dein Vater Othmar seiner Zeit gegründet hat. Warst du immer zufrieden mit dieser Lösung oder wärst du sportlich weiter gekommen, wenn du im entscheidenden Moment für ein internationales Team hättest fahren können?
Ich glaube nicht. Darüber bin ich auch stolz, dass ich mit dem Team und allen unseren Sponsoren über 13 Jahre hinweg wachsen konnte. Ich war immer sehr zufrieden und bin mir dessen sicher, dass ich wo anders nicht besser bedient gewesen wäre. Bei unserem Team kam mir vor allem die Flexibilität zugute, welche ich bei internationalen Mannschaften mit Sicherheit nicht gehabt hätte.

Dein Rücktritt kommt für die meisten von uns überraschend – für dich wohl weniger. Wie lange steht dieser Schritt schon fest?
So lange weiss ich das selber noch nicht. Darüber sinniert habe ich aber schon vor ein paar Jahren – jedoch nie konkret. Genau weiss ich das seit diesem Sommer, nachdem ich mir diesen Schritt reiflich überlegt habe. Einfach ist ein solcher Schritt nämlich nicht. Ich konnte meinen Traum leben und deshalb ist es auch nicht einfach diesen Traum nach so langer Zeit zu beenden. Trotzdem ist es an der Zeit weiter zu gehen und ein neues Kapitel aufzuschlagen. Zudem ist 20 doch eine schöne Jahreszahl, um die Karriere zu beenden, nicht?

Mit deinem Sieg beim iXS-Downhill-Cup in Bellwald hättest du wohl kein besseres Karriereende haben können. Hast du damit gerechnet?
Ehrlich gesagt nicht, aber ich habe gewusst, dass ich gewinnen kann. Im Zeit- sowie im Rennlauf fuhr ich dann so entspannt und locker wie selten zuvor. Wohl weil ich wusste, dass es mein letztes Rennen ist. Es ist einfach genial, mit einem Sieg die Rennsportbühne zu verlassen. So fällt der Abschied auch leichter.

Nun hast du 20 Jahre Mountainbike-Rennsport und damit auch jede Menge Erfahrung auf dem Buckel. Willst du diese Erfahrungen künftig in irgendeiner Form einsetzen, sprich dich in der Downhill-Szene engagieren?
Zum Einen gerne, aber anderseits habe ich mich die letzten Jahre bereits mit dem ewz-mountainbiketeam loop engagiert und möchte auch wiedermal Zeit für mich haben, andere Dinge zu tun. Wie es dort weitergeht, kann ich deshalb noch nicht sagen.

Wie geht es bei dir beruflich weiter?
Auch hier steht noch alles offen. Ob ich auf meinen erlernten Beruf als Mediamatiker zurückgehe, weiss ich nicht. Auf alle Fälle habe ich einige interessante Projekte im Hinterkopf, die ich gerne umsetzen würde. Mehr dazu sagen, möchte ich aber noch nicht.
 

RAD – der Film von Dominik Gspan

 

Ein kurzer Rückblick über Dominik Gspans sportlicher Werdegang

Im Frühling 1995 nahm Dominik Gspan das erste Mal an einem Cross-Country-Rennen teil. Schnell wurde klar, dass ihn die Faszination für den Radsport gepackt hat. So bestritt er in all den Jahren Wettkämpfe in insgesamt acht Disziplinen: BMX, Trial, Radquer, Strasse, Cross Country, Dual Slalom, 4X und Downhill. Unzählige Podestplätze, unter anderem die Bronzemedaille an den Europameisterschaft in Griechenland, mehrere Medaillen an den Schweizermeisterschaften sowie der Sieg bei seinem allerletzten Wettkampf vor zwei Wochen in Bellwald haben Gspan für die vielen Trainingsstunden belohnt.

Die Vielseitigkeit macht Dominik Gspans Karriere aus. So konnte er in all den Jahren immer wieder Neues dazulernen und sich weiterentwickeln. Als Athlet, Trainer, Team-Mechaniker, Streckenbauer, Video-Produzent und zuletzt als Team-Chef des ewz-mountainbiketeam loop hatte der Freiensteiner die Möglichkeit, all seine Talente einzubringen. Gspan hat während seiner Karriere auf der ganzen Welt tolle Menschen und Freunde kennen und schätzen gelernt. Kontakte, die er zukünftig ohne «Wettkampfstress» noch ausbauen will.

Dominik Gspan bedankt sich bei allen, die ihn auf seinem Weg unterstützt haben: dem Verein The Fighters Wallisellen, dem ewz-mountainbiketeam loop und dessen Sponsoren, welche die Equipe 13 Jahre lang untersützt haben. Ein spezieller Dank spricht Gspan an seine Familie und Freunde aus, welche ihm mit grossem Engagement über all die Jahre hinweg ihre Unterstützung gegeben haben. All den jungen Nachwuchsathleten wünscht Gspan dieselbe Leidenschaft, den Spass und Erfolg, den er in den vergangenen 20 Jahren im Mountainbikesport selber erfahren durfte.

 

Dominik Gspan – nach 20 Jahren Rennsport bereit für neue Herausforderungen.
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Dominik Gspan beendet seine Karriere mit einem Sieg – alles Gute weiterhin Domi!!

www.dominikgspan.ch