Abgestiegen wird erst in Zermatt
Um 07.30 Uhr fällt in Leukerbad der Startschuss zur vierten Etappe nach Grächen. Die Motivation für die anstehende Etappe ist bei Balz nicht gerade gross. Ihm machen starke Rückenschmerzen zu schaffen, welche sich nun auch auf Gesäss und Beine auswirken. Mithalten ist so kaum möglich, aber dennoch steigt die Freude schlagartig an, sobald Philipp und Balz in die erste Abfahrt stechen. Philipp amüsiert sich jedes Mal, wenn Balz sagt: «Hey, dieses Mal gehen wir die Abfahrt gemächlicher an!» Daraus wird nie was. So kommt es wie jeden Tag zu etlichen Überholmanövern.
Ist der Talboden erreicht, wird das Ride-Swiss-Epic-Team von den Überholten wieder «aufgefressen». Balz’ Beine machen heute nicht richtig mit, und so wird das Tempo stark reduziert. Kurz vor dem Hauptaufstieg mit 1'500 Höhenmetern klagt er über starke Rücken- Beine und Gesässschmerzen – der Gedanke, das Rennen aufzugeben ist nun sehr nahe. «Ich konnte mir zu diesem Zeitpunkt nicht erklären, wie ich das noch schaffen sollte. Sowas habe während meiner ganzen Zeit als Spitzensportler nie erlebt», blickt Balz auf diesen Moment zurück.
Absteigen und Aufgeben ist nicht. Das wollen die beiden erst in Zermatt, wenn das grosse Abenteuer zu Ende ist. So nehmen Philipp und Balz den Aufstieg trotz Schmerzen in Angriff. Bereits nach 300 Höhenmetern müssen beide vom Bike steigen und eine kurze Stretching-Pause einlegen, denn nun klagt auch Philipp über Schmerzen – wie schon am Vortag in der Hüfte. Ohne darüber nachzudenken wie es noch weitergehen soll, nimmt das Ride-Team wieder Fahrt auf und erklettert Meter um Meter.
Allmählich lichtet sich der Wald und der höchste Punkt – die Moosalp — kommt näher. Als diese erreicht ist, bietet sich ein atemberaubender Ausblick auf die Mischabelgruppe mit den Viertausendern Dom, Lenzspitze und Nadelhorn, um nur einige zu nennen. Auch wenn die Grossen zuoberst in Wolken gehüllt sind, wünscht man sich, dort oben zu stehen. Nur geht es statt weiter hoch, tief ins Tal und dorthin wartet eine super Abfahrt, die die beiden schon sehnlichst erwartet haben. Nach einigen Adrenalinschüben und Freudenschreien erreichen Philipp und Balz den letzten Verpflegungsposten in der Talsohle.
Nun stehen die letzten 700 Höhenmeter nach Grächen an. Dieser Weg ist steil und oftmals muss das Bike geschoben oder gebuckelt werden. Die Schmerzen sind irgendwie in Vergessenheit geraten und so fahren und trotten die beiden Ride-Fahrer zusammen mit anderen Teilnehmer den Aufstieg hoch. In Grächen angekommen, ist die Erleichterung von Philipp und Balz zu spüren, dass sie das Ziel unter erschwerten Bedingungen erreicht haben. «Meine Beine sind jetzt so sauer und leer, dass ich gottenfroh bin, im Ziel zu sein», sagt Philipp und fügt an: «Ich hoffe wir erholen uns gut, denn morgen gibt es nochmals ein hartes Stück Arbeit.»
Mit diesem harten Stück Arbeit ist die vierte Etappe gemeint. Diese, mit Start und Ziel in Grächen, ist 75 Kilometer lang und beinhaltet gut 3'300 Höhenmeter.