Adolf Silva nach seiner Querschnittlähmung: «Ich bereue nichts»
Adolf «Loco» Silva lässt die Bike-Community seit dem zweiten Tag im Spital an seinem neuen Leben mit Querschnittlähmung teilhaben. In seinen Videos sieht man ihn das Aufsitzen, Kleideranziehen, ins Auto steigen und vieles mehr üben. Dazu zeigt er sich mit Kumpels beim Motocross, mit Frau und Hund oder mit anderen Paraplegikerinnen beim Rollstuhl-Rugby. Nur selten sagt er etwas in seinen Vlogs, die Bilder sprechen für sich. Er gibt sich seinem Ziel, möglichst viel Selbstständigkeit zurückzugewinnen, mit vollem Einsatz hin.
Doch vor wenigen Tagen hat er eine neue Folge veröffentlicht, in der er die aus seiner Sicht wichtigsten Fragen beantwortet, die ihm die Menschen geschickt haben. Welche Fragen er nicht berücksichtigt, wissen nur er und die Leute, die sie ihm gestellt haben. Sicher ist, er geht auch schwierigen Themen nicht aus dem Weg. So sagt er, der Double Flip, der ihm an der Red Bull Rampage 2025 zum Verhängnis wurde, sei durchaus geplant gewesen, und er sei hundertprozentig sicher gewesen, dass er ihn stehen würde. «Vielleicht habe ich nicht stark genug am Lenker gezogen, vielleicht war ich nicht schnell genug – wer weiss?»
Seit der Rampage 2018 habe er den Double Backflip im Hinterkopf gehabt, erzählt er weiter, damals hätten ihn seine Leute zurückgehalten, weil er bis dahin noch gar nie einen versucht habe. 2025 sei dies anders gewesen: «Ich habe ihn zu Hause versucht.» Unklar bleibt, ob er ihn in seinem Trainingsgelände in Spanien nur probiert oder auch gestanden hat. Und von einem so hochen Drop wie jenem im Utah ist er nochmals eine andere Liga.
Von der Brust abwärts kein Gefühl mehr
Nach seinem Sturz sei er zu jeder Zeit voll bei Bewusstsein gewesen und habe auch sofort gemerkt, dass er von der Brust abwärts nichts mehr spürte. Die Brustwirbel T2 und T3 seien ausgerenkt und gebrochen gewesen, er habe starke Schmerzen im oberen Rücken gehabt. Im Spital sei er zwischen fünf und sechs Stunden lang operiert worden. «Sie haben meinen Rücken wieder eingerenkt, geradegerichtet und die Wirbelsäule von T2 bis T6 mit zwei Platten und mehreren Schrauben versteift.»
Zu möglichen Behandlungen und seiner Prognose sagt er, dass es für seine Querschnittlähmung keine Behandlung gebe, die nachweislich funktioniere, also die Funktion des Rückenmarks wiederherstelle. Es gebe aber viele interessante Dinge, und Leute hätten ihm interessante Ansätze in ihren Nachrichten beschrieben. Es gebe Stammzellentherapien und Elektrostimulation der Nerven. «Aber es ist alles in der Testphase und nichts funktioniert nachweislich.» Eine Prognose nennt er nicht: «Die Ärzte sagen ungern: 'Du wirst nie mehr laufen können.' Aber im Moment ist die Realität, dass ich im Rollstuhl sitze und nicht gehen kann. Von hier aus müssen wir arbeiten, uns anpassen, lernen und schauen, wohin die Reise führt.» Dafür trainiere er fünfmal die Woche von 10 bis 17 Uhr. Es ist offensichtlich, dass Adolf Silva in der Therapie seine neue Aufgabe gefunden hat und diese mit dem Trainingseifer eines Spitzenathleten angeht.
Viele hätten gefragt, wie es ihm mental gehe. «Ich fühle mich mental stärker als je, unabhängig davon, was passiert ist. Ich fühle mich super gut und bin super motiviert, weiterzumachen.» Silva sagt diese Sätze ernst, sein Blick geht immer wieder direkt in die Kamera. Wie hart es ist, positiv zu bleiben, verrät er nicht. Am schwersten tue er sich damit, dass er nicht mehr selbstständig auf die Toilette gehen könne. «Von meiner Brust an abwärts funktioniert nichts mehr. Das [der Toilettengang] passiert jetzt anders und ist super schwer», erklärt er, ohne auf die Details einzugehen. Auch sich anzuziehen, vom Bett in den Rollstuhl zu gelangen oder in ein Auto zu steigen, sei ein pain in the ass.
Die Frage der Fragen ist, ob er bereue, den riskanten Sprung auf einem der grössten und gefährlichsten Features des Rampage-Kurses versucht zu haben. Silva, der zumindest in der Öffentlichkeit keine negativen Gedanken zulässt, sagt: «Nein, ich bereue es nicht und würde den Double Flip in der gleichen Situation wieder versuchen. Ich hätte den Trick auch stehen und mir hätte später etwas zustossen können. Für mich hat es keinen Sinn, zu denken: 'Ich hätte das nicht tun sollen.' Für mich gibt es jetzt nur einen Weg, es geht nur vorwärts.»