BMC-Cup Gränichen: Die Weltcup-Triumphatoren im Kieswerk
Fahrer aus 17 Nationen stehen am Sonntag, am Start der Rennen in der Hors-Kategorie, 180 Juniorinnen und Junioren bestreiten die Wettbewerbe der UCI-Junior-Serie und insgesamt erreichen Meldungen die Rekord-Zahl von über 800. Florian Vogel vom Focus-XC-Team hat eine grossartige Frühjahrs-Saison in den Staub und Matsch der internationalen Rennpisten gezaubert und dabei ein echtes Comeback in der Weltspitze geschafft. Das drückt sich nicht nur in zwei vierten Plätzen bei den ersten beiden Weltcup-Rennen aus, sondern auch in der dritten Position der neuen Weltrangliste. Obwohl in Rapperswil-Jona lebend, bezeichnet Vogel den BMC-Racing-Cup in Gränichen als Heim-Rennen. Der 33-Jährige fährt für den Racing Club Gränichen. «Der erste Teil der Saison ist praktisch abgeschlossen, aber ich freue mich sehr auf das Rennen in Gränichen. Dort habe ich im Jahr 1995 mein allererstes Mountainbike-Rennen bestritten und es ist ein cooler Event», sagt Vogel.
Auf dem 4,2 Kilometer langen Kurs im Kieswerk gehört Vogel in der aktuellen Form zu den Sieg-Kandidaten. Oder zumindest zu denen, die Weltmeister Julien Absalon vom BMC-Mountainbike-Racing-Team herausfordern können. Der Franzose hat am vergangenen Sonntag im deutschen Albstadt, etwas glücklich, vor Nino Schurter seinen 30. Weltcupsieg eingefahren und damit weiter an seinem Status als Legende geschraubt. Damit kommt Julien Absalon nicht nur im Regenbogen-Trikot und als Weltranglistenerster, sondern auch als Führender der Weltcup-Gesamtwertung. Mehr Nummer eins geht nicht.
Aber auch eine Nummer eins muss auf der Hut sein vor einer motivierten Meute, zu der neben Florian Vogel auch Mathias Flückiger vom Stöckli-Pro-Team gehört. Der musste sich schon im Jahr 2014 in Gränichen nur knapp Fabian Giger (Colnago-Südtirol) geschlagen geben und mit seinen beiden fünften Plätzen in den beiden Weltcup-Rennen weist der Ochlenberger auch Top-Form nach. Auch Giger, Sechster in Albstadt, kommt besser in Schwung, genauso wie Lukas Flückiger (BMC Racing), der den Deutschen Manuel Fumic im Sprint um Platz sieben bezwang. «Das war schon viel besser als eine Woche vorher. Ich schaue nach vorn und bereite mich auf den BMC-Racing-Cup in Gränichen vor», erklärt Lukas Flückiger. Mit Trek-Factory-Racing-Fahrer Daniel McConnell aus Australien gibt es eine weitere internationale Note in der Favoritenparade. Und dann gibt es mit Matthias Stirnemann (Möbel Märki) noch einen weiteren Lokalmatadoren, der in Nove Mesto als 14. und Albstadt als 12. grossartige Rennen zeigte. Er wird auf heimischem Gelände sicherlich einen Vorteil ausspielen können.
Erneute Solo-Show von Jolanda Neff?
«Richtig cool», sei es gewesen sagte Jolanda Neff im vergangenen Jahr nach ihrem Sieg im Gränicher Kieswerk. Das Interview mit der Siegerin war längst im Kasten, als dreieinhalb Minuten später die Zweite Maja Wloszczowska die Linie passierte. Aber eine Soloshow, das kann die 22-Jährige nicht nur im BMC-Racing-Cup. Das gelang ihr auch am vergangenen Sonntag in Albstadt, wenn auch mit weniger Vorsprung. Es war eine Augenweide wie sie durch die Trails flog und in Gränichen kann sich die Thalerin mit ihren fahrtechnischen Qualitäten noch mehr austoben. Ob sie sich nach zwei Weltcup-Siegen für ein HC-Rennen motivieren kann? «Ich fahre alle Rennen gerne, auch wenn es null Punkte gibt. Ich bin schon vier Wochen nicht mehr in der Schweiz gefahren und zudem hat Gränichen eine coole Strecke», sagt Jolanda Neff. Und dann verweist sie noch auf ein Fernduell mit Nino Schurter. «Ich finde das witzig, dass wir so nah beieinander sind. Er hat 59 Siege im Cup und ich 58. Am Sonntag könnte ich also gleichziehen», sagt Neff und ihr Lachen verrät, dass sie diesen Nebenschauplatz tatsächlich mit einem Augenzwinkern nimmt.
Wer könnte ihren neunten Cup-Sieg in Folge verhindern? An erster Stelle ist da Gunn-Rita Dahle-Flesjaa zu nennen. Die Norwegerin war bei den beiden Weltcup-Siegen von Neff jeweils Zweite und in Nove Mesto erlebten die Zuschauer ein genauso enges, wie faszinierendes Duell zwischen den beiden Kontrahentinnen, die altersmässig zwar 20 Jahre auseinander liegen, aber in punkto Leistung beide absolute Weltspitze verkörpern. «Revanche» wollte Dahle-Flesjaa in Albstadt, doch weil sie in der Startphase mal eingeklemmt war, verlor sie zu viel Zeit. Sie wird es Jolanda Neff in Gränichen nicht leicht machen. Und nicht nur sie.
Das Feld der Damen hat noch einige Konkurrentinnen zu bieten, die keine Leichtgewichte sind. Da ist Vize-Weltmeisterin Irina Kalentieva (Möbel Märki) aus Russland, da ist die neue deutsche Hoffnung Helen Grobert (Ghost Factory Racing), die in Albstadt Sechste war, da ist deren Landsfrau, die dreifache Olympia-Medaillengewinnerin und amtierende Marathon-Europameisterin Sabine Spitz, da ist die Australierin Rebecca Henderson (Trek Factory Racing), da ist Linda Indergand (Focus XC) aus Silenen, die im Weltcup positiv überrascht hat, die dreifache Weltcup-Siegerin Eva Lechner (Colnago-Südtirol) aus Italien und nicht zuletzt Esther Süss, die auch den RC Gränichen als Verein auf der Lizenz stehen hat. «Endlich schönes Wetter», hat Süss in Albstadt nach ihrem zehnten Rang gesagt. Soll heissen: wenn die äusseren Bedingungen stimmen, dann ist auch mit mir zu rechnen. Damit sollte es auch in Gränichen klappen. Kathrin Stirnemann (Haibike-Ötztal) hat am Sonntag eine Aufwärtstendenz verbucht. Ob sie aber auf höchstem Niveau schon konkurrenzfähig sein wird, das ist erst einmal offen.
Zum ersten Mal gastiert die UCI Junior Serie in Gränichen. Das ist der Nachfolger des Junioren-Weltcups und deshalb sind es auch Juniorinnen und Junioren aus 17 verschiedenen Nationen, die am Sonntag um Punkte kämpfen. So sind es insgesamt mehr als 20 verschiedene Nationen, die beim BMC-Racing-Cup vertreten sein werden.