Das Material der Schweizer WM-Stars
Für Nino Schurter liess sich Scott etwas Spezielles einfallen. Sein Weltmeisterschafts-Bike, das Scott Spark 700, zieht mehr Blicke auf sich, als jedes andere Cross-Country-Bike im Starterfeld. Die Blicke schweifen schnell auf die liebevoll gestalteten Details. So wurde Nino's Rennfeile, passend zum Austragungsland, mit einem schicken Norweger-Muster versehen. Dieses prangt auf knallig rotem Grund auf den Sitzstreben sowie auf dem Sattelrohr. Technisch hebt sich das 9.5 Kilogramm schwere Spark 700 jedoch nicht von seinem Vorgänger ab.
Im Gegensatz zu Nino Schurter setzt Mathias Flückiger mehr auf eine schlichte Optik, dafür umso mehr auf technische Neuerungen. Der Träger der Weltmeisterschaftslackierung ist ein Prototyp des 2015er Beryll RSC von Stöckli. An diesem kommt eine neue Faser zum Einsatz, die mit einem neuen Fertigungsverfahren im Bereich der Innermould ausgelegt wurde. Zusätzlich fällt der Harzanteil geringer aus als beim aktuellen Modell, was zusammen mit der optimierten Auslegung der Fasern das Rahmengewicht des Twentyniners auf 892 Gramm drückt. Neu verwendet Stöckli am Hinterbau des Beryll eine Steckachse.
Mathias setze in Hafjell als einziger Schweizer Elite-Fahrer auf ein Hardtail. Auf Komfort musste er aber deswegen nicht verzichten. Ein eigens aufgepolsterter Standardsattel und die leicht flexible AX-Lightness-Sattelstütze dämpfen die Schläge etwas ab. Dazu wurde der Federweg an Fox-32-ICD-Federgabel von 100 auf 107 erhöht. Dieses Plus an Federweg flacht den Lenkwinkel am 8.4 Kilogramm schweren Beryll um genau ein Grad ab, was wiederum mehr Laufruhe bringt.
Ralph Näf ist zwar im Cross-Country-Rennen mit BMC's Fully «Fourstroke FS01 29» unterwegs, setzte jedoch für die Eliminator-Titelkämpfe auf den neuen BMC-Prototypen. Als Basis dient das Race Hardtail Teamelite TE01 29, welches zu einer Art Zwitter umgebaut wurde – also weder Fully noch Hardtail. Was genau als Stossfänger verwendet wird, hält BMC noch bedeckt. Das System erinnert jedoch stark an das des Ritchey Softtail, mit welchem Thomas Frischknecht seinerzeit zum Weltmeistertitel fuhr. Näf gewährt uns eine kurze Fahrt durch das Fahrerlager, wo wir uns von der Funktionalität des Systems überzeugen können. Wie gut es im Gelände arbeitet, müssen wir uns mit Ralph Näf's Überzeugung vertrösten.
Keine spezielle Lackierung und auch kein Prototyp, aber es ist ein Novum, Fabian Giger auf einem Vollgefederten Bike zu sehen. Bis jetzt nur auf dem Hardtail unterwegs, hat sich der Giant-Pilot von den Vorzügen dessen überzeugen lassen. Bei Gigers WM-Waffe handelt es sich um ein Giant Anthem Advanced mit 27.5-Zoll-Laufrädern, das 9.8 Kilogramm auf die Waage bringt. Das Giant-Team setzt hierbei auf Federelemente von DT Swiss. Giger schaltet seine Gänge mit der neuen XTR 1x11-Schaltung von Shimano. Hier gibt es trotzdem etwas, das noch nicht im Fachhandel erhältlich ist – Shimano's Prototyp eines 36er-Kettenblattes für deren 1x11-Schaltungen.
Einmalig und erst nach dem Rennen bekommt Jolanda Neff's Weltmeister-Bike ein Upgrade. Für ihren U23-Weltmeistertitel bekommt Neff von DT Swiss eine OPM-O.D.L-Federgabel mit goldigen Schriftzügen und der Aufschrift «2014 World Champion»
Mehr und mehr Fahrer sind mit der neuen RS1-Federgabel von Rock Shox unterwegs. Für diese Upsidedown-Gabel man jedoch eine spezielle Nabe, namens Predictive Steering. Neben Sram durfte bisher nur DT Swiss solche Naben bauen. Nun kommt auch der deutsche Leichtbau-Fabrikant Tune mit einer Predictive-Steering-Nabe. Ein Prototyp davon findet momentan Platz an den Bikes der Fahrerinnen des Ghost Factory Racing Teams und so auch bei Katrin Leumann. Einzelheiten über das edle Teil waren jedoch keine zu erfahren. Es bleibt nur die Annahme, dass die Nabe wiederum sehr leicht sein dürfte.