Die Schweizer Bike-Zukunft gehört den Frauen | Ride MTB

Die Schweizer Bike-Zukunft gehört den Frauen

In den Anfängen des Mountainbike-Rennsports hatte die Schweiz immer wieder starke Frauen. Jedoch schwankte die Anzahl dieser sehr, da oft starker Nachwuchs ausblieb. Nun ist die Lage bei den Offroad-Schweizerinnen so komfortabel wie nie zuvor. Gründe für den Anstieg gibt es mehrere.

Die starken Schweizer Frauen wie Silvia Fürst, Chantal Daucourt, Barbara Blatter und Petra Henzi bescherten unserer Nation viele internationale Spitzenresultate. Hinter ihnen klaffte aber meistens eine Lücke, die im besten Fall nur teilweise geschlossen werden konnte. Immer wieder gab es eine oder mehrere starke Juniorinnen, die auch international an der Spitze mithalten konnten. Mit dem Übertritt in die Elite-Kategorie bekundeten jedoch die meisten Fahrerinnen Mühe und vermochten die Lücke nach vorne nicht zu schliessen. Oft war der Sprung zwischen der untersten und obersten Kategorie einfach zu gross. Die Einführung u23-Kategorie bei den Frauen im Jahr 2006 brachte die Wende. Zwar mussten die Fahrerinnen im Weltcup noch immer in der höchsten Kategorie antreten, hatten aber zumindest greifbarere Ziele für die Europa- und Weltmeisterschaften. Diese Kategorie ist jedoch nur ein Puzzlestein im Schweizer Nachwuchs-Mosaik.

Erst im Jahr 2011 führte der Radweltverband UCI, für die Frauen wie auch für die Männer, eine eigene u23-Kategorie im Weltcup ein. Dort können sich die Nachwuchsathletinnen besser entwickeln, ohne überfordert zu werden. Natürlich profitieren von dieser Kategorie nicht nur die Schweizerinnen, auch ausländische Fahrerinnen können sich darin weiterentwickeln. Nach der Junioren-Kategorie kommen die Fahrerinnen in ein Stadium in dem die Förderung besonders wichtig wird. Die Berufsbildung ist und bleibt hierzulande ein zentrales Thema. So sind auch immer mehr, auf Sportler zugeschnittene Ausbildungsplätze vorhanden von denen die u23-Frauen und Männer gleichermassen profitieren können. Mittlerweile kommen junge Frauen auch in den Genuss von weiteren Fördermassnahmen wie das Berufsmilitär. Aktuell profitieren Linda Indergand und Jolanda Neff von einer Anstellung als Zeitsoldatinnen. Ein weiterer Faktor sind die sportlichen Perspektiven. Seit einigen Jahren haben sich einige reine Frauen-Teams etabliert. In den drei grossen Equipen «Colnago Pro Cycling Team», «Ghost Factory Racing Team» und dem «Sabine Spitz Haibike Pro Team» ist jeweils mindestens eine Schweizerin vertreten. Dazu kommt das «Giant Pro XC Team» welches mit der Polin Maya Wloszczowsa und Jolanda Neff ebenfalls zwei erfolgreiche Frauen unter Vertrag hat. Doch auch an der Basis tut sich was. Andreas Kurmann, Team Manager des «Strüby BiXS Team», setzt seit Längerem mit Herzblut auf den Nachwuchs. Sein Effort hat schon oft Früchte getragen, wie die Weltmeistertitel von Linda Indergand und Alessandra Keller beweisen. Auch Joe Broder bietet mit seinem «JB Felt Team» einigen Mädchen die Möglichkeit, sich sportlich zu entwickeln. Es bleibt an dieser Stelle nur zu Wünschen, dass die beiden Beispiele weitere Nachahmer finden.

Ein weiterer, wichtiger Punkt in der Förderung ist, dass die Schweizer Fahrerinnen ihren eigenen Nationaltrainer haben. Dieser kann besser auf deren Bedürfnisse eingehen, als wenn das ein einziger Coach für alle Kategorien machen muss. Somit profitieren auch die u23-Frauen von einer besseren Betreuung. Was wenige Rennteams bereits vormachten, wird auch bei Swiss Cycling umgesetzt. So bekommt das Frauenkader mit Pascal Seydoux einen Techniktrainer für die anstehende Saison und darüberhinaus. Obwohl die Schweizer Mountainbikerinnen ohnehin schon technisch stark sind, geht der Schweizer Radverband damit einen Schritt weiter um auch in diesen Bereich eine solide Basis zu schaffen.

Ohne Vorbilder, keine Nachahmer. Der Mountainbike-Sport ist in der Schweiz salonfähig. Auch im Fernsehen wird immer mehr von den Mountainbike-Rennen gezeigt, und das auch von den Frauen. So sind die aktuellen Schweizer Leistungsträgerinnen zu Vorbildern für junge Mountainbikerinnen geworden. Auch wenn Fahrer wie Nino Schurter oder Ralph Näf für beide Geschlechter Vorbilder sind, ist es enorm wichtig, dass Mädchen auch deren weiblichen Pendants wahrnehmen können und begreifen, dass das Mountainbiken auch ein Sport für Frauen ist. Wichtig sind dabei Fahrerinnen wie Jolanda Neff. Obwohl sie an internationalen Titelkämpfen noch in der u23-Kategorie starten muss, hat sie sich bereits im Elite-Weltcup etabliert. An diesem Beispiel können sich Nachwuchsfahrerinnen halten und sehen, dass der Weg an die Spitze möglich ist.

Wird die spezifische Förderung beim weiblichen Schweizer Cross-Country-Nachwuchs weiterführt und verfeinert, wird deren Zukunft goldig sein. Bereits jetzt stehen die Chancen gut, dass die Lücke zur Weltspitze nahtlos geschlossen wird, sollte Süss und Co. irgendwann einmal ihre Bikes an den Nagel hängen.