Easyloop – die Erfindung mit Haken für Schlepplifte
Eine Geschichte, wie sie nur das Mountainbiken schreiben kann: Während der Corona-Pandemie half Simon Hanl beim Trails shapen am Wechsel in Niederösterreich mit. „Es war die Zeit der Lockdowns und jede Gelegenheit, etwas im Freien zu unternehmen, war sehr willkommen“, erinnert sich der 38-jährige. Die sogenannten Wexl Trails haben sich mittlerweile zu einem der besten Mountainbike-Spots Ostösterreichs entwickelt. Damals war die Trail Area noch im Entstehen und man nutzte bis dato Shuttles, um die Biker auf den Berg zu bringen. „Eines Tages hieß es dann, dass der Schlepplift künftig im Sommer fürs Biken genutzt werden kann“, erzählt Hanl.
Die Trail-Shaper genossen nach getaner Arbeit noch ein, zwei Bier und man diskutierte über die Schlepplift-Nutzung. Hanl gab zu bedenken, dass ein an der Sattelstütze eingehakter T-Bügel wohl nicht die Ideallösung sei. Nicht alle goutierten seine kritischen Einwände und ein Kollege sagte zu Hanl: „Wenn du so gescheit bist, dann erfinde halt was Besseres!“ Hanl fuhr nach Hause und tat genau das. Lachend kramt er den Prototyp des Easyloopsystems, der heute im Regal hinter seinem Schreibtisch liegt, hervor: „Das ist nichts anderes als ein Stück Gartenschlauch und eine Rebschnur, das hatte ich zufällig im Keller.“ Hanls Erfindung ist so einfach, wie genial: statt des T-Bügels wird an den Schlepplift ein Zughaken montiert, der am Vorbau eingehängt wird und so das Bike samt Fahrer nach oben zieht.
Schlepplifte einfach auf Sommer umrüsten
Aus der Reepschnur wurde eine Zugkralle, die mit einem Plastikcover überzogen ist, um keine Kratzer am Bike zu hinterlassen. Das Ganze wird an eine Zugstange montiert, die mittels Verbindungsstücks den T-Bügel, der im Winter am Schlepplift hängt, ersetzt. So kann ein Schlepplift mit wenigen Handgriffen in ein bis zwei Stunden vom Winter- auf Sommerbetrieb umgestellt werden. Die Zugkralle des Easyloopsystems kann mit nur einer Handbewegung an Ahead- oder Direct-Mount-Vorbauten eingehängt werden. Mittlerweile gibt es von Reverse Components sogar einen eigenen Easyloop-Adapter, den man sich anstelle eines Spacers an den Vorbau montieren kann, um dort die Kralle einzuhängen.
Der Vorteil des Systems ist, dass es durch das Einhängen am Vorbau eine zentrierte Ausrichtung während Fahrt gewährleistet. Im Falle eines Sturzes hängt sich die Zugkralle sofort von selbst aus. Und es ist zertifiziert für Selbstaussteiger. Das heisst, beim Verlassen des Liftes sorgt das an der Ausstiegsstelle flache oder leicht abschüssige Terrain dafür, dass die Zugkralle mühelos und einhändig wieder vom Vorbau gelöst werden kann. Die jüngsten Easyloop-Nutzer waren bisher 5 Jahre, die ältesten 75 Jahre alt, weiß Hanl.
Herstellung mit sozialem Mehrwert
Hergestellt wird der Easyloop zu 100 Prozent in Österreich. Hanl lässt in der GW St. Pölten, einem der größten integrativen Betriebe des Landes fertigen, wo mehr als 70 Prozent der Mitarbeiter Menschen mit Behinderung sind. Er selbst arbeitet weiter als One-Man-Show von zu Hause aus. Für die Zukunft plane er zwar, ein Büro anzumieten und Mitarbeiter anzustellen, doch bisweilen funktioniere sein Unternehmen auch so. Und zwar weltweit. Denn das Easyloopsystem wird heute schon in 66 Bikeparks rund um den Globus eingesetzt und weitere 197 haben ihr Interesse bekundet. Bis nach Neuseeland hat sich die Schlepplift-Lösung schon herumgesprochen.
Easyloop ist TÜV Süd-zertifiziert und mit allen am Markt befindlichen Schleppliften kompatibel. Hanl hält die Patente für den Lösungsansatz, das Design und die Funktion. Daher waren auch die Branchenführer wie Leitner und Doppelmayr schnell bereit, mit ihm zu kooperieren. In der ersten Saison am Wechsel transportierte der Easyloop-Schlepplift bereits 180.000 Biker auf den Berg. Im Greenhill Bikepark in Deutschland arbeitet das System an seiner Leistungsgrenze: dort überwindet es eine Maximal-Steigung von 60 Prozent und schafft pro Saison 430.000 Biker. Mehr geht nicht – vorerst. Denn Hanl tüftelt bereits an einer Lösung für eine Art Doppelbügel, damit zwei Biker gleichzeitig an einer Stange transportiert werden können. 2024 hat er sein Portfolio bereits erweitert und den Easyloop für Mountaincarts adaptiert, die nun auch damit gezogen werden können. Für seine Kunden hat er ebenfalls einen Zusatzverdienst erdacht: Die Plastikcover der Zugkrallen können als Werbeflächen verkauft und individuell gestaltet werden.
Wer hat’s erfunden? Österreicher mit Schweiz-Bezug
Als passionierter Biker hat sich Hanl zum Ziel gesetzt, jeden Bikepark, den er ausstattet, irgendwann selbst zu besuchen – aktuell arbeitet er mit Vertriebspartnern in verschiedenen Ländern zusammen. „Ich hoffe, das geht sich in einer Lebensspanne aus“, lacht er. In der Schweiz sind bereits zahlreiche Easyloops im Einsatz und Hanl hat dazu einen besonderen Bezug. Denn von 2011 bis 2015 lebte der gelernte Zimmermann in Brunnen, wo er für die Clarus Films AG in der Verpackungsbranche tätig war. Dass er einst zum Erfinder und weltweit tätigen Unternehmer wird, hätte er sich damals selbst nicht träumen lassen.