Epic-Blog: Fast vom Winde verweht | Ride MTB

Epic-Blog: Fast vom Winde verweht

Das Ride-Flow-Trail-Team hat auf der zweiten Etappe etwas mehr zu beissen und mit einem unsichtbaren, aber starken Gegner zu kämpfen. Anita Gehrig beschreibt im zweiten Eintrag den zähen Start in die zweite Etappe und weshalb diese doch noch für freudiges Trail-Jauchzen sorgte.

Nach der gestrigen ersten richtigen Etappe weiss ich nun wie der Hase läuft, dabei konnten Balz und ich sogar das Leader-Trikot ergattern. Der damit aufgehalste Druck belastete meinen Schlaf zum Glück nicht, die Anstrengungen vom Vortag sind aber stark zu spüren. Der Puls schnellt allerdings schon vor dem Start in die Höhe, denn die Gondelbahn, die wir Flow-Fahrer hoch zur Riederalp nehmen dürfen, kommt durch den stürmischen Föhn arg ins Schwanken. Im Schritttempo fährt der Gondelwart die metallene Kiste an dem letzten Seilbahnmast vorbei.

Starten können wir jedoch nicht sofort. «Wir müssen die Spitzenfahrer der Marathonstrecke abwarten, damit ihr denen nicht in die Quere kommt», heisst es von der Starthelferin. Ja, auch heute teilen wir uns einige Streckenabschnitte mit den Marathonisti. Nach gut einer halben Stunde Wartezeit in der Bergstation kommt plötzlich emsiges Treiben auf «Es geht los!» Mit dem Leaderjersey bekleidet stellen wir uns dem stürmischen Föhnwind und dem leicht einsetzendem Regen. Ich bin froh, müssen wir uns heute nicht im Massenstart beweisen. Denn ich fühle mich heute nicht als könnte ich Bäume ausreisen und übermotivieren Männern Paroli bieten, nur um nachher im Trail nicht hinterher Bremsen zu müssen.

Die ersten Kilometer haben es in sich und sind dem Gegenwind knallhart ausgesetzt. Ich habe das Gefühl wir kommen kaum von der Stelle. Zermürbend stellen sich meinem Flow-Vergnügen immer wieder steile Rampen in den Weg: absteigen, hochschieben, aufsteigen weiterfahren, eine weitere Rampe hochdrücken. So habe ich schon bald nach dem Start das Gefühl meine Waden sind kurz davor zu verkrampfen. Ich werde etwas stinkig und schaue immer wieder auf den Tacho. Insgesamt 32 Kilometer und rund 1’500 Höhenmeter bis zum ersten Checkpoint sind ein langer Weg wenn es gerade nicht so läuft. Balz muss sich meinen Unmut nur kurz Anhören, der Wind pfeift uns so laut um die Ohren, dass er sowieso nichts hört und ich keine Lust habe gegen denn Wind zu brüllen.

 

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Das Panorama ist hingegen atemberaubend und wirkt durch die dunklen Wolken nochmals dramatischer als es sonst schon ist. Ich kann es mir nicht verkneifen meinen Blick in die ferne schweifen zu lassen. Endlich kommt ein längeres Abfahrtsstück! Dieses bringt mir nicht nur meine Moral zurück sondern führt uns auch in ein vom Wind verschontes Seitental. Der Trail der sich an der Bergflanke entlang windet ist von aller erster Güte und hinterlässt ein breites Grinsen in meinem Gesich – geil! :D Auch der darauffolgende lange und wirklich fiese Anstieg vermiest die Stimmung nicht. Balz schiebt mich aufopferungsvoll, die uns überholenden Epic-Teams beneiden mich mehr als einmal um meine «Schiebehilfe».

Doch bald steilt die Strasse zunehmend auf und meine Beine vermögen das 32er Kettenblatt nicht mehr zu drücken, ohne zu arg an der Substanz zu zerren – ich laufe, das geht einfacher. Doch bald haben wir auch dieses «Miststück» eines Aufstieg bewältigt und sind danach wieder nahezu überwältigt. Wir stechen wir in einen super Singletrail, den Balz und ich ironischerweise schon vor einem Jahr als Aufstieg missbraucht haben. Bergab ist dieser einfach top und ich kann mir einen Jauchzer nicht verkneifen. Dieser Trail führt uns in kleine Bergdorf Jeizinen, wo der zweite grosse Anstieg des Tages beginnt. Mir geht es ein Stück besser als nach dem Start und so finded ich schnell einen guten Rhythmus. Die angenehme Steigung erweist sich dabei als sehr dienlich und die Vorfreude auf die kommende Abfahrt treibt zusätzlich an.

 

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Endlich in diese eingebogen, brettern wir rasant die Trails hinunter – wir haben den Flow gefunden und zwar so richtig. Vielleicht fast zu sehr. Denn an einer Kreuzung rast Balz unbeirrt weiter, doch ich bin mir plötzlich unsicher ob wir richtig gefahren sind. «Falsch» schreit man uns plötzlich zu und schreie Balz dasselbe hinterher. Die Epic- und Flow-Strecke trennen sich an diesem Punkt und beinahe hätten wir uns in den Uphill nach Leukerbad statt in diesen einfach nur geilen Downhill begeben. Verloren haben wir zum Glück auch nicht viel.

Die nachkommenden Trails sind uns von einigen Wallis-Ausflügen bekannt und so freuen wir uns auf das was uns erwartet. Man sollte meinen, wer die Trails kennt, kann schneller fahren. Das vielleicht schon, aber Balz treibt es ein paar Mal zu bunt und verpasst zwei Mal fast die Kurven und steigt einmal beinahe über den Lenker ab.
Wir kommen bald und unversehrt am Checkpoint an. Nur die Hände schmerzen uns nach dieser ruppigen Abfahrt.

Im Shuttle-Bus zurück nach Leukerbad erfahren wir von einer stark verkürzten, letzten Abfahrt. Denn wegen des starken Windes wurde unsere nächste Sektion gekürzt. Eine weitere Bergfahrt mit der Gondel wäre mit dem starken Seitenwind zu gefährlich. Wir starten weit unterhalb des vorgesehenen Flowtrails, vergnügen uns auf dem kurzen und technischen Trail-Abschnitt ehe wir uns über die Strasse die letzten Meter zum Ziel ins Dorf hochhetzen. Die zweite Etappe ist geschafft und zu unserer Überraschung dürfen wir das Leader-Trikot einen weiteren Tag behalten.
 

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Ich bin überrascht wie gut wir als Team in einem für mich ungewohnten Format funktionieren, die Aufgaben sind auch ohne Absprache klar verteilt; Balz fährt die schönen und schnellen Linien vor und ich bin für die Überholmanöver zuständig, falls Balz zu lange anständig hinterherfährt. :D

Fotos @Sportograf und Lightmoment