Epic-Blog: Halsschmerzen, Müdigkeit, Horu und Happy End | Ride MTB

Epic-Blog: Halsschmerzen, Müdigkeit, Horu und Happy End

Die Schlussetappe des Perskindol-Swiss-Epic von Grächen nach Zermatt versprach ein kurzes Feuerwerk zu werden. Es brauten sich jedoch schon in der Nacht Schwierigkeiten zusammen, welche dieses nochmals zäh werden liess. Die letzte Etappe beschreiben Anita und Balz gemeinsam.

Anita: Nach der gestrigen Misere bin ich froh, dass nun die letzte Etappe ansteht. Langsam aber sicher bin ich müde von den Strapazen die ein solches Rennen mit sich bringt. Auch Balz bekundet Mühe und hat schon am Vorabend über Halsschmerzen geklagt. Diese sind leider über Nacht nicht besser geworden, deshalb macht er kurz vor dem Start noch einen Abstecher in die Apotheke um sich mit Neo Angin und Nasenspray einzudecken. Wie das so ist mit einem Männerschnupfen, scheint es sehr schlimm zu sein. ;)

Als um 09.00 Uhr der Startschuss zur Schlussetappe fällt, scheinen die Halsschmerzen kein Thema mehr zu sein. Balz zieht ein für mich horrendes Tempo an, ich hechle hinterher und kämpfe etwas mit meiner Motivation. Meine eiskalten Füsse machen die Situation nicht besser, sogar meine Waden fühlen sich an wie Eiszapfen und machen das treten so ziemlich mühsam. Der knackige Startanstieg schiesst mir schon fast die Lichter aus, aber wir wollen ja möglichst die zwar stark bergauffahrenden Männer aber technisch weniger versierten hinter uns lassen damit wir freie Bahn haben.

Dieser Plan funktioniert ganz gut und auf dem ersten Suonen-Trail kann ich mich kurz erholen. Auf die nachfolgende Abfahrt folgt bereits ein weiterer Anstieg, um darauf in den nächsten Singletrail zu gelangen. Dieser führt wunderschön am Hang entlang in Richtung Täsch: Technische Herausforderungen wechseln sich mit kurzen Anstiegen und schönem Waldboden ab. Der Nebel hängt noch immer tief und gibt dem mit viel Moos bewachsenen Wald eine mystische Atmosphäre. Der Untergrund ist feucht und macht die etlichen Steinpassagen zu einer wilden Partie. Balz fährt vor und kommt immer mal wieder von der Ideallinie ab, auch bei seinem noch so sicheren Fahrstil schleichen sich durch die Müdigkeit langsam Fehler ein – immerhin bleibt er sturzfrei und ich kopiere seine Fehler nicht. ;)

Im Talboden angelangt geht die Fahrt im Flachen weiter bis nach Herbriggen wo wir früher als erwartet auf den nächsten Checkpoint treffen. Während wir wenig später darauf mit dem Shuttle-Bus nach Zermatt gefahren werden, erspähen wir immer wieder Epic-Fahrer. Keinesfalls möchte ich in deren Haut stecken. Lieber nehme ich eine weitere Abfahrt auf diesen epischen Walliser-Trails unter die Stollen.

Balz: Ab Zermatt wird die Ansammlung von Flow-Fahrern per Zahnrad- und Gondelbahn hoch hinaus gebracht. Auf knapp 2'600 Meter wo die Luft langsam etwas dünner wird, starten wir ab der Bergstation Blauherd in den letzten Abschnitt dieser epischen Woche. Bevor es jedoch soweit ist, sorgt Rudy Biedermann vom Team Moustache für Verblüffung. Sein Vorderradbremshebel ist komplett abgebrochen und trotzdem will er sich so zu Tale stürzen. «Scheisse, so ohne Vorderbremse fahren müssen, aber geht schon irgendwie – schreit einfach wenn ich im Weg stehe», brummt er vor sich hin. Nun, wir kennen Rudy und seine fahrtechnischen Fähigkeiten, weshalb wir keine Sekunde um ihn besorgt sind. Später verrät er uns, dass er bei der ersten Service-Station einen Kabelbinder in die Hebelaufnahme gezogen habe, den Finger dort eingehängt und so wieder habe bremsen können. Über diese Notlösung sind dann aber auch wir erstaunt.

Unsere Fahrt von Blauherd startet dann in einem guten Rhythmus, jedoch im verhältnismässig moderaten Tempo. Einen Sturz oder leichtsinnigen Defekt wollen wir so vermeiden. Denn wir beide sind etwas angeschlagen. Anita hat sich schlecht erholt und meine Batterien geben wegen der Erkältung auch nicht so viel her wie die Tage zuvor.
Die Trails sind wiederum super, bieten an schroffen Felsen vorbei, oder über die Hängebrücke, eindrückliche Szenerien, aber fordern ordentlich unsere Konzentration. Zunehmend mache ich wieder Fahrfehler und rege mich darüber auf – hörbar laut. Anita mag mein Geschimpfe gar nicht und jetzt wo sie auch ziemlich müde ist, noch weniger. «Jetzt chills mal», ruft sie leicht genervt. «Ach lass mich doch in Ruhe! Ich kann auf mich sauer sein wann ich will», murre ich zurück – es herrscht Funkstille für eine Weile. Halb so wild, nach fast einer Woche intensiven «Zweiradferien» kann es mal zu Reibereien kommen. Es dauert auch nicht lange und beide sind wieder am grinsen – erst recht Anita, als die Anzeigetafel für die letzten fünf Kilometer kommt. «Rechne damit, dass noch ein, zwei Anstiege kommen», dämpfe ich die Euphorie ein wenig. Denn die letzten Kilometer können oft fies und streng sein.
 

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Traumtrails rund um Zermatt die mehr als eindrückliche Szenerien bieten. Fotos ©Apix - Alex Buschor

Meine Skepsis erweist sich als ungerechtfertigt. Die Gegenstiege auf den Trails nahe von Zermatt sind kaum erwähnenswert und die Anzeige für den letzten Kilometer kommt ebenfalls schneller als gedacht. Wir düsen durchs schöne Zermatt, durch die verwinkelte Streckenführung und müssen höllisch aufpassen da einige Leute gerne mal in die Strecke latschen. Kümmern tut uns das jedoch nicht mehr, denn wir sind nicht mehr in Eile und auf der Jagd nach Sekunden. Noch eine Kurve links- und eine rechtsrum und das Perskindol-Swiss-Epic 2015 ist geschafft und als Sahnehäubchen dürfen wir uns den Gesamtsieg der Flow-Mixed-Wertung freuen.
 

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Eine super Woche mit tollen Leuten endet, vielen Dank! Fotos ©Lightmoment - Michael Suter

Und nun wird über die Veranstaltung gelästert – natürlich nicht. Aber ganz ehrlich, Anita und ich ziehen ein positives Fazit von der Organisation. Als Fahrer fühlten wir uns immer gut umsorgt und aufgehoben. Gepäcktransport, Wäscheservice, Bikewash und so weiter, hat alles bestens funktioniert – an dieser Stelle auch ein herzliches Dankeschön an die vielen Helfer! Zu beanstanden gibt es praktisch nichts. Vielleicht hätte man die eine oder andere Verzweigung besser beschildern können und vielleicht die Streckenposten bei der Zielanfahrt in Zermatt verstärken, da einige Passanten und auch Kinder in die Strecken rumgelaufen sind. Dies sind jedoch Details, welche unserem Erlebnis keinen Abbruch tun. Wir werten mit den Daumen und so geben wir vier Mal «big up» Perskindol-Swiss-Epic-Crew – cheers!

 

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Foto ©Lightmoment - Michael Suter