Epic-Blog: Überraschung zu Beginn – Flow’erdose zum Schluss
Für Anita und mich startet der Tag mit der Gondelfahrt von Verbier hoch auf La Ruinette wo der Start für die Teilnehmer des Perskindol-Flow-Epic erfolgt – Massenstart wohlverstanden. Anita erinnert sich dabei an die Massenstart-Downhill-Marathons, wovon sie schon einige bestritten hat. Zeit, lang zu sinnieren haben wir nicht. Der Startschuss fällt und wir düsen der ebenen Schotterstrasse Richtung Croix de Coeur entlang, wonach der Abfahrtspass beginnt. Beim Croix stossen wir mit den Teilnehmern der Swiss-Epic-Marathon-Strecke zusammen, also wir teilen uns den Trail ins Tal. Ob das zusammen geht? Die meisten Flow-Fahrer möchten so schnell wie möglich runter zum Checkpoint kommen während die Epic-Fahrer eher passiv und auf Erholung bedacht talwärts fahren.
Bei der Einfahrt in den ersten Trail suche ich bereits erste Schlupflöcher um Fahrer zu überholen. Anita fährt zu dem Zeitpunkt einige Meter hinter mir – lange jedoch nicht. Wie ein durchgebranntes Pferd pfeift sie an mir vorbei und an allen anderen auch. «Hoppla, da muss ich mich wohl mehr beeilen als ich mir vorgenommen habe.» Ich muss vorausschicken, dass Anita im Training eher bedacht fährt und ich mich oft frage, warum sie in der Enduro-World-Series trotzdem so gut ist. Nun, das Zauberwort heisst «Startnummer». Ist sie einmal im Rennmodus, geht nicht nur der Knoten, sondern auch die Bremse auf. So sehr, dass ich mich zwischendrin ernsthaft sputen musste, um an ihr dranzubleiben. Immerhin im Wissen, dass sie weiss was sie tut.
Im Gegenstieg startet das «Duell»
Der Temporausch endet just im Gegenstieg. Es geht auch nicht sehr lange, da fahren die Flow-Mixed-Leader, Tanja und Nicolas vom Team «Lucky Star Sargans», leichtfüssig an uns vorbei. Wir fahren im Rahmen unserer Möglichkeiten und lassen die beiden ziehen. Wobei mich Anita gerade in den Uphills sehr überrascht. Sie fährt ein beachtliches Tempo berghoch.
In der folgenden Abfahrt können wir unsere Stärken nur noch bedingt ausspielen, denn auf den engen Trails herrscht oft Stau. Wir müssen akzeptieren, dass diese Abfahrten bei einigen Fahrern die volle Konzentration verlangt und da ein Ausweichmanöver, um uns vorbeizulassen, einfach nicht drin liegt. Dennoch erreichen wir den Talboden und bald darauf auch den Checkpoint zeitgleich mit dem führenden Mixed-Duo. Erholen, verpflegen und Bikes in die Shuttle-Busse verladen ist angesagt. Danach werden wir zum nächsten Startpunkt in Lens gebracht.
Gute Laune im Shuttle-Bus. Kein Wunder bei den coolen Trails.
Auf dem zweiten, gewerteten Abschnitt starten die Teams einzeln. Das ist uns viel angenehmer und die anstehenden Trails währen auch ziemlich stauempfindlich. Vor allem aber sind sie – entschuldigt meine Wortwahl – sau geil zu fahren. Mountainbike-Trails erster Güte mit einem guten Mix zwischen technischem Fahren und Flow: traumhaft!
Doch ist dieser Abschnitt mit seinen zahlreichen Gegenanstiegen und teilweise verwurzelten Suonen-Trails sehr kräftezerrend. Beklagen wollen wir uns natürlich nicht: Wir lassen es etwas langsamer angehen und geniessen die schmalen Pfade entlang der historischen Wasserläufe.
Noch einmal steigen wir in den Shuttle und lassen uns nach Leukerbad fahren. Doch wo für die Marathonisti verdientermassen Feierabend ist, gehen wir Flow-Fahrer nochmals hoch hinaus – naja zumindest bis zur Rinderhütte. Von da startet unser letzter Abschnitt über den in diesem Sommer, von der Firma Velosolutions, fertiggestellte Flowtrail. Oben frieren wir schon fast alle an den Allerwertesten während wir auf den Start warten, denn es zieht uns ein ordentlich kalter Wind um die Ohren. Als es endlich soweit ist, verfliegt die Kälte mit den ersten Kurven. Der Flowtrail von der Rinderhütte ist der Hammer. Alle Kurven gehen super auf und wir kommen ordentlich in den Kurvenrausch. Eigentlich just zu dem Zeitpunkt wo sich bei Anita und mir die Flow Overdose – oder Flow’erdose – einstellt, ist die Mountainbike-Achterbahn zu Ende. Natürliches Terrain erwartet uns mit Wurzeln, Steinen und natürlichen Elementen zum überspringen. Für uns das perfekte Kontrastprogramm und begrüssenswerte Kompensation zum Flowtrail, auch wenn uns oftmals die Kuhfladen um die Ohren fliegen. Bäh, aber die anderen Fahrern werden ebenfalls nicht drumherum kommen.
Kalte Finger vor der letzten Abfahrt.
Kurz vor dem Kurort Leukerbad endet der Trail-Spass und eine kurze Gegensteigung erwartet uns bis in Ziel – die Beine brennen und Anita hängt mich bis ins Ziel noch fast ab. Yeah, den Tag haben wir ohne technische oder anderweitige Probleme hinter uns gebracht und dabei eine Menge Spass gehabt. Zu unserer weiteren Freude dürfen wir uns auch ins Leader-Trikot einkleiden lassen. Somit werden wir auf der zweiten Etappe, mit Start und Ziel in Leukerbad, unsere Zimtstern-Trikots schonen. Uns werden wir wohl nicht schonen können, denn mit Tanja und Nicolas hat ein cooles Battle begonnen und die zweite Etappe dürfte den beiden klar besser liegen. Die Spannung bleibt somit aufrecht und einige knackige Tage stehen uns noch bevor.