Greenhouse Race – ein Sportfeuerwerk im Gewächshaus
Nach einem Jahr Pause lädt Initiator Adrian Kiener zum dritten «Greenhouse Urban Mountainbike Race» dem Pumptrack-Rennen im 80 Jahre alten Gewächshaus der elterlichen Gärtnerei. Seinem Ruf folgen erneut Weltklasse-Mountainbiker wie die Downhill-Spezialisten Neko Mullaly (USA) und Brendan Fairclough (GBR), David Graf und Roger Rinderknecht aus der BMX-Zunft sowie auch Pumptrack-Spezialist Adrien Loron aus Frankreich. Erstmal sind Bikerinnen mit von der Partie. Das weitaus kleinere Fahrerfeld wird von Emilie Siegenthaler angeführt.
Die Rennläufe werden wie gehabt im Knock-Out-Modus ausgetragen. Noel Niederberger als Qualifikationsschnellster eröffnet das Rennen und schafft sich, in spielerisch anmutender Manier, Lauf um Lauf weiter. Ebenso Adrien Loron, der im vorletzten Lauf die Fahrzeit auf 28 Sekunden drückt und Halbfinalgegner Brendan Fairclough rausbugsiert. David Graf, ein heisser Kandidat auf den Sieg eliminiert sich im Viertelfinale gleich selbst. Kurz nach dem Start gerät er nach dem Sprung in Vorlage und katapultiert sich daraufhin über den Lenker in den Treibhaustunnel.
Nachdem Guennet Chaney das kleine Finale gegen Brendan Fairclough für sich entscheidet, steigt die Spannung auf das Rennen um Platz eins. Niederberger startet als erster und legt stark vor. Die Uhr bleibt nach 29 Sekunden stehen. Mit einem perfekten Lauf stehen seinem Gegner Loron die Chancen noch offen. Tatsächlich führt der flinke Franzose bei der Zwischenzeit knapp. Doch schon bei der nächsten Kurve zieht eine Spur zu hoch und rutscht mit dem Hinterrad über die Anliegerkure raus – Sieg verschenkt. Somit steht Noel Niederberger als Sieger der dritten Greenhouse-Ausgabe fest.
Der unterlegene Loron nimmt es sportlich und freut sich mehr über das spezielle Rennen: «Ein Pumptrack-Rennen in einem Gewächshaus ist schon sehr cool, so etwas habe ich noch nie zuvor gesehen. Auch die Stimmung um diesen wirklich herausfordernden Track war einzigartig. Zudem bin ich noch nie so ein langes Pumptrack-Rennen gefahren. Bis zum letzten Finaldurchgang ging das Rennen schon sehr an die Substanz.»
Siegenthaler erpumpt sich Premierensieg
Erstmals sind auch die Frauen mit von der Partie – allerdings auf verkürzter Strecke. Dennoch verspricht das Rennen nicht weniger Spannung und so drängen sich auch das Publikum an den besten Zuschauerplätzen zusammen. Die Stimmung steigt jedoch zaghaft an, was auch ein wenig der verhaltenen Moderation zuzuschreiben ist. Mit der Dauer des Rennens kommen die Zuschauer immer mehr aus dem Busch und pünktlich auf die letzten zwei Duelle ist auch der Lärmpegel finalwürdig.
Dieses eröffnen die beiden Downhill-Spezialistinnen Géraldine Fink und Lea Rutz im Kampf um den dritten Podestplatz. Fink die zuvor schon eine Spitzenzeit in den Greenhouse Pumptrack gebrannt hat, behält auch dieses Mal die Oberhand und freut sich über Rang drei.
Das Duell um den eröffnet die Österreicherin Angie Hohenwarter. Kraftvoll und behände schiesst sie über die Wellenbahn im Gewächshaus – schnell, aber womöglich nicht schnell genug. Denn Siegenthalers Zeit aus dem Halbfinale war bereits schneller. Daran ändert sich auch im Finale nichts. Siegenthaler zieht fehlerfrei durch und gewinnt die Premiere am Greenhouse Race.
Unzählige Stunden Arbeit und schlaflose Nächte
Adrian Kieners Pumptrack-Rennen im stillgelegten Gewächshaus seiner Eltern erlangte bereits nach der zweiten Austragung im Jahr 2013 Kultstatus. Die dritte, noch grössere Ausgabe dieses Mountainbike Happenings, in Mitten von Ostermundigen, konnte dann im Anschlussjahr nicht durchgeführt werden. Kieners Plan mit der Verdoppelung der Strecke war schlicht eine Schuhnummer zu gross – jedoch nicht zu gross um das Projekt ad acta zu legen. Zusammen mit seiner Lebenspartnerin, dem Enthusiasmus seiner Eltern und zahlreichen kräftigen Händen, stemmt der frühere 4x-Profi das Mammut-Projekt «Greenhouse Urban Mountainbike Race 2015».
Lässt man die gesamte Vorarbeit weg, so kommt Adrian Kiener auf einen Monat Aufbauzeit. Es musste der kleine, bestehende Streckenteil ergänzt und die Infrastruktur aufgebaut werden. Nach zig schlaflosen Nächten und Schwielen an den Händen schafft es die Crew um Initiator Adrian Kiener, die Strecke auf das Rennen fertigzustellen. Erst am Freitag vor dem offiziellen Trainingsbeginn kann er die Strecke zum ersten Mal testen.
Arbeit macht auch das Zeitmesssystem. Obwohl das Rennen im K.O.-System abgehalten wird, kann nicht einfach dasselbe Programm wie im 4x benutzt werden. Zeitmessfachmann Florian Gärtner grübelt rund 80 Stunden bis das System sowie die Anzeige auf den zahlreichen Bildschirmen so funktionieren wie es muss. Insgesamt ein enormer Aufwand, um den Mountainbike-Fans ein einmaliges und wertvolles Spektakel zu bieten, ohne dabei wirklich Geld zu verdienen.
Nach den ersten zwei Greenhouse-Rennen waren die Erwartungen auf das dritte Happening gross. Auch dieses Mal vermag Kiener diese Erwartungen mit dem Rennspektakel und den Side-Events wie zum Beispiel der Goldsprint, oder der anschliessenden Party zu erfüllen. Auch Roger Rinderknecht den heutigen BMX-Nationaltrainer freuts: «Das Rennen war der Hammer, aber noch besser finde ich, das Adrian den Mut hatte, dieses Riesenprojekt umzusetzen. Es ist alles grösser und spektakulärer und doch herrscht noch immer dieselbe Stimmung wie vor zwei Jahren.»
Nachdem die Veranstaltung stetig gewachsen ist, ist deren Grösse nun erreicht. Von der Streckenlänge, vom Event-Gelände wie auch von der Überschaubarkeit. Aber auch die dritte Austragung schreit nach einer Wiederholung, denn das Greenhouse Urban Mountainbike Race ist mit seiner einzigartigen Atmosphäre eine Bereicherung für den Mountainbike-Sport.