Jetzt gibts Details zum tödlichen Unfall auf dem Goldiwheel-Trail | Ride MTB

Jetzt gibts Details zum tödlichen Unfall auf dem Goldiwheel-Trail

Bikepark Thunersee Symbolbild Unfall

Am Ostermontag stürzte ein Mountainbiker auf dem Goldiwheel Trail bei Thun so schwer, dass er an seinen Verletzungen starb. Kaum etwas wird danach bekannt gegeben. War es ein Fahrfehler? Hatte die Strecke einen Sicherheitsmangel? Etwas Licht ins Dunkel bringt der Mann, der den Verunfallten auf der Strecke fand.

Am Ostermontag ist auf dem Goldiwheel Trail von Goldiwil hinunter nach Thun ein 48-jähriger Mountainbiker aus dem Kanton Baselland tödlich verunglückt. Die Kantonspolizei meldet damals, der Mann sei nach einem Sprung von der Strecke abgekommen und einen 4 Meter tiefen Abhang hinuntergestürzt. Trotz sofortiger erster Hilfe durch Dritte sei er noch an der Unfallstelle gestorben.

Dieser Hergang wirft Fragen auf. War der Sprung so angelegt, dass man direkt in die Tiefe springt, wenn man die Linie nicht trifft? Flying Metal hat die Strecke gebaut, der Verein Bikepark Thunersee betreibt sie. Jérôme Hunziker ist sowohl bei der Trailbaufirma als auch dem Verein leitend tätig. Er äussere sich nicht zum Unfall, solange die Ermittlungen laufen, sagt er kurz nach dem Unfall zu Ride und bleibt in der Folge dabei. Mit einer kleinen Ausnahme, aber dazu später.

Für gebaute Strecken gelten höhere Sicherungspflichten als für Singletrails, die fürs Mountainbiken freigegeben werden. «Alle Absturzstellen sind durch die Trägerschaft zu sichern», erklärt Sara Fischer von der Fachstelle Langsamverkehr des Kantons Bern. Generell hafteten aber die Bikenden selbst, führt sie aus. «Eine Haftung Dritter kommt nur insoweit in Betracht, als eine entsprechende Sicherungspflicht verletzt wurde.»

Es gibt im Kanton Bern keine Abnahme von gebauten Trails

Klar ist, der Goldiwheel Trail ist vom Regierungsstatthalteramt Thun bewilligt worden. Die Massnahmen zur Durchsetzung des Baurechts lägen aber bei der Gemeinde, also der Stadt Thun, erklärt die Regierungsstatthalterin. Hat diese die Strecke nach Abschluss der Arbeiten und vor Inbetriebnahme auf ihre Sicherheit überprüft und abgenommen? Das sei im Kanton Bern bei solchen Bauten nicht üblich, erläutert die Kommunikationsbeauftragte Thuns. Die Bauherrschaft trage die Verantwortung für die Einhaltung der Vorschriften. «Die Gesuchsteller bestätigen mit der Selbstdeklaration, dass nach den Bedingungen und Auflagen der Baubewilligung gebaut wurde. So wurde es auch im Zusammenhang mit dem Biketrail in Goldiwil gehandhabt.»

Noch immer steht die Frage im Raum, ob der Biker über den Streckenrand hinausgesprungen ist. Zur Erinnerung: Der Goldiwheel Trail ist eine blaue Strecke mit roten und schwarzen Elementen, namentlich Sprüngen, die umfahren werden können. Wer die grossen Kicker mit Tempo nimmt, fliegt hoch und weit, umso mehr müssen sie so angelegt sein, dass Bikerinnen intuitiv die Landung treffen. Die Stadtsprecherin erklärt: «Sollte sich herausstellen, dass die Anlage betriebliche Mängel bzw. Mängel in der Bauausführung aufweist, würde die Stadt Thun als Baupolizeibehörde ein entsprechendes Verfahren in die Wege leiten und allfällige notwendige Massnahmen anordnen.» Jérôme Hunziker sagt gut sechs Wochen nach dem Unfall, die Polizei habe ihnen mitgeteilt, sie gehe nicht davon aus, dass der Trail Mängel aufweise. «Ein definitives Urteil wurde uns bis anhin nicht mitgeteilt.»

Die zuständige Staatsanwaltschaft Oberland meldet, die polizeilichen Ermittlungen seien abgeschlossen, der Fall an die Staatsanwaltschaft rapportiert. «Wann die Untersuchung abgeschlossen sein wird, lässt sich aus heutiger Sicht nicht abschätzen.» Zu den Erkenntnissen der Polizei sagt sie nichts. 

Der Ersthelfer an der Unfallstelle

Dann trifft Ride den Mann, der den Verunfallten auf der Strecke gefunden und zusammen mit seinen Kollegen erstbetreut hat. Er will nicht mit Namen genannt werden. Die Details gehören aus Pietätsgründen nicht hierher, seine Schilderung macht klar: Der Biker ist so unglücklich gestürzt, dass er sich dabei tödliche Verletzungen zugezogen hat. Er ist über einen Anlieger hinausgeraten und mehrere Meter unterhalb der Strecke zu liegen gekommen. Er ist aber nicht abgestürzt, wie es in der Polizeimeldung steht. Er habe ausserdem Full-Face-Helm und alle Protektoren getragen, die es für das Biken gibt.

Was zudem für die Sicherheit des Goldiwheel Trails spricht, ist die Tatsache, dass dieser nach dem Unfall für die polizeiliche Untersuchung gesperrt, danach aber unverändert wieder freigegeben wird. Hunziker sagt, die Betreiber seien den Goldiwheel Trail abgeschritten und hätten diesen auf Mängel untersucht. Offensichtlich hat niemand den Eindruck, die betreffende Stelle sei gefährlicher als der Rest der Strecke.

Klar ist aber auch dies: Je anspruchsvoller die Strecke und je höher das Tempo, desto grösser ist das Risiko, sich nach einem Fahrfehler schwer zu verletzen. Viele Profis können davon ein Lied singen. Die Verantwortung bleibt bei der Person am Lenker.

Einen ausführlichen Beitrag zum Thema Haftung bei Mountainbike-Unfällen in der Schweiz, Österreich und Deutschland findet sich in der Ride Ausgabe N° 102 vom April 2026.