Kleinhans und Langvad glückt die epische Aufholjagd
Das RE:CM-Specialized-Duo Ariane Kleinhans und Annika Langvad hatten nach der zweiten Etappe ihre Gesamtführung auf 46 Minuten ausgebaut – jedoch nicht lange. Da die beiden auf der zweiten Etappe versehentlich eine falsche Abzweige genommen haben, wurde das schweizerisch-dänische Duo mit einer Zeitstrafe von 1:13.39 belegt.Mit 27 Minuten Rückstand auf die neuen Führenden Jennie Stenerhag (SWE) und Robyn Lee de Groot (RSA) nehmen die Specialized-Fahrerinnen das Rennen als Gesamtvierte auf.
Mit der Wut im Bauch legen die beiden früh los und liegen bereits bei der ersten Zwischenzeit zehn Minuten vor Sally Bigham und Christina Kohlmann. Auf Stenerhag und Lee de Groot sind es schon 24 Minuten. Ariane Kleinhans und Annika Langvad lassen nichts mehr anbrennen und gewinnen mit 36 Minuten Vorsprung auf Stenerhag und Lee de Groot – welche sechste werden – und holen sich damit den «Sack» zurück. «Wir haben alles gegeben. Wir wollten so lange wie möglich in der schnellen Männergruppe der Favoriten bleiben. Als wir die nicht mehr halten konnten, obwohl ich versucht habe, Ariane hinzuschieben, sind wir wie bei einem Zeitfahren auf Vollgas gegangen. Auf den Flachpassagen und den Asphaltstücken am Schluss habe ich mich tief über den Lenker gebeugt und versucht, in Aero-Position das maximale Tempo rauszuholen», erklärt Langvad ihre Aufholtaktik.
Auf dem zweiten Etappenrang landet das Team «World Bicycle Relief» mit Gunn Rita Dahle-Flesjaa und Kathrin Stirnemann, welche ihre Magenprobleme scheinbar hinter sich lassen konnte.«Wir wollten es locker nehmen, fuhren entspannt los und auf einmal sind wir auf dem zweiten Platz», freut sich Dahle-Flesja und fügt an: «Wir nehmen es jetzt von Tag zu Tag, wer weiss, vielleicht geben wir zwischendurch mal richtig Gas, um zu sehen, wie es uns geht.» Mit dieser Leistung kommen die beiden auf den gesamt-sechsten Rang und den fünftplatzierten Milena Landtwing und Hielke Elferink gefährlich nahe. Sie beenden die dritte Etappe lediglich auf Platz sieben. Rang drei im Etappen- und im Gesamtklassement belegen Esther Süss und Alice Pirard vom Meerendal-Wheeler-Team.
Teamwork von Esther Süss und das Podest mit dreifach schweizerischer Beteiligung. Fotos© Sam Clark/Cape Epic/SPORTZPICS
Aller guten Dinge sind drei
Seit der ersten Etappe konstant an der Spitze, sind Christoph Sauser und Jaroslav Kulhavy auch auf dem dritten Tagesabschnitt vorne dabei. Dieses Mal allerdings mit einer siebenköpfigen Spitzengruppe, die bis ins zweite Renndrittel bestehen bleibt. Dann geht dem schweizerisch-deutschen Duo mit Urs Huber und Karl Platt sprichwörtlich die Luft aus. Ein Reifendefekt wirft das Team Bulls gegen sieben Minuten zurück und damit in der Gesamtwertung vom Podest runter auf Platz vier.
Sauser und Kulhavy bauen hingegen ihre Führung auf die neuen Gesamtzweiten, Alban Lakata und Kristian Hynek, auf über sieben Minuten aus. «Heute ist es sehr gut für uns gelaufen. 15 Kilometer vor dem Ziel gab es eine Passage mit groben Steinen auf dem Damm, da sind wir als erste rausgekommen und Jaro konnte einfach zehn Minuten lang im Flachen voll fahren und ein grosses Loch aufreissen», sagt Sauser. Der dritte Etappenrang geht an das Team Topeak-Ergon-2 mit Robert Mennen (GER) und Jeremiah Bishop (USA). José Hermida und Rudi van Houts vom Team Multivan-Merida steigen, nach ihrem vierten Etappenrang, im Gesamtklassement aufs Treppchen. Fabian Giger und Martin Gujan liegen immer noch auf dem fünften Zwischenrang.
Kein Strandlauf sondern eine Sandpassage auf der dritten Etappe. Sauser und Kulhavy bei ihrem dritten Etappensieg flankiert von den beiden Topeak-Ergon-Teams. Fotos© Nick Muzik/Cape Epic/SPORTZPICS
Mixed und Masters
Trotz eines Sturzes im Startgedränge ist die mehrfache Radquer-Weltmeisterin Hanka Kupfernagel mit Partner Carsten Bresser flott unterwegs und werden Zweite in ihrer Kategorie. Die Österreicherin Sabine Sommer, unter den Mixed-Führenden, rempelt die Deutsche versehentlich um und stürzt selbst. Ivonne Kraft (GER) und Peter Vesel (SLO), Team Etis, gewinnen die Mixed-Wertung und führen die Gesamtwertung mit 8.28,2 Minuten vor René Haselbacher und Sabine Sommer (ENS RH77) an.
Während Bärti Bucher (SUI) und Heinz Zoerweg (AUT) ihren Vorsprung in der Grand-Masters-Kategorie auf 40 Minuten ausbauen, bleibt die Masters-Wertung weiter spannend. Wie am Vortag können Nico Pfitzenmaier und Robert Sim (Dorma/Robert Daniel) den Gesamtführenden Bart Brentjens und Abraao Azevedo (Betch.NL Superior) nur zwölf Sekunden abnehmen. So müssen sie sich mit 1.38,3 Minuten Abstand in der Gesamtwertung hinter der niederländisch-brasilianischen Paarung einordnen.
Das Cape-Epic und seine Opfer
Für viele Fahrer ist das Cape-Epic die ultimative Herausforderung, die oft über die mentalen und physischen Leistungsgrenzen herausgeht. Aber auch Profis sind davon nicht gefeit und so sind auch in diesem Jahr wieder einige davon betroffen. Auf der zweiten Etappe musste der Schweizer Lucien Besancon das Rennen erschöpft aufgeben, womit dieses auch für seinen Partner Konny Looser vorbei ist. Der Deutsche Podestkandidat Tim Böhme stürzte ebenfalls auf der zweiten Etappe und beendete diese mit starken Schulterschmerzen. Eine Fortsetzung des Cape-Epic stand deshalb nicht zur Debatte. Der dritte Tagesabschnitt fordert dann bei den Frauen seinen Tribut. Sally Bighams Teampartnerin, Christina Kohlmann, erleidet einen Hitzeschlag. Die völlig entkräftete und benommene Österreicherin wird von ihrer Team-Kollegin und anderen Fahrern, bald danach auch medizinisch versorgt.
Ausblick Etappe 4, HTS Drostdy/Worcester - HTS Drostdy/Worcester, 111 Kilometer, 2'000 Höhenmeter
Die vierte Etappe beinhaltet zwar nicht so viele Höhenmeter wie die Vorhergehenden. Diese sind dafür auf weniger Aufstiege verteilt. Nach einem einrollen bekommen es die Teilnehmer sogleich mit dem Windpomp-Climb zu tun. Weitere steile Aufstiege säumen die Route, bis es über die letzte, raue Abfahrt zurück ins Ziel nach Worcester geht.
Der Ausblick auf einen weiteren Sieg des Duo Sauser/Kulhavy? Foto© Shaun Roy/Cape Epic/SPORTZPICS