Mit Asphalterfahrungen zu Offroad-Erfolgen | Ride MTB

Mit Asphalterfahrungen zu Offroad-Erfolgen

Jetzt steht es schwarz auf weiss: Nino Schurter darf seinen Abstecher auf die Strasse doch machen. Lange schien dieses Vorhaben zu scheitern. Warum es nun doch geklappt hat, welche Ziele er dort hat und mehr, erklärt der Mountainbike-Weltmeister im Interview.

Lange stand es schlecht um dein Strassenprojekt, da für ein UCI-Mountainbiketeam und für eine Protour-Mannschaft zu fahren laut Reglement nicht möglich sei. Was ist der Grund für die positive Wende?
Ich hatte eigentlich immer ein gutes Gefühl, dass das zustande kommt. Schön ist auch, dass ich von allen Seiten Unterstützung erhalten habe. Vom Scott-Odlo-Team wie auch vom Orica-Green Edge Team welches mich für diese Rundfahrten aufnimmt, aber auch von Swiss Cycling und am Ende auch von der UCI, die mir es erlaubt zwei Lizenzen zu haben.

Findest du dies sollte eine Ausnahme bleiben, oder für jeden Bikeprofi möglich sein, sofern dieser überhaupt die Möglichkeit bekommt für eine Strassenmannschaft zu fahren?
Ich finde das sollte für alle möglich sein und nicht nur für Biker. Das Problem existiert ja nicht erst seit unserer Anfrage. Radquerspezialisten die in spezialisierten Teams fahren, aber im Sommer die Möglichkeit hätten für ein anderes Team in der Protour zu fahren, konnten das bisher nicht und da sieht die UCI auch Handlungsbedarf.

Du bist als «Rockgarden King» der technisch beste Mountainbiker im Cross-Country-Feld. Hast du diese Fertigkeiten auch auf dem Rennrad drauf und zeigst nun Fabian Cancellara und Peter Sagan, wie man Rennrad fährt?
Ob ich auf der Strasse ebenfalls ein guter Techniker bin, sehen wir dann. Es geht mir auch nicht darum den Besten aufzufahren und gleich vorne zu sein. In erster Linie geht es mir darum, mich zu neu zu fordern und etwas neues dazulernen. Ich mag generell den ganzen Radsport. Früher bin ich Downhill gefahren, heute mag ich neben dem Cross-Country auch Enduro-Rennen und nun kann ich mich mit dieser Möglichkeit weiterentwickeln.

Im Cross-Country liegen deine Stärken in der Kraft, der Explosivität und der Technik. Wo schätzt du deine Stärken im Strassenrennsport ein?
Das ist schwierig zu sagen. Ich habe eher ein Klassiker-Profil. So denke ich liegen mir vor allem Aufstiege die nicht zu lange sind, aber zu flach sollte das Streckenprofil ebenfalls nicht sein. Auf der Strasse gilt es für mich auch dies herauszufinden und zu schauen wie ich auf diesen neuen Reiz reagiere.

Wirst du dein Training für diese zwei Rundfahrten umstellen?
Das habe ich bereits umgestellt. Ich trainiere mehr auf lange Distanzen und Etappenrennen – nicht nur wegen der Strasse, sondern auch wegen dem Cape Epic, welches ich in diesem Jahr zusammen mit dem Südafrikaner Philip Buys ambitiös angehen werde. Diese Erfahrungen sind für mich wichtig, zum wissen wie ich darauf reagiere. Es wird spannend sein zu sehen ob das Training und die Rundfahrten auch einen Einfluss auf die Cross-Country-Rennen haben und ob ich dadurch meine Schnellkraft verliere oder nicht.

Wenn dir bei deinem Abstecher gute Resultate gelingen, hast du wohl bald mal ein lukratives Angebot eines Protour-Teams auf dem Tisch. Würdest du dem Mountainbikesport trotzdem treu bleiben?
Bis an die Olympischen Spiele in Rio im Jahr 2016 sicher. Schliesslich fehlt mir noch die eine Medaille und diese zu holen ist mein Ziel. Was nachher kommt, weiss ich nicht. Vielleicht habe ich dann keine Lust mehr auf Cross-Country und fahre dann Enduro-Rennen oder wechsle auf die Strasse – oder beende meine Karrierre – vor 2016 aber sicher nicht.

Welche Aufgabe wirst du bei der Tour de Suisse innerhalb des Team Orica-Green Edge haben?
Da rund 80 Prozent der Orica-Teamfahrer an die Tour de France gehen werden und die Tour de Suisse als letzte Vorbereitung nutzen, schaut es danach aus als könne ich die Tour de Suisse frei fahren. Das kann dann aber auch anders kommen, da sich die Strategie während des Rennens vielleicht plötzlich ändern kann. Da bin ich aber auch offen was auf mich zukommt. Helferarbeit wäre auf alle Fälle auch eine interessante Erfahrung.

Was ist dein Ziel an der Tour de Suisse?
Ich will mich sicher von der besten Seite zeigen und an der einen oder anderen Etappe etwas probieren. Ein genau definiertes Ziel habe ich jedoch nicht. Speziell das Zeitfahren wird für mich etwas ganz Neues sein und dort weiss ich überhaupt nicht wie gut es mir dort laufen wird. Deshalb werde ich mein Bestes geben und jeden Tag nehmen wie er kommt.

Hast du Angst vor Massenstürzen im Peleton?
Das kann wohl passieren und wenn es dann halt knallt, kann ich nur hoffen das nichts Schlimmeres passiert. Man soll auch nicht gleich mit dem Schlimmsten rechnen, schliesslich kann einem ja überall etwas passieren.

Für deinen Abstecher auf die Strasse musst du einen Cross-Country-Weltcup opfern. Liegt die Verteidigung des Gesamtweltcup-Siegs trotzdem drin?
Richtig, aber den Weltcup in Cairns hätte ich sowieso ausgelassen, da wir uns für's Cape Epic entschieden haben. Zwei Wochen nach diesem ist der Weltcup in Südafrika und dann hätten wir bis Cairns nochmals zwei Wochen warten müssen. Mit diesem Programm wäre ich derart viel unterwegs gewesen, dass ich gar nicht mehr hätte gut trainieren können. Mit einem Rennen weniger brauche ich sicher ein bisschen Glück um den Gesamt-Weltcup zu gewinnen. Anderseits durfte ich diesen schon drei Mal für mich entscheiden und deshalb ist mir der in diesem Jahr nicht so wichtig. In den darauffolgenden Jahren liegt dann der Fokus wieder ganz auf dem Mountainbike-Sport.