Näf gewinnt WM-Hauptprobe
Vier Fahrer bleiben bei Regen im Schänzli-Stadion nach der vierten von acht Runden in der Spitzengruppe noch übrig, nachdem sich Marcel Wildhaber wegen eines Defekts aus der Spitze verabschiedet. Kurz darauf muss auch Reto Indergand am Berg reissen lassen. Dieser gewinnt am Ende als Gesamtsiebter souverän die U23-Wertung.
Lukas Flückiger verliert kurz den Kontakt zur Spitze, als er nach einer Laufpassage nicht mehr richtig ins Klickpedal kommt, doch der WM-Zweite des vergangenen Jahres hat genug Energie um noch einmal aufzuschliessen. Ebenso gelingt das Ralph Näf, der in der vorletzten Runde vor der Abfahrt im Singletrail attackiert, dann aber zu viel riskiert und stürzt. Zu Beginn der letzten Runde hat der Eliminator-Weltmeister die 15 Sekunden-Lücke wieder geschlossen. «Da habe ich nicht gedacht, dass ich gewinnen kann. Nino hat am Berg immer viel Druck gemacht, aber abgehängt wurde ich auch nicht», sagt Näf.
500 Meter vor dem Ziel noch an dritter Position, fährt Näf an Flückiger und Schurter vorbei und zieht einen langen Sprint, der ihm seinen ersten Saisonsieg einbringt.
«Auf der Zielgerade ist Nino noch mal gekommen, da musste ich nochmal dagegen halten. Es ist super hier in Muttenz das Finale zu gewinnen, gerade sieben Tage vor der WM», freut sich Näf, der für das glitschige Terrain wohl die bessere Reifenwahl als Schurter gemacht hat. «Ralph hat da immer Zeit gut gemacht, die ich wieder aufholen musste. Aber ich bin zufrieden, ich glaube am Anstieg war ich der Stärkste», nimmt auch Nino Schurter ein positives Gefühl mit zur WM nach Südafrika.
Schurter gewinnt auch die Gesamtwertung des BMC-Racing-Cups vor Julien Absalon. Der Franzose verpasst in den Positionskämpfen am ersten Singletrail den Anschluss, so dass es nicht zum Duell mit Nino Schurter kommt. Er fährt danach nicht mehr oder mit dem gleichen Tempo in der Verfolgung und wird mit knapp einer Minute Rückstand Fünfter. Sein Teamkollege Lukas Flückiger ist nicht hundert Prozent zufrieden: «Ich hätte gerne gewonnen. Ich freue mich natürlich auch für Ralph, das ist auch wichtig für ihn.» Mit seiner Form ist der Gesamt-Dritte im Cup aber sehr zufrieden: «Am Berg habe ich mich sehr gut gefühlt, das hat gepasst.»
Ein Kettenklemmer als Rennentscheidung
Das Rennen der Frauen über fünf Runden wird von einer dreiköpfigen Spitzengruppe geprägt. Diese entsteht, nachdem Esther Süss und Sabine Spitz in der dritten Runde zur führenden Kathrin Stirnemann aufschliessen. Die Sprint-Weltcupsiegerin hat sich in der ersten Runde abgesetzt. Etwas unfreiwillig wie Stirnemann bekennt: «Ich bin als Erste in die Abfahrt und unten hatte ich eine Lücke. Da dachte ich, jetzt fahre ich einfach mal meinen Rhythmus.»
Dank ihren Abfahrtskünsten bleibt Stirnemann bis zur letzten Runde an Spitz und Süss dran. Ein Reifendefekt nimmt ihr dann aber die Chancen auf den Sieg.
Das Duell zwischen Esther Süss und Sabine Spitz wird durch einen Kettenklemmer im Anstieg entschieden. Spitz muss vom Rad und verliert einige Sekunden. Sie holt zwar noch auf, doch es reicht der Deutschen nicht mehr, Süss abzufangen.
Am Ende trennen die Marathon-Europameisterin und die Weltcupsiegerin von Andorra knapp sieben Sekunden.
«Kathrin war in den Abfahrten klar die Schnellste, aber ich war auch nicht gerade langsam», meint Süss grinsend. Dass hinter ihr Spitz den Kettenklemmer hatte, registrierte sie gar nicht. «Gegen die beiden Haibike-Fahrerinnen musste ich natürlich viel Führungsarbeit leisten. Vor der Abfahrt hatte ich einen Vorsprung und dachte mir, jetzt sicher aber nicht zu langsam runter fahren. Ich musste bis zum Schluss kämpfen weil Sabine immer näher kam. Jetzt kann ich zuversichtlich zur WM fliegen», sagte Esther Süss, die auch die Gesamtwertung für sich entscheidet.
U23-Fahrerin Linda Indergand hält bis zur dritten Runde mit Spitz und Süss mit und beendet das Rennen schliesslich auf einem starken vierten Rang vor Lokalmatadorin Katrin Leumann, die mit einer Nackenblockade zu kämpfen hatte.