Neff und Skarnitzl gewinnen Etappe drei
Die Geschichte des Herren-Rennens auf der dritten, 45 Kilometer langen Etappe, bietet einen interessanten Rennverlauf. Am Beginn des langen Singletrail-Anstiegs, den die Fahrer am Tag zuvor in umgekehrter Richtung gefahren waren, sieht man noch 17 Fahrer hintereinander aufgereiht. Bis der höchste Punkt des Berges erreicht war, bleiben aber nur noch fünf Fahrer übrig.
Henrique Avancini (BRA/Cannondale Factory Racing) führt sie in den langen Abfahrt zur Mantra tou Kampiou Picknik-Area, gefolgt von Stephane Tempier (FRA/BH-Sr Suntour-KMC), Florian Vogel (Focus XC) im Gelben Trikot, Afxentia-Titelverteidiger Fabian Giger (Colnago-Südtirol) und Jan Skarnitzl (Sram Mitas Trek). 45 Sekunden dahinter kommen Maxime Marotte (FRA/BH-Sr Suntour-KMC) und Sebastian Carabin (BEL/Merida-Wallonie)
Avancini hat im Downhill kurz Probleme mit seiner Kette, so dass Tempier passieren kann. Der Franzose jagt den Single-Trail hinunter und als er die dritte Verpflegungszone am Picknick-Areal erreicht, ist er, zehn Kilometer vor dem Ziel, ungefähr 30 Sekunden voraus. «Sie haben mir gesagt ich soll Vollgas gehen. Aber einen Kilometer vor dem Ziel haben sie mich wieder erreicht. Aber egal, in der Gesamtwertung ist das gut für mich. Morgen ist das Spiel völlig offen», berichtet Tempier aus seiner Sicht.
Fabian Giger ist in der Lage mit einer Attacke an einer Welle aus der Verfolgergruppe weg zu springen und zu Tempier aufzuschliessen. «Ich war überrascht, dass die anderen Drei ein Kilometer vor dem Ziel wieder da waren. Leider hatte ich im Sprint dann einen Gang zu wenig. Aber heute habe ich mich viel besser gefühlt als gestern. Es hat Spass gemacht, ich mag das einfach», sagt Giger, der Fünfter wird.
Das Gelbe Trikot ist Herr der Lage. «Ich wollte im Downhill nichts riskieren», erklärt Florian Vogel. «Wir haben in den Wellen zusammen gearbeitet.» Und im Blick auf seine prima Form: «Ich bin perfekt durch den Winter gekommen und mein neues Team (Focus) gab mir auch noch mal Rückenwind. Ich wusste, dass ich in einer guten Form bin. Ich hoffe morgen habe ich auch noch mal gute Beine.»
Im Sprint der fünf Fahrer sieht es erst danach aus als sollte Henrique Avancini jubeln, aber Jan Skarnitzl schiesst noch an ihm vorbei. „«Ich war der Schwächste von den Fünf", bekennt Skarnitzl lachend, «einige Male habe ich den Kontakt verloren, 10, 20 Meter und musste mich wieder zurückkämpfen. Im Sprint war ich an letzter Position und war in der Lage den Windschatten zu nutzen. Super, die Etappe zu gewinnen.»
Avancini scheint nicht wirklich enttäuscht und erklärt das so: «Ich bin ziemlich froh, weil die Etappe sehr schwierig war für mich. Auf den schnellen Abschnitten, musste ich ziemlich kämpfen, um dran zu bleiben, aber am Ende habe ich keine Zeit verloren.»
Vor der letzten Etappe, einem Cross-Country-Rennen in Mantra tou Kampiou, sind im Gesamt-Klassement fünf Fahrer innerhalb von 45 Sekunden. Das verspricht ein grossartiges Finale. Maxime Marotte, der seinen Rückstand noch auf elf Sekunden verringern kann und Tages-Achter wird, hat 45 Sekunden Differenz, Giger 43, Avancini 17 und Tempier elf auf Vogel.
Der Gewinner der zweiten Etappe, Grant Ferguson (Betch.nl Superior-Brentjens) kann seinen Erfolg nicht wiederholen und erreichte das Ziel als 13. mit 3:33 Minuten Rückstand.
Langvad mit Plattfuss, Moschetti mit Sturz
Auch im Damen-Klassement ist noch nichts entschieden. Annika Langvad (Specialized Racing) verteidigt auf den 45 Kilometern zwar ihre Gesamtführung, verliert aber 45 Sekunden ihres Vorsprungs auf Jolanda Neff (Stöckli Pro) und nimmt nur noch 37 Sekunden in den letzten Tag.
Annika Langvad hat Pech. Sie führt das Rennen an, als sie in den langen Downhill hinein fährt und lässt auch ihre letzte Begleiterin Margot Moschetti (Betch.nl Superior Brentjens) dort zurück. Doch im letzten Teil des Singletrails erleidet sie einen Reifendefekt und muss bis zur letzten Technischen Zone noch ein ganzes Stück mit diesem Handicap zurücklegen.
Just zu dem Zeitpunkt, als sie die Technische Zone passiert, erreicht Jolanda Neff Margot Moschetti und Langvad springt wieder auf ihr Bike. Sie schafft den Anschluss, den sie aber auf einer schnellen Schotter-Abfahrt wieder verliert. Auch Moschetti fällt zurück. «Ich bin gestürzt», erzählte die Zweite der U23-Weltmeisterschaften. Einige Kratzer am Oberschenkel sind sichtbare Zeichen.
Annika Langvad geht so an Moschetti vorbei und wird hinter Jolanda Neff Zweite. Die wiederholt so ihren Sieg von Lythrodontas 2014. «Cool. Als wir in den Singletrail-Anstieg gingen, habe ich gleich mein eigenes Tempo gesucht und gar nicht versucht Annika und Margot zu folgen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich sie noch mal sehe, deshalb war ich erstaunt, als wir auf einmal wieder zusammen waren. Cool, das sich die Etappe gewinnen konnte», kommentiert Neff vor Freude strahlend.
Annika Langvad war natürlich etwas unglücklich über ihren Defekt. „Ich musste schon ein Stück damit fahren. Ich konnte zu Jolanda und Margot noch mal aufschließen, aber dann ist sie (Jolanda Neff) einfach weg gefahren in der Abfahrt auf der Schotterstraße. Wir werden sehen, was morgen passiert. Es wird spannend", meinte die Dänin. Sie konnte 2014 das Cross-Country-Rennen gewinnen.
Margot Moschetti verliert durch ihren Sturz 2:18 Minuten und in der Gesamtwertung hat sie jetzt 5:37 Minuten Rückstand auf Langvad. Trotzdem zeigt sich die Französin «froh mit den starken Fahrerinnen vorne zu sein».
Kathrin Stirnemann (Haibike-Ötztal), die Vierte wird und auch Vierte in der Gesamtwertung ist (+15:09), dürfte kaum mehr eine Chance aufs Podest haben. «Es war heute besser als gestern. Ich habe versucht im Anstieg meinen Rhythmus zu fahren. Die letzten zehn Kilometer sind mein Ding und ich habe versucht noch Zeit raus zu holen», erklärt die Schweizerin.
Ihre Teamkollegin Corina Gantebein liegt bis Ende des Downhills auf Rang vier, bevor Stirnemann aufschliesst. «Am Ende hatte ich Krämpfe, so dass Kathrin weg fahren konnte», berichtet Gantenbein, die trotzdem glücklich ist mit ihrem Resultat auf der dritten Etappe.
Diese kann Pauline Ferrand Prevot (FRA/Rabo-Liv) und Annie Last (Britisches Nationalteam) nicht beenden. Von Ferrand Prevot heisst es, sie hätte Knie-Probleme.