Neue Posse aus Österreich: Blindsee-Trail wird für Biker gesperrt
Wer Tirols so genannten «Signature Trail» am Blindsee noch nicht unter die Stollen genommen hat, sollte sich beeilen. Denn ausgerechnet jene 700 Tiefenmeter, die vom Tiroler Tourismus gerne als Aushängeschild für das Bike-Angebot im selbst ernannten «Herz der Alpen» bemüht wird, ist ab 2027 für Mountainbiker tabu. Grund dafür ist ein einstimmiger Gemeinderatsbeschluss, der diese Woche gefasst wurde. Wegen anhaltender Konflikte zwischen Wanderern, Badegästen und Mountainbikern sehe man sich zu diesem Schritt gezwungen, erklärte der Bürgermeister von Biberwier, Harald Schönherr. «Der Blindsee ist ein wunderbares Wandergebiet und kein Streitgebiet», wird der Ortschef in den Lokalmedien zitiert. Schon seit dem Vorjahr gab es Beschlüsse seitens der Jagdgenossenschaft Biberwier und der Gemeindegutsagrargemeinschaft, die ebenfalls eine Sperre des Trails forderten. Diesem Druck wurde nun offenbar nachgegeben.
Badegäste fühlen sich gestört
Im Vorfeld der Gemeinderatssitzung war öffentlich immer wieder von brenzligen Situationen am Trail und am Seeufer die Rede. Rücksichtslose Downhiller würden Wanderer gefährden und gar über die Handtücher der Badegäste fahren. Das trübe die Urlaubsstimmung bei den Gästen, so die Sorge. Weil der Blindsee Trail offiziell als Shared Trail geführt wird, wurden Mountainbiker seit jeher angehalten, Rücksicht zu nehmen und passiv zu fahren, wenn sie auf Wanderer treffen. Laut Bürgermeister habe das aber nicht geklappt, wie er zur Tiroler Tageszeitung sagte: «Shared Trails funktionieren nicht. Was sich hier abspielt, geht nicht mehr.»
«Shared Trails funktionieren nicht. Was sich hier abspielt, geht nicht mehr.»
Beim Lokalaugenschein im Vorjahr stellte sich die Situation etwas anders dar. Der Blindsee Trail, der vom Grubigstein hinunter zum namensgebenden See führt, mäandert mal steiler, mal flacher durch ein Latschenfeld. Der Untergrund ist mehrheitlich schottrig und felsig. Dazwischen tun sich immer wieder herrliche Ausblicke auf die umliegenden Berge und den fast türkisblauen Blindsee auf. Wanderer wurden bei dieser Fahrt keine angetroffen, was aber Zufall gewesen sein mag. Insgesamt schien der Trail aber nicht sehr einladend, um ihn bergauf zu begehen. Unten angekommen führt die Strecke um den See herum zum Parkplatz. Ein Grund für die Konflikte könnte sein, dass man linker Hand relativ schnell zum Parkplatz kommt, dabei aber über den Wanderweg fahren muss. Die für Biker erlaubte Route rechts, ist weniger attraktiv, weil deutlich länger und eher mühsam zum Pedalieren. Dass sich Mountainbiker und Badegäste in die Quere gekommen sein sollen, mutet etwas skurril an. Denn am Seeufer ist eigentlich ausreichend Platz für beide vorhanden.
Brachiale Rethorik
Seitens der Gemeinde sieht man die Touristiker unter Zugzwang, wie der Bürgermeister erklärte. Seit einem Jahr seien die Probleme bekannt, aber der Tourismusverband habe nicht reagiert. Daher müsse man ihm nun «mit der Brechstange beibringen, was Sache ist», wird Bürgermeister Schönherr zitiert. Er sei zwar zu Verhandlungen bereit, doch ein Weitermachen ohne grundlegende bauliche Änderungen - konkret wird eine Trennung von Bikern und Wanderern gefordert - werde es nicht geben. Zudem müsse um den See ein neuer Radweg angelegt werden, um die Fussgänger zu schützen. Vom besagten Tourismusverband war bislang keine Stellungnahme zu erhalten, sie wird an dieser Stelle ergänzt, sobald sie einlangt.
Angesichts der verfahrenen Situation empfiehlt sich ein baldiger Besuch in Lermoos, der Nachbargemeinde von Bieberwier. Denn von hier aus kann man mit der Seilbahn sozusagen auf der Nordseite des Grubigstein auffahren. Auf der Lermooser Seite sind mittlerweile mehrere lohnende Trails entstanden, die naturbelassenen Abfahrtsspass bieten. Und zum krönenden Abschluss eines Biketages lockt der Blindsee Trail. Er führt auf der Südseite des Grubigstein hinunter zum See. Entweder man parkt das Auto dort und radelt zu Beginn hinüber zum Lift oder eben nach dem Trail gemütlich zurück nach Lermoos. Variante eins ist an Sommertagen die bessere, weil ein Sprung in den Blindsee der perfekte Abschluss eines Biketages ist.
Tirol als Lost Place des Mountainbikens
Wenn dieses Mountainbike-Kleinod ab 2027 wirklich Geschichte sein sollte, reiht sich der Blindsee Trail in eine ganze Reihe von Lost Places des Mountainbikens in Tirol ein. Der Bikepark Tirol am Brennerpass, einst erster seiner Art im alpinen Bundesland, wurde schon vor Jahren aufgelassen. Ebenso der legendäre Downhill in Hopfgarten oder der noch berühmtere Nordkette Singletrail in Innsbruck. Crankworx hat Tirol ebenfalls alsbald wieder verlassen und am Elfer im Stubaital werden die Trails auch nur mehr notdürftig in Stand gehalten.