Pidcock feiert fünften Nove-Mesto-Sieg, Stigger triumphiert bei den Frauen
Im Rennen der Frauen zeigte Laura Stigger (Specialized Factory Racing) eine Meisterleistung bergab und sicherte sich den Sieg in der Elite-Kategorie. Die Österreicherin baute einen uneinholbaren Vorsprung auf und feierte ihren dritten Cross-Country-Weltcupsieg. Jenny Rissveds (Canyon XC Racing) setzte sich im Sprint um Platz zwei gegen Sina Frei (Specialized Factory Racing) durch.
Seit 2011 gehört Nové Město na Moravě fix zum Kalender der Whoop UCI Mountain Bike World Series und wurde seinem Ruf erneut gerecht. Der technisch anspruchsvolle Kurs mit steilen Anstiegen und schwierigen Abfahrten sorgte bei Frauen und Männern für spektakuläre Rennen.
Pidcock setzt sich gegen Martin durch
Tom Pidcock gewann den Elite-Cross-Country-Weltcup in Nové Město na Moravě nach einem unerbittlichen Duell mit Luca Martin mit 18 Sekunden Vorsprung.
Bereits am Vortag hatte der Multisportler mit Rang zwei im Short-Track-Weltcup seine starke Form angedeutet. Dort musste er sich im Sprint nur knapp Mathis Azzaro (Origine Racing Division) geschlagen geben.
Im Feld der 102 Fahrer ging es von Beginn weg zur Sache. Dario Lillo (Giant Factory Off-Road Team XC) führte in die erste technische Passage, während Azzaro früh das Tempo forcierte. Mechanische Probleme wirbelten das Rennen schnell durcheinander, besonders für Simone Avondetto (Wilier-Vittoria Factory Team), dessen Chancen früh beendet waren.
Pidcock musste ohne Teamkollegen zahlreiche Attacken abwehren. Martin griff bereits in Runde zwei an, auch Azzaro setzte nach, doch Pidcock konterte entschlossen und lancierte wenig später seine eigene Attacke. Bis Ende der zweiten Runde hatte er sich bereits neun Sekunden Vorsprung erarbeitet.
Hinter ihm zerfiel das Rennen zunehmend. Charlie Aldridge fiel mit technischen Problemen zurück, während Azzaro nach seiner frühen Offensive den Anschluss verlor.
Martin blieb der hartnäckigste Verfolger. Später mischte auch Adrien Boichis (Specialized Factory Racing) im Kampf ums Podest mit, doch Pidcock kontrollierte das Rennen an der Spitze.
Zur Rennhälfte baute der Brite seinen Vorsprung weiter aus. Dahinter kämpften Fahrer wie Filippo Colombo (Scott-Sram MTB Racing Team) und Martin Vidaurre (Specialized Factory Racing) um die verbleibenden Podestplätze.
Auch Joshua Dubau (Decathlon Ford Racing Team) wurde durch technische Probleme zurückgeworfen.
Martin gab jedoch nicht auf und verkürzte den Rückstand in den Schlussrunden auf fünf Sekunden. Doch jedes Mal konnte Pidcock kontern und nutzte seine Stärke an den Anstiegen, um die Kontrolle zurückzugewinnen. Colombo löste sich derweil aus der Verfolgergruppe und sicherte sich Rang drei.
Auf der letzten Runde verteidigte Pidcock seinen Vorsprung von 18 Sekunden souverän und feierte auf der Schlussabfahrt seinen fünften Cross-Country-Sieg bei ebenso vielen Starts in Nové Město.
«Das war wohl mein härtester Sieg hier», sagte Pidcock nach dem Rennen. «Ich habe es mir nicht leicht gemacht. Luca hat mich die ganze Zeit unter Druck gesetzt. Ich musste mehrfach tief gehen und reagieren. In den Abfahrten war ich etwas vorsichtig, dafür konnte ich an den Anstiegen den Unterschied machen.»
Martin belegte Rang zwei mit 18 Sekunden Rückstand, Colombo komplettierte das Podest. Trotz Rang sieben übernahm Dario Lillo nach zwei Weltcuprunden die Gesamtführung vor Martin und Colombo.
Stigger fährt zum Solosieg
Laura Stigger (Specialized Factory Racing) zeigte im Elite-Rennen der Frauen eine herausragende technische Leistung und gewann nach einer starken Solofahrt souverän den Cross-Country-Weltcup in Nové Město na Moravě.
Nach ihrem Sieg im Short-Track-Weltcup am Vortag wollte Puck Pieterse (Alpecin-Deceuninck) das perfekte Wochenende schaffen. Doch schnell wurde klar, dass das Rennen alles andere als einfach werden würde. Weltmeisterin Jenny Rissveds (Canyon XC Racing) schlug von Beginn an ein hohes Tempo an.
Auch Sina Frei (Specialized Factory Racing), Siegerin der ersten Runde in Mona YongPyong (Südkorea), hielt den Druck hoch, während Ronja Blöchlinger (LIV Factory Racing) ihre technischen Fähigkeiten nutzte, um in den Abfahrten Lücken zu reissen.
Die technischen Passagen sorgten immer wieder für Veränderungen an der Spitze. Blöchlinger und Nicole Koller (Lapierre PXR Racing) sorgten mit mutigen Manövern für Bewegung, wurden an den Anstiegen jedoch stets wieder gestellt. So formierte sich eine Spitzengruppe mit Pieterse, Frei, Rissveds und Stigger.
Fehler wurden zunehmend bestraft. Pieterse verlor nach einem Ausrutscher am ausgefahrenen Anstieg den Anschluss, worauf Rissveds das Tempo weiter erhöhte. Genau in diesem Moment setzte Stigger ihre entscheidende Attacke in einer technischen Abfahrt am Ende der dritten Runde.
Danach baute die Österreicherin ihren Vorsprung kontinuierlich aus, während die Verfolgerinnen zunehmend auseinanderfielen. Alessandra Keller (Thömus maxon) und Evie Richards (Trek – Unbroken XC) konnten zwischenzeitlich nochmals aufschliessen, doch Müdigkeit und Fehler verhinderten eine geschlossene Verfolgung. Besonders Richards verlor nach einem Sturz auf Rang zwei wertvolle Zeit.
Im Kampf um das Podest attackierte Frei am letzten Anstieg, doch Rissveds konterte und setzte sich im Sprint um Rang zwei durch.
An der Spitze konnte Stigger bereits feiern. Mit 47 Sekunden Vorsprung sicherte sie sich ihren dritten Elite-XCO-Weltcupsieg und den ersten auf europäischem Boden.
«Ich finde kaum Worte», sagte eine emotionale Stigger. «Ich bin einfach mein eigenes Tempo gefahren. Das Publikum war unglaublich. Diese Unterstützung in den technischen Passagen war fantastisch. Dieser Sieg bedeutet mir sehr viel.»
Nach zwei Weltcuprunden führt Frei die Gesamtwertung an. Specialized Factory Racing baute dank eines dominanten Wochenendes zudem die Führung in der Teamwertung aus.
Baudry und Embacher gewinnen U23-Rennen
Im U23-Rennen der Männer setzte sich Thibaut François Baudry (Canyon XC Racing) nach einem taktisch geprägten Duell mit Alix Andre-Gallis (Decathlon Ford Racing Team) durch. Der Franzose gewann schliesslich mit 24 Sekunden Vorsprung. Naël Rouffiac (Origine Racing Division) wurde Dritter.
Bei den U23-Frauen feierte Katrin Embacher (KTM Factory MTB Team) einen Durchbruch und dominierte das Rennen zu ihrem ersten Weltcupsieg. Die Österreicherin gewann mit 1:24 Minuten Vorsprung auf Anina Hutter. Gesamtleaderin Valentina Corvi (Canyon XC Racing) komplettierte das Podest auf Rang drei.