Pidcock und Maxwell dominieren den Andorra-Weltcup | Ride MTB

Pidcock und Maxwell dominieren den Andorra-Weltcup

Thomas Pidcock - Cross Country Weltcup Andorra

Olympiasieger Thomas Pidcock startet in Andorra zum ersten Mal in dieser Saison im XCO-Weltcup der Männer. Er fährt nach einem Start aus der vierten Reihe an die Spitze und solo zum Sieg. Bei den Frauen siegt die Neuseeländerin Samara Maxwell trotz eines Reifendefekts und zwei Stürzen vor Alessandra Keller und Jenny Rissveds. Bei den U23 Herren feiern die Schweizer einen Dreifach-Triumph.

Nach zwei Podestplätzen in den vergangenen Jahren feiert Thomas Pidcock endlich den Sieg bei seinem Heimrennen in Pal Arinsal – Andorra. Der Olympiasieger, der in Andorra lebt, startet in diesem Jahr zum ersten Mal im UCI XCO-Weltcup und nutzt seine Chance. Nach zwei dritten Plätzen in den letzten Jahren gelingt ihm im dritten Anlauf der erhoffte Sieg vor Heimpublikum.

Victor Koretzky, als Gesamtdritter angereist, will sich nach einem enttäuschenden 27. Platz in Val di Sole und einem Kettenriss im Short Track rehabilitieren. Doch es ist Pidcock, der das Rennen bestimmt. Trotz eines Starts aus der vierten Reihe arbeitet sich der Brite durch das dichte Feld. Der französische Meister Luca Martin, voller Selbstvertrauen nach seinem Sieg im Short Track am Freitag, eröffnet das Rennen mit einem hohen Tempo und setzt sich an die Spitze. Pidcock nutzt das breite Streckenprofil und die fordernden Anstiege, um schnell Boden gutzumachen. Nach der ersten Runde liegt er bereits auf Rang 14. In der zweiten Runde schliesst er zu einer sechsköpfigen Spitzengruppe, mit Nino Schurter, auf.

Martin zieht das Tempo weiter an, gemeinsam mit Landsmann Mathis Azzaro. Das Duo setzt sich zwischenzeitlich neun Sekunden ab. Doch Pidcock erkennt die Gefahr, schliesst die Lücke und bringt sich in Stellung. Auch sein Landsmann Charlie Aldridge mischt im Kampf um das Podium mit. Nach 30 Minuten liegen Martin und Pidcock mit 27 Sekunden Vorsprung vor Azzaro und Aldridge. Pidcock wählt einen kurzen Anstieg, um einen explosiven Angriff zu lancieren. In der sechsten von acht Runden liegt er 12 Sekunden vor Martin, als dieser im technischen Wurzelabschnitt einen Reifendefekt erleidet. Martin muss das Rad wechseln und hat danach erneut mechanische Probleme. Als er wieder ins Rennen geht, liegt er über eine Minute hinter Pidcock zurück. Der Brite kontrolliert das Rennen ab da souverän.

Der Kampf um Rang drei bleibt spannend, Azzaro und Aldridge liegen dicht beieinander. Beim Glockensignal zur letzten Runde führt Pidcock mit 47 Sekunden Vorsprung auf Martin. Aldridge hat sich zehn Sekunden vor Azzaro abgesetzt. Pidcock geniesst die letzte Runde, zeigt ein paar Tricks für das Publikum und gewinnt mit 21 Sekunden Vorsprung. Aldridge komplettiert das britische Doppelpodium, 52 Sekunden hinter seinem Landsmann. Christopher Blevins, der zwei der ersten drei Weltcuprennen gewonnen hat, reist als Gesamtführender nach Andorra. Doch nach Platz 17 in Saalfelden Leogang erlebt er erneut einen schwarzen Tag und landet auf Rang 29, mehr als vier Minuten hinter Pidcock. Dennoch führt er die Gesamtwertung mit 313 Punkten Vorsprung an. Nino Schurter fährt als bester Schweizer auf Rang sieben. Mit Fabio Püntener auf Rang 11, Mathias Flückiger 13 und Lillo Dario auf 14 fahren drei weitere Schweizer in die Top 15 und erfüllen damit die Selektionskriterien für die Weltmeisterschaft in Crans Montana.

Pidcock zeigt sich nach dem Rennen zufrieden: «Es ist ein tolles Gefühl, hier endlich zu gewinnen, nach all den Jahren. Es ist wirklich kein einfacher Ort zum Rennenfahren. Ich war nervös wegen des Starts, aber es lief okay. Ich bin etwa in der Mitte des Rennens etwas zu hart gefahren. Bei dieser Höhe ist es für alle schwer, man kann den Sauerstoff ja nicht einfach herholen.» Auf die Frage, ob er in dieser Saison noch weitere Weltcup-Rennen fahren werde, antwortet er: «Ich denke, dieses Jahr nicht mehr. Nächstes Jahr will ich aber auf jeden Fall wieder einige Rennen fahren.»

Rangliste Elite Herren

Maxwell trotzt Defekt und Stürzen und holt sich den Sieg

Trotz zwei Stürzen und einem Reifenschaden lässt sich Samara Maxwell ihren Sieg nicht nehmen. Die Neuseeländerin kämpft sich zurück an die Spitze und setzt sich im letzten Anstieg entscheidend ab. Mit einem Vorsprung von 335 Punkten reist Maxwell nach Andorra, nachdem sie bei allen bisherigen Weltcuprennen auf dem Podest stand.

Der anspruchsvolle Startanstieg spielt zunächst der Britin Isla Short in die Karten, die sich kurzzeitig absetzt. Doch auf dem Singletrail zerfällt das Feld, und die Schweizerin Ronja Blöchlinger übernimmt das Zepter, bis sie auf einem seitlich geneigten Anstieg stürzt und auch Maxwell behindert. Im technischen Rock Garden kommt es früh zu weiteren Stürzen. Evie Richards und Loana Lecomte gehen beide zu Boden, Lecomte muss das Rennen sogar aufgeben.

In Runde zwei setzen sich Maxwell und Blöchlinger mit zehn Sekunden von der Weltmeisterin Puck Pieterse ab. Doch dann trifft Maxwell das Pech: Ein Reifenschaden zwingt sie zum Wechsel und kostet sie 47 Sekunden. Pieterse wittert ihre Chance und erhöht das Tempo. Während Maxwell sich zurück kämpft, stürzt die Niederländerin im Rock Garden und hat danach technische Probleme. Martina Berta und Jenny Rissveds holen auf, und wenig später schliesst auch Alessandra Keller zur Spitze auf. Maxwell arbeitet sich zurück und bildet mit Keller, Rissveds und Berta die Spitzengruppe.

Doch dann stürzt Maxwell erneut auf einem technischen Anstieg und muss ein Stück zu Fuss gehen, Rissveds setzt sich leicht ab. Doch die Neuseeländerin zeigt Kampfgeist, holt die Ausreisserin ein und läutet mit dem Führungstrio die letzte Runde ein. Auf dem langen Schlussanstieg gibt Maxwell das Tempo vor, Rissveds versucht mitzuhalten, bezahlt dafür aber später. Maxwell baut ihren Vorsprung aus und fährt zum Sieg. Keller zeigt Moral und zieht kurz vor dem Ziel an Rissveds vorbei und erkämpft sich Rang zwei. Nicole Koller auf dem fünften, Ronja Blöchlinger auf dem achten und Jolanda Neff auf dem neunten Rang sorgen für eine gute Schweizer Teamleistung und weitere Top 10 Plätze. 

«Ich kann es ehrlich gesagt nicht glauben, dass ich heute gewonnen habe», sagt Maxwell nach dem Rennen. «Mein Motto heute war: Nur weil du einen Gedanken hast, macht ihn das noch nicht wahr. Ich hatte einen Platten und zwei Stürze in gefühlt fünf Sekunden. Ich dachte: Das wird so ein Tag, an dem alles schiefgeht. Aber dann habe ich mir gesagt: Das ist nur ein Gedanke und kein Fakt. Ich bin Kämpferin. Ich habe einfach einen nach dem anderen wieder eingeholt.»

Rangliste Elite Frauen

Corvi triumphiert und Treudler führt Schweizer Dreifachsieg an

Valentina Corvi zeigt beim U23 Rennen der Frauen eine dominante Leistung und gewinnt mit über drei Minuten Vorsprung. Die Fahrerin vom Canyon CLLCTV XCO Team bricht sich zu Saisonbeginn das Schlüsselbein, kehrt aber eindrucksvoll zurück und gewinnt nach Val di Sole auch in Andorra. Wegen ihrer Verletzung verpasst Corvi zwei Weltcuprunden, während Ella Macphee weiterhin das Gesamtklassement anführt.

Macphee erwischt in Andorra einen Albtraumstart. Ein Sturz im ersten Streckenabschnitt wirft sie aus den Top Ten. Corvi dagegen startet stark und baut bereits nach der ersten Runde einen Vorsprung von über einer Minute auf. Ihre Landsfrau Sara Cortinovis führt zunächst das Verfolgerfeld an, fällt aber im Rennverlauf zurück und beendet das Rennen auf Platz 17. Die Höhe von Pal Arinsal fordert ihren Tribut. Die Amerikanerin Vida Lopez De San Roman leidet nach einem schnellen Start und wird Fünfte. Corvi liegt zwischenzeitlich über vier Minuten in Führung, stürzt jedoch zweimal auf der letzten Runde und ihr Vorsprung schrumpft auf 3:25 Minuten.

Die Schweizerin Monique Halter sichert sich Rang zwei, nachdem sie Sina Van Thiel zur Rennhälfte distanziert. Van Thiel kämpft sich nochmals heran und wird mit nur acht Sekunden Rückstand Dritte. Olivia Onesti kommt mit starkem Finish nahe heran, verpasst das Podium jedoch knapp.

«Ich habe keine Worte für dieses Rennen», sagt Corvi im Ziel. «Ich habe versucht, das Rennen von Anfang an zu kontrollieren. Auf der letzten Runde stürzte ich zweimal, aber ich bin superglücklich über den Sieg. Nächste Woche starte ich bei den italienischen Meisterschaften, dann bei der EM und dann folgt die Vorbereitung auf die WM.»

Finn Treudler baut seine Gesamtführung im U23-Weltcup der Männer weiter aus. Der Schweizer setzt sich bereits in der zweiten Runde ab und kontrolliert das Rennen souverän mit über einer Minute Vorsprung. Die Schweizer zeigen auf dem Höhenkurs in Andorra eine beeindruckende Teamleistung. Nicholas Halter fährt in der sechsten Runde die schnellste Zeit des Tages und sichert sich Rang zwei, Maxime Lhomme wird Dritter. Rens Teunissen van Manen, direkter Verfolger im Gesamtklassement, verliert mit Platz acht wichtige Punkte.

Nach seinem Sieg im XCC-Rennen am Freitag gelingt Treudler in Andorra das perfekte Wochenende. «Ich fühle mich heute richtig stark und bin superglücklich über den Sieg, besonders nach meinem enttäuschenden Rennen in Val di Sole», sagt Treudler. «Der Doppelsieg hier bedeutet mir sehr viel. Ich konzentriere mich nur auf mich und versuche, die beste Version von mir selbst zu sein, im Moment funktioniert das sehr gut. Jetzt liegt mein Fokus auf der Titelverteidigung bei der EM, danach folgt eine kurze Pause, bevor ich mich ganz auf die Heim-WM vorbereite.»

Rangliste U23 Frauen

Rangliste U23 Herren