Pizza, Meer und ein Comeback zum Saisonende | Ride MTB

Pizza, Meer und ein Comeback zum Saisonende

Das letzte Rennen der Enduro-World-Series in Finale Ligure endet mit dem Sieg Fabien Barels, der sich im Frühjahr den Rücken brach. Der Gesamtsieg geht an Jared Graves. Tracy Moseley holt sich zum zweiten Mal den Overall-Titel. René Wildhaber und Anita Gehrig werden jeweils Sechste.

Nach seiner schweren Rückenverletzung im Frühjahr schafft Fabien Barel nicht nur den Wiedereinstieg in der Enduro-Rennzirkus, sondern mit seinem Sieg in Finale Ligure auch eine kleine Sensation. Der Franzose stürzt während des ersten Renntages bei den Enduro-World-Series in Chile schwer und bricht sich dabei den achten Rückenwirbel. Nach knapp vier Monaten darf Barel seine erste kurze Ausfahrt auf dem Rennrad wagen – mit dem da noch geheimen Ziel, am finalen Rennen der Enduro-World-Series in Finale Ligure (ITA) wieder am Start zu stehen.

Vor Ort erklärt der frühere Downhill-Weltmeister, dass er wieder bereit sei Rennen zu fahren, es ihm jedoch nur darum geht, wieder dabei zu sein und das Jahr gut abschliessen zu können. Wie gut, das hätte er sich wohl selber nicht erträumt. Fabien Barel liegt nach dem ersten Renntag auf Platz zwei, hinter seinem Landsmann Yoann Barelli. Am zweiten Renntag büsst dieser zu viel ein und rutscht auf Rang fünf ab. Barel hingegen dreht nochmals auf und holt sich den wohl eindrücklichsten Sieg in der Geschichte der Enduro-World-Series. «Nur am grossen Finale teilnehmen zu können, fühlte sich schon wie ein Sieg an. Dieses Rennen zu gewinnen ist für jedoch schlicht unglaublich», sagt ein überglücklicher Barel.

Acht Sekunden hinter dem grossen Rückkehrer wird der Australier Jared Graves Zweiter und holt sich damit den Gesamtsieg der Enduro-World-Series 2014. Weitere vier Sekunden zurück liegt der französische Newcomer Damien Oton, welcher in der Gesamtwertung den zweiten Rang belegt. Rang drei in der Endabrechnung geht an den Neuseeländer Justin Leov.
René Wildhaber – Leovs Teamkollege – beendet das letzte Rennen auf dem 15. Rang. Er stürzt auf Etappe vier und verpasst kurz zuvor auf dem gleichen Abschnitt einen Abzweiger. In der Endabrechnung belegt Wildhaber den sechsten Rang. Damit liegt Wildhaber auf der gleichen Position wie im Vorjahr, steigt jedoch bei zwei World-Series-Rennen aufs Podest.

Nach Wildhaber sieht es bei der Schweizer Enduro-Fraktion jedoch wenig erfreulich aus. Die nächsten drei grossen Fahrer, Ludovic May, Gusti Wildhaber und Lukas Anrig, haben zwar das Potential in die Top-10 vorzustossen, sind aber beim letzten Rennen verletzungsbedingt nicht dabei. So finden sich in den Top-100 mit Florian Golay und Jonas Bähler nur noch zwei weitere Schweizer.

Titel Nummer zwei für Moseley

Sehr spannendend ist die Ausgangslage bei den Frauen. Die Britin Tracy Moseley führt die Gesamtwertung vor dem letzten Rennen in Finale zwar an, jedoch nicht mit einem grossen Polster. Ihr ist die Französin Anne Caroline Chausson dicht auf den Fersen – so dicht, dass sich Moseley nicht viel erlauben kann. Genaugenommen darf sie schlimmstenfalls Zweite werden, würde Chausson das letzte Rennen gewinnen.

Tatsächlich ist die frühere Rekord-Downhill-Weltmeisterin eine Klasse für sich. Sie entscheidet jede der sechs Abfahrtsetappen für sich und siegt mit über einer Minute Vorsprung. Moseley fährt kalkuliert, um nicht wegen eines riskierten Defekts oder Sturzes den Titel zu gefährden. Ihre Taktik geht auf und so holt sie sich mit dem zweiten Rang ihren zweiten Enduro-World-Series-Titel. Rang drei geht an die Französin Cecile Ravanel, die an diesem Rennwochenende nicht in die Entscheidung eingreifen kann.

Erfolgreich endet die Saison für Anita Gehrig. Mit konstanten Leistungen über die Saison hinweg, hat sich die Schweizer Enduristin auf die sechste Position gefahren. Am ersten Renntag des finalen Rennens läuft es bei ihr jedoch nicht 100-Prozentig rund und so liegt sie nach den vier Etappen am Samstag lediglich auf Rang zwölf. Auf den letzten zwei Etappen am Sonntag kann sie ihren, von der Trans-Provence noch müden Körper nochmals wecken. Mit zwei schnellen Etappen katapultiert sie sich noch auf Rang acht. Gehrig kann damt ihren sechsten Rang in der Gesamtwertung sichern.

Ähnlich ergeht es ihrer Zwillingsschwester Carolin. Die Strapazen der Enduro-Etappenrennens Trans-Provence haben auch bei ihr Spuren hinterlassen. So steckt die Müdigkeit während des ersten Renntages noch arg in den Knochen. Am zweiten Renntag bringt jedoch auch Carolin ihren Körper wieder auf Touren und fährt auf den zwei Etappen jeweils die zehntbeste Zeit. Für sie ist es am Ende der 14. Rang, welcher sie Gesamtwertung auf den guten 11. Rang bringt. Dies allerdings mit einem Rennen weniger.

Saisonende am Strand
Die lange Rennsaison hinterlässt bei den Athleten ihre Spuren. Als Abschluss dieser langen Enduro-Saison erweist sich Finale Ligure, als Austragungsort des letzten World-Series-Rennens, als ideal. Erstklassige Singletrails, freundliche Locals, gutes Wetter und die allseits beliebte, italienische Küche sind die Hauptgründe. Bereits vor dem Rennen belagern auch die weltbesten Enduristen die Cafés und Gelaterias, gönnen sich nach dem Training ein wenig Entspannung am Strand, oder ein Sprung ins erfrischende Mittelmeer.

Am Sonntag nach dem Rennen lassen sich die Teilnehmer des letzten Enduro-World-Series-Rennens dieser Saison komplett von der Ferienstimmung einnehmen. Bei Gelati und Cappuccino auf der Piazza Grande, oder Pizza und Bier am Strand, vergessen die Fahrer gemeinsam die Strapazen des Rennens und freuen sich insgeheim bereits wieder auf die kommende Saison.

Im Jahr 2015 starten die Enduro-World-Series früher und umfassen neu acht, statt sieben Wettkämpfe. Der Auftakt ist in Rotorua auf Neuseeland. Die Rennserie findet zwei Monate später in Irland und eine Woche darauf in Schottland ihre Fortsetzung. Bis zum grossen Final-Rennen im Bike-Mekka Finale-Ligure (ITA) gibt es vier weitere Stopps in Frankreich, USA, Kanada und neu auch in Spanien.
 

Ines Thoma auf Stage 1. ©Matt Wragg
Damien Oton fliegt auf Rang drei. ©Matt Wragg
Ines Thoma. ©Jérémie Reullier
Restart zur zweiten Tageshälfte am Samstag. ©Matt Wragg
Serien-Schnellste Tracy Moseley auf Stage 4. ©Matt Wragg
Tobias Reiser (GER) rast in Richtung Meer. ©Matt Wragg
Den italienischen Fans ist es egal wie weit weg die Zuschauer-Spots sind. ©Matt Wragg
Carolin Gehrig auf Stage 4. ©Matt Wragg
Joe Barnes. ©Jérémie Reullier
Carolin Gehrig rast über die Strecke der vierten Etappe. ©Matt Wragg
Anne Caroline Chausson auf ihrer Siegesfahrt. ©Matt Wragg
Anita Gehrig auf Stage 6. ©Matt Wragg
Carolin Gehrig findet den Weg durch die Steinblöcke. ©Matt Wragg
Gesamtsieger Jared Graves. ©Matt Wragg
Final-Sieger Fabien Barel. ©Matt Wragg
Fabien Barel. ©Matt Wragg
Ein kräfitger Schluck Siegersekt für den Gewinner. ©Jérémie Reullier
Jihaaa, eine grandiose Saison nimmt ein grandioses Ende – cheers! ©Matt Wragg

www.enduroworldseries.com
 

7. Lauf Enduro World Series, Finale Ligure/ITA
       
Männer      
1. Fabien Barel (FRA) Canyon Enduro Factory Team 38.08,38
2. Jared Graves (AUS) Yeti – Fox Shox Racing Team +00.08,37
3. Damien Oton (FRA) Devinci/ Alltricks.com +00.12,41
4. Jérôme Clementz (FRA) Cannondale Overmountain Team +00.13,17
5. Yoann Barelli (FRA) Giant Factory Racing Team +00.14,47
6. Florian Nicolai (FRA) Rocky Mountain – Urge BP +00.17,01
7. Justin Leov (NZL) Trek Factory Racing Team Enduro +00.20.08
8. Joe Barnes (GBR) Canyon Enduro Factory Team +00.20,42
9. Nico Lau (FRA) Cube Action Team +00.26,40
10. Francois Bailly-Maitre (FRA) BMC Enduro Racing Team +00.31,04
15. René Wildhaber (SUI) Trek Factory Racing Team Enduro +00.56,30
42. Florian Golay (SUI) BMC Enduro Racing Team +02.04,30
97. Jonas Bähler (SUI) One80 Sportshop +04.22,32
103. Silvio Bundi (SUI) Bundi Cycling +04.42,11
107. Alois von Wurstemberger (SUI) One80 Sportshop +05.03,07
109. Balz Weber (SUI) Ride – Mountainbike Magazin Schweiz +05.08,25
112. Urs Stadelmann (SUI) Velothek +05.17,29
124. Christian Greub (SUI)   +05.57,32
130. Julien Rosse (SUI)   +06.05,40
147. Urs Pargmann (SUI)   +07.05,42
153. Julien Knuchel (SUI)   +07.40,57
       
Frauen      
1. Anne Caroline Chausson (FRA) Ibis 42.51,21
2. Tracy Moseley (GBR) Trek Factory Racing Team Enduro +01.01,06
3. Cecile Ravanel (FRA) GT Pulse +01.22,58
4. Anneke Beerten (NED) Specialized Racing +02.16,05
5. Ines Thoma (GER) Canyon Enduro Factory Team +02.56,15
6. Rosara Joseph (NZL) Yeti – Fox Shox Racing Team +03.16,51
7. Isabeau Courdurier (FRA) Rocky Mountain – Urge BP +03.53,47
8. Anita Gehrig (SUI) Twins MTB Racing +05.12,59
9. Pauline Dieffenthaler (FRA) Cannondale Overmountain Team +05.13,47
10. Kelli Emmett (USA) Giant Factory Racing Team +05.33,52
14. Carolin Gehrig (SUI) Twins MTB Racing +06.00.13
26. Cait Elliott (SUI) Velo Elsener +11.37,12
       
Gesamtklassement Männer      
1. Jared Graves (AUS) Yeti – Fox Shox Racing Team Enduro 3140 Punkte
2. Damien Oton (FRA) Devinci/ Alltricks.com 2820 Punkte
3. Justin Leov (NZL) Trek Factory Racing Team Enduro 2680 Punkte
4. Nico Lau (FRA) Cube Action Team 2600 Punkte
5. Florian Nicolai (FRA) Rocky Mountain – Urge BP 2540 Punkte
6. René Wildhaber (SUI) Trek Factory Racing Team Enduro 2530 Punkte
7. Joe Barnes (GBR) Canyon Enduro Factory Team 2450 Punkte
8. Francois Bailly-Maitre (FRA) BMC Enduro Racing Team 2370 Punkte
9. Yoann Barelli (FRA) Giant Factory Racing Team 2310 Punkte
10. Martin Maes (BEL) GT Factory Racing 2160 Punkte
20. Ludovic May (SUI) Canyon Enduro Factory Team 1172 Punkte
29. Lukas Anrig (SUI) Norco World Enduro Team 865 Punkte
115. Emmanuel Allaz (SUI) Irwego Commencal 69 Punkte
130. Jonas Bähler (SUI) One80 Sportshop 44 Punkte
163. Ismael Muller (SUI)   17 Punkte
183. Vito Tschenett (SUI) Dapilten.com / The Bike Patcher 2 Punkte
       
Gesamtklassement Frauen      
1. Tracy Moseley (GBR) Trek Factory Racing Team Enduro 2600 Punkte
2. Anne Caroline Chausson (FRA) Ibis 2570 Punkte
3. Cecile Ravanel (FRA) GT Pulse 2270 Punkte
4. Anneke Beerten (NED) Specialized Racing 2140 Punkte
5. Ines Thoma (GER) Canyon Enduro Factory Team 1880 Punkte
6. Anita Gehrig (SUI) Twins MTB Racing 1710 Punkte
7. Rosara Joseph (NZL) Yeti – Fox Shox Racing Team 1690 Punkte
8. Kelli Emmett (USA) Giant Factory Racing Team 1660 Punkte
9. Isabeau Courdurier (FRA) Rocky Mountain – Urge BP 1640 Punkte
10. Katy Winton (GBR) Pivot Morvelo – Sweet Protection 1280 Punkte
11. Carolin Gehrig (SUI) Twins MTB Racing 1230 Punkte
16. Lorraine Truong (SUI) Leysin - Norco - Fox - Sun Ringlé 800 Punkte
27. Cait Elliott (SUI) Velo Elsener 410 Punkte