Richter und Gilchrist krönen sich im Sekundenkrimi zu Enduro-Weltmeistern | Ride MTB

Richter und Gilchrist krönen sich im Sekundenkrimi zu Enduro-Weltmeistern

Enduro- WM 2026, Finale Ligure

Foto: UCI Mountainbike

Die Enduro-Weltmeisterschaften in Finale Ligure boten Spannung bis zum letzten Meter. Ryan Gilchrist und Raphaela Richter sicherten sich die Regenbogentrikots in zwei packenden Entscheidungen mit hauchdünnem Vorsprung. Bei den Junioren krönten Hugo Marti Montessinos und Nežka Libnik ihre starken Saisons mit WM-Gold.

Finale Ligure gilt als Geburtsstätte des modernen Enduro-Sports und war erstmals Schauplatz der UCI Enduro- und E-Enduro-Weltmeisterschaften. Seit dem Jahr 2008 werden in der italienischen Küstenregion Rennen ausgetragen. Für die Weltmeisterschaften warteten sechs Wertungsprüfungen, verteilt auf 60 Kilometer, mit 1850 Höhenmetern im Aufstieg und 2850 Tiefenmetern auf den Stages. Nach den E-Enduro-Titeln für Helen Weber und Adrien Dailly am Samstag standen am Sonntag die klassischen Enduro-Rennen im Mittelpunkt.

Gilchrist behält die Nerven

Ryan Gilchrist sicherte sich nach einem packenden Vierkampf seinen ersten Enduro-Weltmeistertitel. Der Australier setzte sich bereits auf der ersten Stage an die Spitze, musste sich gegen Titelverteidiger Richie Rude, Elliot Jamieson und Landsmann Luke Meier-Smith aber bis zum Schluss behaupten.

Während Meier-Smith zwei Stages gewann, meldete Jamieson mit einer starken Fahrt auf der vorletzten Prüfung seine Titelambitionen an. Vor der entscheidenden Abfahrt auf dem legendären «DH Uomini» oder « trennten die vier Schnellsten lediglich acht Sekunden. Rude gewann die letzte Stage, doch Gilchrist rettete vier Sekunden Vorsprung auf Jamieson ins Ziel. Rude holte Bronze, nur drei Zehntelsekunden hinter dem Kanadier.

Für Gilchrist ist es nach seinem Pumptrack-WM-Titel 2024 bereits das zweite Regenbogentrikot. «Das ist die legendärste Stage im Enduro. Den DH Uomini hinunterzufahren und danach bei Sonnenuntergang mit meinen Freunden zum Platz zurückzukehren, war unglaublich. Ich konnte meine Familie und meine Freundin zu Hause anrufen und habe hier alles, was ich brauche. Es ist einfach fantastisch. Das ist mein zweites Regenbogentrikot. Es im Enduro zu gewinnen, meiner grossen Leidenschaft, macht es noch spezieller. Ich liebe diesen Sport.»

Urien Minuty zeigte mit Stage-Resultaten zwischen 8. und 19. Platz (abgesehen vom 34. auf Stage 5) eine konstante Leistung. Damit schaffte es der Schweizer auf Platz 18. Wenig dahinter klassierte sich Moritz Silberhorn als bester Deutscher auf Platz 22, und auch Max Pfeil erreichte die Top-30.

Resultate

Richter gewinnt Sekundenkrimi

Noch knapper fiel die Entscheidung bei den Frauen aus. Raphaela Richter sicherte sich ihren ersten WM-Titel mit gerade einmal einer Sekunde Vorsprung auf Isabeau Courdurier. Nadine Ellecosta komplettierte das Podest mit drei Sekunden Rückstand.

Richter startete furios und nahm ihren Konkurrentinnen auf der ersten Stage beinahe zehn Sekunden ab. Danach entwickelte sich ein packender Schlagabtausch. Ella Conolly, Ellecosta und Richter teilten sich die weiteren Stage-Siege, während Courdurier kontinuierlich Druck machte.

Auf der abschliessenden DH-Uomini-Stage war Courdurier sechs Sekunden schneller als ihre nächste Verfolgerin. Doch Richter rettete ihren minimalen Vorsprung ins Ziel und feierte zehn Jahre nach ihrem Sieg bei der Enduro World Series in Finale ihren grössten Karriereerfolg. Für Courdurier war Silber ebenfalls bemerkenswert, nachdem sie erst ein Jahr zuvor Mutter geworden war.

«Der Tag war ziemlich gut. Am Morgen war ich ruhig und etwas nervös, aber weniger als früher in meiner Karriere. Ich weiss, dass alles gut wird, sobald ich auf dem Bike sitze. Deshalb habe ich einfach versucht, mein Bestes zu geben. Ich bin immer stolz, wenn ich im Weltcup vorne mitfahren kann. Dass ich es heute ganz nach oben geschafft habe, kann ich noch immer kaum glauben», freute sich Richter.

Die beiden Österreicherinnen Lisa Mitterbauer und Hanna Hüttenmeyer landeten auf den Plätzen 23 und 24, die Schweizerinnen Franca Rudolf und Selina Schweizer auf den Plätzen 27 und 28.

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Marti Montessinos krönt seine Traumsaison

Bei den Junioren setzte Hugo Marti Montessinos seine beeindruckende Saison fort. Nach dem Gesamtsieg im Enduro-Weltcup sicherte sich der Franzose auch den WM-Titel. Mit drei Stage-Siegen und einer starken Leistung auf der vorletzten Prüfung Blitz distanzierte er seine Konkurrenz um 13 Sekunden.

Dahinter entwickelte sich ein enger Kampf um die Medaillen. Jules Janniaud rettete Silber mit weniger als zwei Zehntelsekunden Vorsprung auf Nolan Weiss, der sich mit einem Sieg auf der letzten Stage noch Bronze sicherte.

«Es war unglaublich hart und körperlich anspruchsvoll. Schon die erste Stage war brutal. Ich konnte mir etwas mehr Energie für die fünfte Stage aufsparen, die ebenfalls extrem hart war. Jules war hinter mir und trieb mich an, noch schneller zu fahren. Es ist verrückt», erklärte der neue Junioren-Weltmeister.

Als bester Schweizer schaffte es Noé Forlin mit Top-Ten-Stages und einem Abschiffer auf Platz acht. Eine solide Leistung, nachdem er sich die gesamte Saison nicht mehr auf Enduro, sondern auf Downhill fokussierte. Auf Rang 14 folgte Quirin Bach. Der Deutsche legte solide Stage-Zeiten hin und stach auf der vorletzten Abfahrt mit der drittbesten Zeit heraus.

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Libnik verteidigt Titel souverän

Bei den Juniorinnen liess Nežka Libnik keinen Zweifel an ihrer Überlegenheit aufkommen. Die Slowenin, die bereits den Gesamtweltcup gewonnen hatte, dominierte fünf der sechs Stages und verteidigte ihren WM-Titel mit 59 Sekunden Vorsprung.

Daisy James sicherte sich Silber, während Chloe Cres Clement auf der letzten Stage noch ihre französische Landsfrau Bélinda Baudet abfing und Bronze gewann. Libnik überstand auf der Schlussprüfung sogar einen kleinen Sturz, ohne ihren Triumph zu gefährden.

«Es war ein fantastisches, aber sehr hartes Rennen. Der Tag begann gut, obwohl die erste Stage extrem anspruchsvoll war. Danach lief es weiterhin gut. Die fünfte Stage war nochmals richtig hart, aber wir haben es geschafft. Die sechste Stage war legendär. Ich konnte meine Linien nicht halten und stürzte, aber es war trotzdem unglaublich. Ich bin überglücklich.»

Die Schweizerin Elena Frei lag zu Beginn auf Platz fünft, büsste danach aber etwas an Zeit ein und beendete das Rennen auf dem guten achten Platz.

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