Rollstuhl statt Rennstrecke: Teocchi vor härtestem Rennen
Die Mountainbike-Welt blickte in den vergangenen Tagen nach Val di Sole. Medaillen wurden verteilt, Weltmeister gekürt und grosse Geschichten geschrieben. Eine, die in Val di Sole ihr eigenes Kapitel schreiben wollte, verfolgte das Geschehen aus einer völlig anderen Perspektive.
Fast zwei Monate nach ihrem schweren Sturz beim Weltcup in La Thuile meldete sich Chiara Teocchi Ende August mit einem Video zurück. Lächelnd und gefasst stellt sie darin auch ihre «neue Freundin» vor: den Rollstuhl. Wie lange dieser zu ihrem Leben gehören wird, weiss derzeit niemand.
Ein Sturz verändert alles
Am 5. Juli war Teocchi beim Cross-Country-Weltcup in La Thuile schwer gestürzt. Sie wurde zunächst ins Krankenhaus nach Aosta gebracht und später nach Bergamo verlegt. Dort stellten die Ärzte eine Verletzung des Rückenmarks fest und entschieden sich für eine Operation.
Während des Eingriffs nahm die Geschichte eine weitere dramatische Wendung. Teocchi erlitt nach eigenen Angaben eine allergische Reaktion auf ein Medikament und einen Herzstillstand. Fast eine Stunde lang kämpften die Ärzte um ihr Leben.
Teocchi selbst fasst diese Stunden mit einem bemerkenswerten Satz zusammen: Sie habe ihr wichtigstes Rennen gewonnen, jenes ums eigene Leben.
Die Folgen des Sturzes bleiben. Die Italienerin sitzt derzeit im Rollstuhl und befindet sich in Rehabilitation. «Ich arbeite sehr hart daran, wieder gehen zu können», sagt sie. Wohin dieser Weg führen wird, könne momentan aber niemand sagen.
Ein neues Rennen beginnt
Chiara Teocchi gehörte über Jahre zur internationalen Cross-Country-Spitze und vertrat Italien unter anderem bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris, wo sie den elften Rang belegte. Nun sind Resultate und Sekunden bedeutungslos geworden.
Ihr Alltag besteht aus Rehabilitation und medizinischer Betreuung. Das Ziel ist klar: sich jede mögliche Chance auf eine bestmögliche Genesung zu geben. Vielleicht führt der Weg eines Tages sogar zurück aufs Bike.
Die dafür notwendige spezialisierte Rehabilitation, medizinische Versorgung und Hilfsmittel verursachen erhebliche Kosten. Deshalb wurde unter dem Titel «Chiara’s Journey to Recovery» eine Spendenaktion gestartet. Das Ziel liegt bei 30’000 Euro, ein grosser Teil davon ist bereits zusammengekommen.
In Val di Sole ging es in diesen Tagen darum, wer am schnellsten über Wurzeln, Steine und steile Anstiege kommt. Chiara Teocchi steht inzwischen vor ganz anderen Hindernissen. Ihr derzeit wichtigstes Ziel liegt nicht hinter einer Ziellinie und dafür gibt es keine Regenbogenstreifen.
Aber es ist das wichtigste Rennen ihres Lebens.