Saisonbilanz des GT Factory Racing Team | Ride MTB

Saisonbilanz des GT Factory Racing Team

Die Athertons – eine britische Downhill-Dynastie. Zusammen mit Marc Beaumont, Martin Maes und Taylor Vernon erkämpfte sich das «GT Factory Racing Team» beispiellos Sieg um Sieg. Im Interview zieht das GT Factory Racing Team eine Saisonbilanz und gibt Einblicke in ihren Job.

Die Crew reiste Wochenende für Wochenende rund um den Globus zu den grossen Rennen – und das mit grossem Erfolg. Rachel gewann im südafrikanischen Pietermaritzburg die Weltmeisterschaften im Mountainbike-Downhill und sicherte sich auch den Weltcup-Gesamtsieg in derselben Disziplin. Bruder Gee beendete die Weltcup-Saison als Zweiter und Marc Beaumont wurde 20. In der Teamwertung belegte das «GT Factory Racing Team» am Ende Platz eins. Der Shooting-Star des Teams Martin Maes sicherte sich den allerersten Junior-Titel der «Enduro World Series», während sich der zweite Neuzugang Taylor Vernon noch von einem schweren Sturz erholt. Die vielen Wettbewerbe des Teams bedeuteten natürlich auch den Dauereinsatz für Team-Manager Dan Brown und Mechaniker Piotr «Polish Pete» Michaliszyn.

Wie würdet Ihr eure 2013er Saison in einem Satz beschreiben?
Rachel Atherton: Fast perfekt!
Gee Atherton: Ein starkes Jahr mit Verbesserungspotenzial.
Dan Atherton: Kurz und enttäuschend! Ich setze alles daran, 2014 wieder richtig anzupacken. Aber eine super Saison für Rach und Martin!
Marc Beaumont: Letzten Endes sehr frustrierend. Es schien, als ob es sich während der Rennen nie so ausging wie geplant. Das hat mich aber stärker und hungriger auf 2014 gemacht...
Martin Maes: Super – ich habe jede Minute davon geliebt und dabei so viel gelernt. Ich freue mich schon auf 2014!
Taylor Vernon: Ich habe Lehrgeld gezahlt. Ähnlich wie Affy. Ich bereite mich auf 2014 vor.
Dan Brown: Sie verlief fast nach Plan!

Rachel, was war der schönere Moment: als dir das World Cup Siegertrikot in Saalfelden Leogang übergestreift wurde oder der Empfang des Regenbogentrikots bei den Weltmeisterschaften in Südafrika?
Rachel Atherton: Vermutlich das Regenbogentrikot... Ich stand auf dem Podium der Weltmeisterschaften, berührte das Trikot und realisierte plötzlich, dass ich es geschafft habe. Ich dachte daran, dass es vielleicht nie mehr einen weiteren Weltmeistertitel für mich geben wird. Ich stand da, dachte an den Weg bis dorthin und war glücklich.

Hast du deinen Weltmeistertitel schon gebührend gefeiert oder musstest du erst auf das Saisonende warten?
Rachel Atherton: Nach dem Rennen bei den Weltmeisterschaften bin ich feiern gegangen. Das erste Mal seit zwei Jahren, dass ich nach einem Rennen feiern war! Es war superlustig, mit Marc Beaumont zu tanzen und ich habe jede Minute genossen, auf den Putz zu hauen!

Mit welchen Reifen bist du beim letzten Rennen in Saalfelden Leogang an den Start gegangen?
Rachel Atherton: Eigentlich hatte ich mich dafür entschieden, einen Spezialisten für trockene Untergründe zu fahren – den «Kaiser Projekt» von Continental. Alternativ hätte ich auch einen geschnittenen «Mud King» wählen können, den ich bevorzugt bei Feuchtigkeit fahre, weil es oben noch ein wenig nass war. Bei den Weltmeisterschaften zog ich vorne einen «Kaiser Projekt» und hinten einen super geschnittenen «Mud King» auf.

Gee, hast du den verpassten Weltcup-Titel vom Wochenende in Saalfelden Leogang schon verdaut? Wie ist deine Motivation fürs nächste Jahr?
Gee Atherton: Ja, das war natürlich schon hart, aber die Motivation sich zu verbessern ist noch da.

Dan, wie wichtig ist der Sieg in der Teamwertung im Gesamt-Weltcup?
Dan Brown: Dem Durchschnittszuschauer wird der Titel «Schnellstes Team» nicht viel bedeuten, aber für uns bedeutet er sehr viel – ich vermute allen Teams. Es ist eine Anerkennung für die enormen Anstrengungen des ganzen Teams.

Was kann man aus deiner Sicht an der Team-Performance für nächste Saison noch verbessern?
Dan Brown: Viel! Wir sind immer noch ein ganzes Stück davon entfernt, wo wir sein wollen. Wir werden wahrscheinlich nie ganz dort hinkommen, was diesen Job aber auch so gut macht – wir alle streben danach, uns ständig zu verbessern.

Was sind eure Ziele für nächstes Jahr?
Rachel Atherton: Ich will gewinnen und physisch stärker als je zuvor werden. Ich würde gerne sehen, wie stark ich werden kann.
Gee Atherton: Den Downhill-Gesamtweltcup zu gewinnen – und zu versuchen, meine Kronjuwelen wenigstens einmal heil zu lassen (Gee schlug sich diese bei einem Trainingssturz in Kanada unsanft an. Anm. der Red.).
Dan Atherton: Die «Enduro World Series». Aber ich werde wahrscheinlich ein paar Downhill Weltcups dazwischenschieben – ich habe diese wirklich vermisst.
Marc Beaumont: Im Moment hätte ich gerne ein wenig Konsistenz (lacht). Ich weiss, dass ich Podiumsplatzierungen erreichen kann – ich habe es in der Vergangenheit bewiesen. Ich freue mich schon auf 2014!
Martin Maes: Schneller, stärker und geschickter auf dem Bike zu werden.
Taylor Vernon: Wieder auf Spur zu kommen und eine ganze Saison zu überstehen. Schnell, aber smooth zu fahren, Konsistenz wird der Schlüssel dazu sein. Und ich will nichts überstürzen. Ich habe viele Jahre vor mir, aber es wäre cool, unterwegs aufs Podium zu kommen.

Wie viele Stunden arbeitet ihr pro Woche und was sind eure Haupttätigkeiten?
Rachel Atherton: Keine Ahnung. Unzählige Stunden! Bei einem Weltcup fängt mein Tag um 06:30 Uhr an und endet um 22:00 Uhr, wenn ich ins Bett gehe. Während der Off-Season trainiere ich im Schnitt so 5 Stunden am Tag.
Gee Atherton: Was ist 24/7? Na, vielleicht rund 60 Stunden in den meisten Wochen – während der Saison mehr...
Dan Atherton: Ich verbringe viel Zeit mit der Planung. Dann Training zweimal am Tag, bis zu zwei Stunden pro Einheit.
Marc Beaumont: Während der Vor-Saison summiert es sich ganz schön. Es gibt immer was zu tun, meistens gibt es zwei Trainingseinheiten am Tag, dreimal die Woche. Ich konzentriere mich dabei auch stark darauf, an meinen Fähigkeiten auf dem Downhill-Bike zu arbeiten.
Martin Maes: Für mich ist die grösste Herausforderung, alles mit der Schule unter einen Hut zu bringen. Aber selbst mit dem Training habe ich immer noch etwas Zeit, für mich selbst.
Taylor Vernon: Dadurch, dass mich mein Rücken davon abhält so hart zu fahren und zu trainieren, wie ich eigentlich sollte, absolviere ich routinemäßig bestimmte Übungen und ein leichtes Training, um mich wieder auf Spur zu bringen. Ich würde sagen, so 15 Stunden pro Woche allein nur fürs Fitnessstudio und Schwimmen.
Dan Brown: So viele, wie nötig sind – im Sommer sieben Tage die Woche. Ich will erst gar nicht anfangen, die Stunden zu zählen. Ich denke immer daran, dass der Winter ein bisschen ruhiger werden könnte.
Piotr Michaliszyn: Einige! An einem Rennwochenende geht es schon mal bis Mitternacht, dann um 06:30 Uhr wieder aufstehen. Da kommen locker 80 Stunden zusammen. In der Nebensaison 40 Stunden pro Woche.

Piotr, du bist als Mechaniker für die Feineinstellungen der Bikes und natürlich auch der Reifen zuständig. Wovon hängt deine Reifenwahl ab und welche Reifen setzt du für welche Bedingungen ein?
Piotr Michaliszyn: Wir laufen die Strecke ab und treffen basierend auf unseren Erfahrungen eine Entscheidung. Wir tendieren dazu, «Mud Kings» herzunehmen, wenn es nass oder sehr trocken ist, für extra Gripp im Staub. Dazwischen ist es immer ein «Kaiser Projekt».

Was sind eurer Meinung nach die größten Herausforderungen in eurem Sport?
Rachel Atherton: Bei Verletzungen mental stark zu bleiben ...
Gee Atherton: Zu entscheiden, wann es Sinn macht, ein Risiko einzugehen (meistens nicht so oft wie ich denke...).

Wie seht ihr die Entwicklung im Downhill-Bereich in den kommenden Jahren?
Rachel Atherton: Seit dem letzten Rennen habe ich viele Anfragen von Mainstream-Medien und ich stelle fest, dass Downhill von einem breiteren Publikum wahrgenommen wird – was toll ist! Ich denke, wir werden mehr «Downhill-fremde» Sponsoren sowie mehr Teilnehmer sehen und der Frauenanteil in diesem Sport wird weiterhin riesig anwachsen.
Ich hoffe, dass die Rennstrecken schwieriger, länger, fordernder werden. Das bedeutet, dass die Fahrer härter und besser trainieren müssen, mit einer Ausstattung, um alles während eines Rennens zu messen – von der Leistung bis hin zur Tritt- und Herzfrequenz können wir unsere Körper genauso wie unsere Bikes weiterentwickeln.
Dan Brown: Ich denke, dass es eine Fortsetzung und Weiterentwicklung von «Red Bulls» hervorragender Arbeit mit den Live-Webcasts geben und Mainstream-TV-Berichterstattungen hinzukommen werden.

Wie sieht euer Winter aus? Macht ihr Urlaub?
Rachel Atherton: Ein Schnorchelurlaub mit Fischen und Schildkröten wäre ziemlich cool!
Gee Atherton: Aber sicher! Nur Location und Begleitung sind noch offen.
Dan Atherton: Nein! Es gibt zu viel zu tun – zurück zur alten Fitness finden, einiges für das 2014er Atherton-Bauprojekt erledigen...
Marc Beaumont: Ja, ich habe eine kleine Auszeit, wo ich mit Freunden Motocross fahre. Ich renoviere auch ein wenig an meinem Haus, ein wirklich langsamer Prozess.
Martin Maes: Definitiv!
Taylor Vernon: Kein Urlaub für mich. Ich konzentriere mich darauf, im Jahr 2014 wieder Rennen fahren zu können. Ich möchte nicht herumgammeln, sondern lieber hart arbeiten, um wieder die Rennen geniessen zu können. Sie sind wie Urlaub für mich. Was willst du mehr?
Dan Brown: Nein! Mein zweites Kind ist im Dezember auf dem Weg weswegen keine Zeit für Urlaub sein wird.
Piotr Michaliszyn: Nach den Tests vielleicht, aber dann fängt die wirkliche Arbeit an meinem neuen Haus an.

www.athertonracing.co.uk