Sanierung gescheitert: Simplon-Nachfolger beantragt Insolvenz-Verfahren | Ride MTB

Sanierung gescheitert: Simplon-Nachfolger beantragt Insolvenz-Verfahren

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Die 2Rad Produktions GmbH, Rechtsnachfolgerin des insolventen Vorarlberger Radherstellers Simplon, hat erneut Antrag auf ein Sanierungsverfahren gestellt. Damit ist das noch laufende Insolvenzverfahren gescheitert, die Passiva belaufen sich auf insgesamt 33,4 Millionen Euro und es sind 54 Mitarbeitende in Hard betroffen.

Im September 2024 hatte der traditionsreiche Vorarlberger Fahrradhersteller Simplon erstmals ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Das 1961 in Hard bei Bregenz gegründete Familienunternehmen war in wirtschaftliche Turbulenzen geraten. Damals waren 155 Mitarbeitende betroffen, die Verbindlichkeiten beliefen sich auf rund 44,5 Millionen Euro. Im Dezember 2024 übernahm mit SOL Capital Management ein österreichischer Finanzinvestor das Unternehmen. Christoph Mannel, der als ehemaliger CCO der Accell-Gruppe Expertise in der Fahrradbranche mitbrachte, stieg als Investor mit ein und wurde zum Geschäftsführer. Die neue Führung trat mit dem Versprechen an, «mit einer Kapitalspritze eine der führenden Marken im österreichischen Fahrradsport und die rein österreichische Fertigung von Simplon mit rund 140 Beschäftigten nachhaltig abzusichern».

Die Trümmer eines Traditionsunternehmens 

Ein hehres Ziel, das aus heutiger Perspektive nicht erreicht wurde. Denn vom einstigen Traditionsunternehmen ist nicht viel übrig. Man hat es in mehrere Firmen aufgeteilt, Marken und Lizenzrechte gingen in die neue Simplon Bike GmbH (die davor unter Simplon Holding GmbH firmierte) über, der Vertrieb in Deutschland und der Schweiz läuft über eigene Tochterunternehmen, die Produktion wanderte nach Rumänien ab. Am Standort Hard verblieb die 2Rad Produktions GmbH (in der die Simplon Fahrrad GmbH aufging), von einst 155 Mitarbeitenden sind laut dem aktuellen Insolvenzantrag in Hard nur mehr 54 übrig. Und deren Zukunft scheint nun ungewiss. Denn das laufende Sanierungsverfahren aus dem Jahr 2024 ist gescheitert und am 2. September hat die 2Rad Produktions GmbH einen Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung gestellt. Ob der nun eingebrachte Antrag auf ein neuerliches Verfahren mit einem Masseverwalter überhaupt eröffnet wird, muss erst entschieden werden. Im aktuellen Sanierungsantrag wird den insgesamt 150 Gläubigern eine Quote von 20 Prozent geboten. Auch ein Konkurs und damit die Zerschlagung der 2Rad Produktions GmbH steht somit im Raum. 

Die Verbindlichkeiten der 2Rad Produktions GmbH, der Rechtsnachfolgering des einstigen Familienunternehmens Simplon und der späteren Simplon Fahrrad GmbH belaufen sich laut Österreichischem Kreditschutzverband (KSV) auf 33,4 Millionen Euro. Wobei 28,3 Millionen Euro aus dem alten Insolvenzverfahren stammen, die nun wieder aufleben, da die Restschuldbefreiung aufgehoben wird, weil das Unternehmen die nächste, im Dezember 2026 fällige Tranche nicht mehr bedienen kann. Insgesamt bewertet der KSV die Verbindlichkeiten der 2Rad Produktions GmbH als «sehr hoch». Bemerkenswert sei zudem, dass 26 Millionen Euro dieser Schulden auf nur eine Hauptgläubigerin entfallen. Wer das ist, wird nicht bekannt gegeben.

Komplexes Firmenkonstrukt  

Seitens des Unternehmens werden keine Zahlen genannt was die Verbindlichkeiten oder die Mitarbeitenden in der Simplon Bike GmbH und anderen Tochterfirmen angeht. Laut der Bilanzen dürfte der Mitarbeiterstand in der Simplon Bike GmbH, die Namens- und Lizenzrechte von Simplon hält, aber überschaubar sein. Im Jahresabschluss vom September 2025 wird die durchschnittliche Zahl der Angestellten im abgelaufenen Geschäftsjahr mit 1 beziffert. Seitens der Geschäftsführung wird betont, dass die Simplon Bike Gmbh nicht vom erneuten Sanierungsantrag betroffen sei, weil sie eben ein eigenständiges Unternehmen sei. Allerdings ist sie auch 100 Prozent-Gesellschafter der 2Rad Produktions GmbH. 

Insgesamt ein recht komplexes Firmenkonstrukt. Doch ganz so finanziell unabhängig voneinander sind die einzelnen Unternehmen nicht, wie ein Blick in den Jahresabschluss Simplon Fahrrad GmbH (die heutige insolvente 2Rad Produktions GmbH) vom September 2025 zeigt. Denn dort sind zwei Bankgarantien aufgeführt, die im Falle des Scheiterns des Sanierungsplans schlagend werden. In einem Fall geht es um eine Wechselbürgschaft der Simplon Bike GmbH in der Höhe von 33 Millionen Euro. Die Bank verzichtete auf diese Wechselbürgschaft unter der strikten Bedingung, dass der Sanierungsplan termingerecht erfüllt wird. Eine weitere Bank verzichtete unter derselben Bedingung auf die Rolle der Simplon Bike GmbH als Bürge und Zahler für die nun insolvente 2Rad Produktions GmbH. Ob und wie sich das im nun anstehenden Sanierungsantrag auswirkt, ist offen.

Der Markt und ehemalige Eigentümer als Schuldige

Wie es überhaupt zur erneuten finanziellen Schieflage kommen konnte, erklärt die Unternehmensleitung mit «anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen am Fahrradmarkt». In der Fertigung hätten teils erhebliche Lieferverzögerungen für Probleme gesorgt. Daraus hätten Umsatz- und Rohertragsverluste resultiert, die aufgrund der langen Vorlaufzeit für Ersatzbeschaffungen nicht kompensiert werden konnten. Die angespannte Situation sei durch die branchenweiten Auswirkungen der Insolvenz der Accell-Gruppe und die damit verbundene Zurückhaltung von Lieferanten bei der Gewährung von Zahlungszielen zusätzlich verschärft worden. 

Aber auch die ehemaligen Eigentümer werden von der aktuellen Geschäftsführung in einem Statement gegenüber dem KSV in die Pflicht genommen: Die Kommunikation seitens der ehemaligen Schuldnerin sei vor der Anteilsübernahme nicht zur Gänze nachvollziehbar und korrekt gewesen sei. So habe man festgestellt, dass die aus der ersten Insolvenz übernommenen Warenbestände bei der Warenübernahme nach Erwerb unzureichend und nicht vollständig gewesen seien. Deshalb habe der bestehende Auftragsbestand nicht zügig abgearbeitet werden können. Die Folge seien die Beeinträchtigung der Lieferfähigkeit und ein teilweises Ausbleiben von Folgeaufträgen gewesen, was wiederum zur Liquiditätsbelastung führte.

In den nächsten Tagen wird das Landesgericht in Feldkirch über den neuerlichen Sanierungsantrag und damit die Zukunft von Simplon entscheiden. Ob der Investor SOL Capital Management an Bord bleibt, sollte ein Masseverwalter übernehmen, sei derzeit offen, heisst es auf Nachfrage. Das werde in den nächsten Tagen und Wochen entschieden.