Schluss mit Action? Gopro droht das finanzielle Aus
Nach US-Recht sind Unternehmen zu einem solchen Schritt verpflichtet, wenn die Liquidität für die kommenden zwölf Monate nicht mehr gesichert ist. Eine solche Hiobsbotschaft bleibt selten ohne Folgen: Sie verschreckt Geldgeber, verteuert neue Kredite und riss den Aktienkurs von Gopro am Montag zeitweise um bis zu 14 Prozent in die Tiefe.
Schwindende Reserven und teure Speicherchips
Um die drohende Pleite abzuwenden, sucht das Management laut eigenen Angaben intensiv nach frischem Kapital, neuen Kreditlinien oder strategischen Partnern. Die Lage ist ernst: Die Cash-Reserven sind auf rund 50 Millionen US-Dollar zusammengeschrumpft. Bereits das Geschäftsjahr 2025 verlief bitter – bei einem Umsatz von rund 651 Millionen Dollar verbuchte das Unternehmen unter dem Strich einen Nettoverlust von über 80 Millionen Dollar.
Als unmittelbaren Brandbeschleuniger nennt GoPro die explodierenden Preise für Speicherchips. Weil Halbleiter-Riesen wie Samsung und Micron ihre Produktion massiv auf High-Bandwidth-Memory für den boomenden KI-Sektor umstellen, wird Standard-DRAM für Unterhaltungselektronik knapp und teuer. Gopro berichtet von einer teilweisen Verdoppelung der Einkaufspreise. Bei Kameras im Preissegment zwischen 300 und 500 Franken lassen sich diese Mehrkosten kaum eins zu eins auf die Endkunden abwälzen.
Während Gopro lange den Markt der Actioncams dominierte, hat die Konkurrenz aus Asien dem US-Pionier mittlerweile den Rang abgelaufen. Chinesische Hersteller wie DJI und Insta360 dominieren mittlerweile wichtige Märkte. Wie rasant dieser Kontrollverlust voranschreitet, zeigen Verkaufsdaten aus Japan: Dort stürzte Gopro innerhalb weniger Jahre ab und hält nur noch einen Marktanteil von 19 Prozent.
Als erste Massnahme hat der kalifornische Actioncam-Pionier einen rigiden Sparkurs eingeläutet. Neben der Veräusserung von Firmenwerten muss seit April rund ein Viertel der Belegschaft den Hut nehmen. Hinter den Kulissen schliesst das Management mittlerweile weder eine Fusion noch den kompletten Verkauf des Unternehmens aus. Das Überleben der Kultmarke entscheidet sich jedoch nicht nur in der Chefetage, sondern vor allem auf dem Markt: Gopro muss dringend wieder Produkte entwickeln, die eine breite Käuferschicht begeistern. Erst im vergangenen April versuchte man das Ruder herumzureissen, indem man mit der «Mission 1» gezielt das professionelle Highend-Segment ins Visier nahm.