Schneitter zurück auf der Siegerstrasse
Bereits in der 2,8 Kilometer langen Startrunde des Herren-Rennens, reissen Sebastian Carabin (BEL/Merida-Wallonie) und Stephane Tempier (FRA/BH-Sr Suntour-KMC) eine Lücke zu den Verfolgern Grant Ferguson (British National Team) und Maxime Marotte (FRA/BH-Sr Suntour-KMC).
Doch in der ersten kompletten 5,6 Kilometer langen Runde erleidet Tempier Hinterrad-Defekt. So ist Carabin auf einmal unfreiwillig alleine an der Spitze.
«Das war nicht der Plan. Aber nachdem ich schon mal den Vorsprung hatte, entschied ich mich Vollgas zu geben», erklärt Carabin im Ziel. Natürlich ist das auf dem offenen und windigen Gelände zwischen den Ruinen von Amathous ein Handicap.
Hinter ihm, wartet Marotte kurz auf seinen Teamkollegen, nachdem der das Hinterrad getauscht hatte und dann nehmen sie die Verfolgung auf. Sie holen Grant Ferguson wieder ein, der später weiter zurück fällt und arbeiten dann gemeinsam daran Carabin einzuholen.
Zwei Runden vor Schluss ist es so weit. Sie erreichen Carabin, lassen den müde werdenden Belgier zurück und vergrössern rasch den Vorsprung. In der letzten Runde kommt es zum Show-Down zwischen den beiden Landsleuten.
«Ich habe im ersten Anstieg attackiert und habe dann alles gegeben», erklärt Tempier, wie er zum Sieg fährt. «Meine Beine waren sehr gut und es ist ein toller Start in die Saison, ich bin sehr zufrieden. Die Tage auf Zypern waren perfekt für mich.»
Landsmann Maxime Marotte passiert die Ziellinie 16 Sekunden später. «Ich hatte am Anfang Probleme und steckte dann zwischen den Verfolgern fest. Aber dann ging es besser und besser, als ich mit Stephane zusammen war. Ich habe mich sehr gut gefühlt. Am Ende war er stärker, aber nachdem ich diese Woche Antibiotika nehmen musste, kann ich sehr zufrieden sein», kommentiert Marotte. Er hatte die Medikamente wegen einer Entzündung im Finger nehmen müssen.
Auch Carabin hat Grund zum Lächeln. «Ich habe das nicht erwartet. Ich fühlte mich sehr stark, habe aber alleine im Wind viel Energie verloren. Trotzdem, verlasse ich Zypern mit einem sehr guten Gefühl. Ich mag diese Old-School-Strecken mit längeren Anstiegen», sagt Carabin, nachdem er die 30,8 Kilometer beendet hatte.
Er wird im Gesamtklassement des Cyprus-Sunshine-Cup Zweiter hinter Tempier und vor Jan Skarnitzl (CZE/Sram Mitas Trek), der den schnellen französischen Zug durch einen Reifendefekt in der ersten Runde verpasst. Trotzdem reicht es noch zu Rang vier, nachdem er Karl Markt (AUT/Haibike-Ötztal) in der vorletzten Runde distanzieren und auf Rang fünf verweisen kann. In der Gesamtwertung des Cups wird er Dritter.
Terpstra stürzt und verliert den Gesamtsieg
Als Lisi Osl (AUT/Ghost Factory Racing) im Damen-Rennen in der ersten Runde die Führung übernimmt und Olympiasiegerin Julie Bresset (FRA/BH-Sr Suntour-KMC) und Anne Terpstra (NED/Habitat MTB Team) hinter sich lässt und 25 Sekunden Vorsprung heraus fährt, da scheint alles bereit für einen Sieg der Weltcup-Gesamtsiegerin des Jahres 2009.
Niemand rechnet mehr mit Nathalie Schneitter (SUI/Rose-Vaujany). Sie liegt in der zweiten Verfolgergruppe bereits 45 Sekunden zurück. Aber als die Fahrerinnen in die dritte Runde gehen, da beginnt sich alles zu verschieben.
Schneitter schliesst zu Janka Keseg-Stevkova (SVK/Outsiterz Cycling Team) und der nachlassenden Bresset auf und geht vorbei. Im letzten Anstieg der dritten Runde, holt sie auch Terpstra ein und passiert auch die Niederländerin.
Mit nur noch acht Sekunden Rückstand auf Osl, geht Schneitter in die letzte Runde und hat als Verfolgerin der mentale Vorteil auf ihrer Seite. Kurz vor einem Anstieg, erreicht die Junioren-Weltmeisterin des Jahres 2004 ihre Konkurrentin und bevor es in den Singletrail-Anstieg hinein geht, greift sie an.
Dabei touchiert sie Osl und die muss ins Gras. Damit ist der Weg für Schneitters erster Sieg in Amathous frei.
«Das ist Rennsport, sie hatte ihre Hände am Lenker, insofern ist das okay. Ich hätte in einer solchen Situation vermutlich das gleiche gemacht, weil ich auch vor dem Anstieg vorbei gewollt hätte», nimmt Osl die Situation sportlich.
Trotzdem entschuldigt sich Schneitter, als beide die 25,2 Kilometer beendet haben. «Ich habe erwartet, dass es in der Startloop und der ersten Runde schwierig werden würde, weil ich diese Woche noch viel trainiert habe. Da ist man halt nicht so frisch. Ich musste Geduld haben und dann ging es besser und besser. Am Schluss hatte ich richtig Dampf», erklärt Nathalie Schneitter.
«Es kommt unerwartet, aber es ist grossartig schon im zweiten Rennen für das neue Team einen Sieg einzufahren.»
Auch Anne Terpstra passiert Lisi Osl. Nachdem sie im letzten Anstieg vorbei zieht, unterläuft der niederländischen Meisterin allerdings ein Fehler und sie stürzt im letzten Downhill. «So konnte Lisi wieder vorbei ziehen. Ich habe ein solches Resultat aber nicht erwartet, weil ich wegen eines Schnitts in meiner Hand die ganze Woche kein Offroad-Training machen konnte. Deshalb bin ich sehr froh mit meinem dritten Platz», so Terpstra.
Der Sturz hat aber noch eine andere Wirkung. Dadurch verliert Anne Terpstra die Gesamtwertung des Cyprus-Sunshine-Cup an Nathalie Schneitter, der das orangene Jersey, zwischen den Ruinen des altertümlichen Amathous, übergestreift wird.
Lisi Osl hat eine Schramme am Ellbogen, zieht aber ein zufriedenes Fazit. «Ich denke, ich vermisste nach wie vor die Rennhärte. Ich bin erst seit zwei Wochen wieder auf dem Bike, nach viel Training im Schnee», kommentiert sie ihre Leistung. «Heute war mein Plan, nicht zu überziehen, aber Tempo zu gehen und zu sehen, wie lange es reicht», sagte die österreichische Meisterin.
30 verschiedene Nationen und viel positives Feedback
Unter dem Strich sind Sportler aus 30 verschiedenen Nationen beim Cyprus-Sunshine-Cup 2015 beteiligt, das ist ganz nahe am Rekord von 31. «Das belegt die internationale Attraktivität», sagt Mike Hadjioannou in seiner Bilanz. Der Chef der organisierenden Agentur Bikin' Cyprus bekommt sehr viel erfreuliches Feedback für die beiden Wochenenden.
«Die Fahrer waren auch begeistert davon, dass wir hier vor der Kulisse der archäologischen Ausgrabungsstätte wieder ein Rennen fahren durften. Ich freue mich, dass wir einen so positiven Abschluss für den Cyprus Sunshine Cup erlebt haben und danke meinem Team für die reibungslose Zusammenarbeit», sagt Hadjioannou.
Er verweist auch auf die vielen ermutigenden Kommentare der Sportler zu ihrem Aufenthalt auf Zypern. «Es ist für uns und unseren Partner, die Cyprus Tourism Organisation, natürlich wichtig, das zu hören. Ich hoffe, die Athleten werden nach ihren Erfahrungen zu guten Botschaftern für unsere Insel», so Hadjioannou.