SM Marathon: Von Pleiten, Pech und Pannen
Den kuriosesten Defekt erlitt dabei wohl Thomas Spichtig: Der Schaffhauser, der auf diese Saison hin vom Schweizer Rocky Mountain-Team zu Stöckli gewechselt und damit nochmals seine Fokussierung auf Marathons unterstrichen hatte, wurde im dümmsten Moment Opfer des Defektteufels: Nachdem er mit Tempoforcings zuerst die Spitze ausgedünnt und sich dann solo abgesetzt hatte, brach ihm die Hinterachse. Dies zwang Spichtig zur Aufgabe ? immerhin dürfte er so Kräfte für die WM vom kommenden Wochenende gespart haben.
Späths Aufholjagd nach einem Kettenriss
Doch Spichtig war längst nicht der einzige Pechvogel: So hielt sich Sandro Späth souverän in der Spitzengruppe, als seine Kette riss. Weil er selbst keinen Nieter eingesteckt hatte, blieb ihm nichts anderes übrig, als auf den schnellsten seiner Teamkollegen zu warten. Bis dieser ihm mit besagtem Werkzeug aushelfen konnte und der Antriebsstrang wieder repariert war, fiel Späth ungefähr auf den zwanzigsten Rang zurück. Dass seine Form gestimmt hätte, um dem Phonak-Duo Tschopp und Moos das leben schwer zu machen, bewies Späth dann mit seiner Aufholjagd, die ihn bis auf Rang Sieben der Tageswertung respektive Rang Fünf bei den Herren Elite brachte. Auch hier gilt: WM-Hauptprobe missglückt, aber die Form scheint zu stimmen.
Henzi: Trotz Plattfuss aufs Podest
Bei den Damen betrug Andrea Huser's Vorsprung im Ziel eine halbe Ewigkeit: Über 17 Minuten trennten sie von der Zweitplatzierten Daniela Louis, mehr als 18 Minuten von Petra Henzi. Letztere konnte zu Beginn das Tempo Huser's aber sehr wohl mitgehen ? allerdings nur bis zur ersten langen, sehr steinigen Abfahrt. Da schlug der Pannenteufel zu und zwang Petra Henzi zur eigenhändigen Reparatur des Plattens am Vorderrad. Danach startete Petra Henzi zu einer eindrücklichen Verfolgungsjagd, überholte noch Fahrerin um Fahrerin und erreichte das Ziel als Dritte. Weitere Plattfuss-Opfer waren die beiden Marathon-Spezialisten Pascal Cattin und Daniel Paradis, während der amtierende Marathon-Weltmeister Thomas Frischknecht an diesem Wochenende mit dem Swisspower-Team die Mannschaftswertung beim «Swisspower Gigathlon» für sich entschied.
Abschliessend muss gesagt werden, dass die Länge der Strecke nicht ganz dem entsprach, was als Bike-Marathon gilt: Von Seiten des Weltradsportverbandes UCI wird eine Siegerzeit nicht unter Viereinviertel Stunden verlangt. Johann Tschopp benötigte als Schnellster für die 72 Kilometer und 2800 Höhenmeter aber nur drei Stunden und vierzig Minuten. Das Bild der Siegerehrung zeigt übrigens Tschopp zuoberst auf dem Podest, zwischen Christof Bischof und Christian Heule ? scheint also ganz so, als ob der Espoirs-Meister damit auch zum offiziellen Schweizermeister gekrönt worden ist. Schliesslich sieht die UCI bei Marathons keine getrennte Wertung der U23-Fahrer vor.