So versteckt Trailforks «illegale» Trails | Ride MTB

So versteckt Trailforks «illegale» Trails

Trailforks Trailmap Screenshot

Trailforks ist der Gigant unter den Biketrail-Plattformen. Doch die App zeigt dir nicht alles. Inoffizielle, unerwünschte, wilde oder schlicht illegale Trails können von Admins unterdrückt und danach nicht mehr aufgenommen werden. Der Schweizer Country-Manager erklärt, wie das funktioniert.

2019 machte Andre Trummer Bike-Ferien in Schweden. Trailforks war sein Guide, der ihn zu den Trails nach seinem Geschmack führte. «Zurück in der Schweiz merkte ich: Die Karte ist weiss – nicht weil es keine Trails gibt, sondern weil niemand sie digital erfasst hatte.» In der Region Basel zuhause begann er, Singletrails in der Nordwestschweiz zu erfassen. Der Effekt kam schnell und war heftig: «Plötzlich tauchten Mountainbiker aus Deutschland und Frankreich in Wäldern auf, die zuvor nur Einheimischen bekannt waren. An gewissen Orten führte das zu spürbar mehr Betrieb – bis hin zu Parkplatzengpässen.»

Was Andre – bürgerlich Andreas und deshalb ohne Accent auf dem E – damals schmerzhaft lernte, ist heute die Basis seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Country Manager für Trailforks Schweiz: Digitale Daten haben eine massive Hebelwirkung auf die realen Frequenzen auf den Trails. Heute fungiert er als Schnittstelle zwischen der globalen Plattform, lokalen Trail-Organisationen und Behörden. Sein Ziel: Trailforks soll nicht als Teil des Problems wahrgenommen werden, sondern als Teil der Lösung für eine legale und nachhaltige Trail-Nutzung.

Sein professionelles Know-how hilft ihm dabei: Er ist Verkehrsplaner und Spezialist für Verkehrsleitsysteme. Seit 2024 ist er zudem Vorstandsmitglied der IMBA Schweiz.

Lokale Organisationen als Partner und Nutzer von Trailforks

Für den durchschnittlichen User ist Trailforks einfach eine App, um neue Wege zu finden. Doch das, was auf dem Smartphone erscheint, ist laut Andre nur die sichtbare Oberfläche. «Hinter der Karte arbeitet ein professionelles Backend, das weit mehr kann, als Linien anzeigen: ein leistungsfähiges Werkzeug für Trail‑Verbände, Vereine und lokale Organisationen. Dort werden Gebiete definiert, Trails klassifiziert, Zustände dokumentiert und Entscheidungen getroffen, die bestimmen, was die Öffentlichkeit überhaupt zu sehen bekommt.»

«Wir wollen die Trail-Verbände ins Boot holen», erklärt er. Statt dass jeder kleine Verein ein eigenes Web-Tool für seine Karten oder Infotafeln entwickeln muss, stellt Trailforks die Infrastruktur bereit. Im Gegenzug erhält die Plattform das, was sie am dringendsten braucht: Lokale Deutungshoheit. Ein Trail-Verband kann sein Gebiet auf der Karte so darstellen, wie es von der Community vor Ort und den Behörden getragen wird.

Darüber hinaus können Trail-Trägerschaften über Trailforks den Zustand und Arbeiten an ihren Trails dokumentieren, Nutzerinnenströme auswerten, Sperrungen bekannt geben – kurz: ihre Trails verwalten. «Das Ziel ist, die Verantwortung dorthin zu geben, wo das Wissen ist – zur lokalen Community.»

Illegal oder unerwünscht heisst bei Trailforks «hidden»

Vor Kurzem war bei Ride zu lesen, Trainings-Apps und Trail-Plattformen trügen dazu bei, dass geheime oder illegale Trails promotet werden. Auf Trailforks geschieht das laut Andre Trummer nicht oder nur in einer Grauzone. Organisationen können über anonymisierte Heatmaps erkennen, wenn Biker in ihrer Region Trails fahren, die sie nicht fahren sollten – sofern sie das nicht sowieso schon wissen.

Der Country-Manager mag den Begriff «illegal» nicht. Und das nicht, weil dieser die Freiheit der Biker einschränkt, sondern weil er Trailforks in eine gefährliche Ecke treiben kann. Andre erklärt: «Trailforks beurteilt nicht die Legalität eines Trails. Die Plattform bildet ab, was lokale Organisationen als offiziell oder inoffiziell einstufen – und was sie aus Sicherheits- oder Schutzgründen verbergen möchten.» Anders gesagt: Auch wenn sich Trailforks bemüht, illegale Trails nicht anzuzeigen, ist nicht alles unbedenklich, was auf der Karte erscheint. «Wir sind keine Juristen und vermeiden das Wort ‘illegal’. Wir sprechen von wilden oder unbewilligten Trails.»

Auf Trailforks können Vereinsvertreter mit den entsprechenden Berechtigungen Trails als «unsanctioned» (inoffiziell) kennzeichnen. Das ist sozusagen die sanfte Keule: Mountainbikerinnen sehen in der App, dass sie auf einem inoffiziellen Trail fahren. Andre ergänzt: «Mit der Kennzeichnung 'unsanctioned' geben wir die Verantwortung an den Biker. In der App steht bei diesen Trails auf deutsch: 'Kein offizieller Trail, Nutzung auf eigene Verantwortung!'» Mittels eines Filters lassen sich «unsanctioned Trails ausblenden, «interessant für die, die nur offizielle Trails fahren wollen.»

Die noch schärfere Waffe ist die Kennzeichnung als «hidden Trail». In diesem Fall wird der Trail nicht auf der Karte dargestellt. Zudem fliessen Aufzeichnungen von Bikern, die einen hidden Trail gefahren sind, weder in die öffentliche Heatmap noch in individuelle Routenvorschläge ein. «Tun wir das nicht, eskaliert es in gewissen Gebieten», weiss Andre. Einzig im privaten Log kann eine Bikerin auch Fahrten auf hidden Trails festhalten, erhält aber einen Hinweis, dass die Tour einen «sensitiven Trail» enthält. Der Country-Manager weist nochmals darauf hin, dass hidden nicht gleichbedeutend mit illegal sei und was offen angezeigt werde nicht in jedem Fall ohne Zweifel legal.

«This trail is hidden from the public, you have special permissions to view hidden trails in this region. Please keep this trail info private!»

Nachricht an Trailforks Admins zu inoffiziellen Trails

Die Administration von Trailforks sei hierarchisch aufgebaut, erklärt Andre: «Neben dem Country Management gibt es kantonale, regionale und lokale Admins. Rund 50 Personen prüfen stetig, was die Schweizer Community beiträgt, und akzeptiert oder verweigert die Veröffentlichung. «Die Hierarchie dient nicht der Kontrolle, sondern der Qualitätssicherung: Je näher ein Admin am Gebiet ist, desto besser kennt er die Situation vor Ort», erklärt Andre. Wer das letzte Wort hat, hänge vom Wissen und der Erfahrung der einzelnen Personen ab, nicht jeder lokale Admin kenne die geltende Gesetzgebung im Detail, weshalb manchmal von oben eingegriffen werde. «Bisher sind wir uns immer einig geworden.»

Auf anderen Plattformen können illegale Segmente zwar gelöscht werden, tauchen aber oft wenig später wieder auf, weil sie jemand neu hochgeladen hat. Das passiert bei Trailforks nicht. Als hidden markierte Trails lassen sich nicht nochmals veröffentlichen. «Beiträge, die einem hidden Trail entsprechen, werden abgelehnt», beschreibt Andre. Einzig im privaten Log kann eine Bikerin auch Fahrten auf hidden Trails festhalten, erhält aber einen Hinweis, dass die Tour einen «sensitiven Trail» enthält.

Attraktive Trails statt Verbote

«Der Ansatz von Trailforks ist: Lenkung durch Information, statt Verbote», erklärt Andre Trummer. Auf der Karte werden in erster Linie legale und möglichst attraktive Trails angezeigt. Einzig, wenn kein lokaler Admin reagiert, werden unautorisierte Trails angezeigt. «Leider gibt es immer noch Gebiete, die ungenügend administriert werden», räumt er ein. Unerwünschte oder illegale Trails verschwinden also erst von der Karte, wenn sich jemand darum kümmert. 

Trailforks lehnt es auch ab, Wildruhezonen auf ihren Karten einzuzeichnen, achtet aber darauf, dass keine Trails angezeigt werden, die in Wildruhezonen liegen, in denen die Wegnutzung nicht erlaubt ist. «Wir wollen nicht Polizei spielen, aber wir verhindern die Multiplikation über die digitale Route.» 

Weshalb auf Trailforks trotzdem an gewissen Orten Wildruhezonen als grosse rosa Flächen erscheinen, erklärt Andre so: «Wenn trotz aller Massnahmen die Aktivitäten in einem Schutzgebiet weiter zunehmen, weisen wir diese sensiblen Zonen ausnahmsweise aus. Diese Entscheidung treffen einzig die lokalen Admins vor Ort.» Das passiere vor allem in Gebieten, in denen es zu wenige legale Trails gibt oder das Bedürfnis der Biker nicht ausreichend abgedeckt wird. 

«Trail matches a hidden trail, it will most likely be rejected!!»

Nachricht an User, die versuchen, einen illegalen Trail zu erfassen.

Macht und Verantwortung des Country Managers

Country Manager Andre hat in seiner Position eine gewisse Macht darüber, welche Trails angezeigt werden und welche nicht. Eine bis zwei Stunden pro Woche wende er auf, um neue Segmente freizugeben. Dies jeweils in Absprache mit den lokalen Vertreterinnen. Dazu arbeitet er an der Weiterentwicklung der Plattform mit.

Hin und wieder melden sich zudem Tourimusorganisationen, sei es, weil sie eine bestimmte Route auf Trailforks verzeichnet haben möchten – was er ablehnt, wenn es sich nicht um Singletrails handelt. «Der Veloweg dem Rhein entlang gehört nicht auf Trailforks.» Es habe auch schon ein Vertreter einer Destination oder Gemeinde verlangt, dass für einen Trail ein höherer Schwierigkeitsgrad angezeigt werde, um Unerfahrene abzuschrecken. «Es wurde gefordert, dass ein Trail schwarz angezeigt wird, der eher blau ist. Auch da bieten wir nicht Hand, denn da geht es um die Glaubwürdigkeit der Informationen auf Trailforks.»

Zugleich verschliesse er sich der Zusammenarbeit mit Destinationen und Behörden nicht, sofern es nicht im Konflikt mit den lokalen Bike-Interessen stehe. Dienstleistungen für Tourismus- oder Verwaltungsorganisationen führt Trummer über eine Einzelfirma aus. So trennt er sein Engagement für Trailforks von der Beratung zugunsten kommerzieller oder amtlicher Akteure.

Schwierigkeitsangaben sind ein weiteres Thema, das immer wieder Diskussionen auslöst. Andre engagiert sich auch da. Wo jemand ein Statement macht, etwa indem er einen Trail auf einer Karte einzeichnet und für diesen einen Schwierigkeitsgrad angibt, macht sich angreifbar. Der Country Manager kommt mit dieser Situation zurecht. «Es gibt sicher Kommentare zu schwarzen Expert Trails wie: 'NICHT FAHRBAR!' Es braucht Fingerspitzengefühl, um solchen Benutzern begreiflich zu machen, dass ihre Fahrtechnik nicht das Ende der Fahnenstange ist.» Trummer nimmt solche Einwände aber zum Anlass, die Klassifizierung zu hinterfragen und auch mal aus einem roten einen schwarzen Trail zu machen.

Trummer hat als Landesverantwortlicher das letzte Wort darüber, wie Trails auf Trailforks dargestellt werden. Er sieht sich aber nicht als Gebieter über die Trail-Wahrheit in der Schweiz. «Trailforks ist das Wikipedia der Singletrails. Die Plattform lebt davon, dass viele beitragen – und dass Beiträge verantwortungsvoll moderiert werden. Das macht sie so wertvoll.»