Spannende Radquer Duelle in der Altstadt von Estavayer
Das Red Bull Velodux ist kein Radquerrennen im traditionellen Sinne. Zwar trägt es die traditionellen Elemente dieses Sports in sich, fordert die Teilnehmer aber an Stellen wie sie im heutigen Quersport leider nicht mehr zu finden sind. Zudem wird das Velodux als Americaine in Zweier-Teams gefahren.
Die Strecke führt von den Ufern nahe des Hafens ins Estavayer-le-Lac über Sand, dann über die Wiese in die Altstadt. Steile Treppen hoch, über einen Step-up-Sprung tiefer ins Herzen der Altstadt, an historischen Gemäuer vorbei durch enge Gassen, über den Pumptrack und eine grosse Steilwandkurve zur Abfahrt über die 104 Stufen der Treppe. Von dieser Mutprobe geht’s wieder zurück in Start- und Zielgelände wo der Fahrer an seinen Kollegen übergibt.
Die Strecke in Estavayer ist gegenüber den modernen und schnellen Querstrecken ausgesprochen anspruchsvoll. Fotos ©Redbull Contentpool
Le-Mans-Start mit anschliessendem Chaos
Der Startschuss fällt und die Horde rennt los. Ein ordentliches Gedränge herrscht unter den Fahrern – die einen stürzen dabei sogar. 300 Meter weiter setzen die Velodux-Teilnehmer die Fahrt mit dem Quervelo fort. Von Beginn weg kämpfen die Gebrüder Flückiger, Junioren-Weltmeister im Mountainbike und Radquer Simon Andreassen mit seinem Partner Carstensen Fini (DEN) sowie das Duo mit Nicola Rohrbach und Lukas Winterberg um die Führung. Runde um Runde wechseln sie sich auf den ersten drei Positionen ab.
Nach 60 Minuten Rennzeit wird die letzte Runde eingeläutet und Rohrbach setzt den entscheidenden Angriff: Er schickt aber nicht seinen Kollegen ins Rennen, sondern fährt durch und gewinnt auf der sandigen Start-Ziel-Geraden wichtige Meter. Allerdings muss er auf der Schlussrunde zu Boden, kann nur einen kleinen Vorsprung halten. «Danach wurde es richtig hart, denn die beiden anderen Fahrer waren etwas frischer, sie kamen ja aus der Pause.» Doch Rohrbach mobilisiert erfolgreich seine letzten Reserven und fährt den Sieg nach Hause. «Gewinnen ist immer schön, aber so macht es besonders viel Spass», freut sich sein Partner Lukas Winterberg.
Zu erwähnen gilt es an dieser Stelle auch die beiden Enduro-Spezialisten Francois Bailly-Maitre (FRA) und sein Partner Florian Golay. Die beiden BMC-Piloten steuern ihre Querräder gekonnt durch die Gassen und lassen so manche Teams aus Cross-Country und Radquer hinter sich. Sie belegen den beachtlichen siebten Rang.
Das schnellste Frauen-Team ist Lara Krähemann und Sina Frei. «Die lange Treppe hinunter war extrem hart» bekennt Sina Frei, «entscheidend war, dass wir sturzfrei blieben und konstante Runden fahren konnten. So hatten wir das Rennen im Griff.»
Wie auch bei den Männern kommen die teilnehmenden Frauen aus verschiedenen Ecken des Radsports. Neben Quer- und Cross-Country-Spezialistinnen treten auch einige aus den Sparten Strasse und Enduro an. Aus Letzterer beispielsweise die Zwillinge Anita und Carolin Gehrig für die das Red Bull Velodux ihre erste Erfahrung auf dem Quervelo ist. Dafür schlagen sie sich beachtlich und erkämpfen sich auf den ungefederten Rädern den fünften Rang.
Rohrbach fährt den Sieg für sich und seinen Partner Lukas Winterberg nach Hause. Die Podeste der Rookies, Open, Frauen und Elite. Fotos ©Redbull Contentpool
Stars am Velodux
Sturzfrei zu bleiben ist das Ziel von Pascal Richard, Radquer-Weltmeister 1988 und Strassen-Olympiasieger 1996, der sich nach über 20 Jahren erstmals wieder auf ein Quer-Velo setzt. Das Teilnehmerfeld liest sich wie ein Überblick über die Disziplinen des Radsports, vertreten durch nationale und internationale Topathleten: Die Mountainbike Weltspitze ist durch die genannten Top-Teams, wie auch durch Florian Vogel, Martin Gujan und weitere Weltcup-Athleten gut vertreten. Ralph Näf fährt sein erstes Rennen als Ex-Profi, oder als Hobbyfahrer wie er sagt, im Duo mit dem Strassenfahrer Michael Albasini. Strassen-Schweizermeister Danilo Wyss ist einer von diversen weiteren Asphalt-Spezialisten am Start. Von der Bahn kommt der frischgebackene Weltmeister Stephan Küng, der mit seinem Team-Kollegen Silvan Dillier ein Team bildet.