Tortour Cyclocross – eine dreckige Premiere im positiven Sinne | Ride MTB

Tortour Cyclocross – eine dreckige Premiere im positiven Sinne

Fast 90 Athleten aus zehn Nationen stellen sich der Herausforderung – der grossen Premiere der Tortour Cyclocross in Schaffhausen. Das weltweit erste, mehrtägige Ultra-Radquer-Etappenrennen der Welt ist ganz in Schweizer Hand. Bei den Solofahrern gewinnen Lukas Winterberg und Viviane Spielmann.

Wie es sich für eine echte Radquerveranstaltung gehört, sind die Verhältnisse in der Region um Schaffhausen so richtig garstig. In der Höhe liegt Schnee, in den tieferen Lagen wurde der Boden schon die ganze Woche aufgeweicht und entsprechend schlammig ist die Strecke. Nach dem noch einigermassen trockenen Prolog am Freitag kämpfen sich die Athleten auf den 96 Kilometern der ersten Etappe am Samstag öfters tief durch den Schnee. Auch auf der 89 Kilometer langen Schlussetappe von Sonntag ist es mehrheitlich nass und schlammig.

Winterberg schnellster im Winterwetter
Schon vor dem Startschuss wurden dem Nationalmannschaftsmitglied Lukas Winterberg die höchsten Titelchancen zugerechnet. Nach seinem Sieg im Prolog untermauert Winterberg seine Favoritenrolle. Während der ersten Etappe führte er über fast 90 Kilometer. Ein Felgenbruch nur sieben Kilometer vor dem Ziel wirft ihn dann aber auf den sechsten Zwischenrang zurück. Der Sieg rückt damit ein beträchtliches Stück in die Ferne.

Der Sieg auf der ersten Etappe geht an Fabian Obrist. Winterberg hingegen liegt elf Minuten zurück. Das Podest ist für ihn zwar noch in Reichweite, aber für den Gesamtsieg ist der Rückstand nicht so locker aufzuholen. Zudem hat Winterberg mit Fabian Obrist und Silvio Büsser zwei Hartnäckige Gegner die versuchen werden mit allen Kräften dagegenzuhalten.

Doch Winterbergs Strategie geht auf: «Ich wollte erst die Gruppe splitten, damit ich Fabian und Silvio daraus lösen konnte – was mir auch gelungen ist. Bis Thayngen fuhren wir zu dritt, und dann konnte ich das erste Mal ernsthaft Gas geben und wegkommen. Ich wusste, ich muss jetzt zufahren. Ich nutzte die Aufstiege, um Zeit rauszuholen. Auf der Fläche ging das kaum, da sie ja zu zweit waren.» Winterberg forciert bis zum Schluss und kann den Vorsprung ausbauen. «Die letzten zehn Kilometer waren zwar richtig hart, aber schlussendlich hat es zuoberst aufs Podest gereicht. Der Event war ein riesiges Highlight! Das winterliche Wetter mit Regen, Schnee, Nebel und massig Dreck gaben mir den extra Kick, es war einfach der Hammer — so richtiges Radquerwetter», erklärt der glückliche Sieger grinsend.

Bei den Solo-Damen holt sich Viviane Spielmann den Premierensieg. Nach den Siegen im Prolog sowie beiden Etappen verweist sie Carina Weidler und Vicky Goodwin mit grossem Vorsprung auf die Ehrenplätze.

Thomas Frischknecht spitze im Doppel
Mit den widrigen Bedingungen kommt auch der Ex-Profi Thomas Frischknecht wunderbar zurecht. Obwohl er «nur aus Spass» mitfährt, gewinnt er in der Kategorie der Zweier-Teams zusammen mit seinem Kameraden Urs Gerig. «Aus Spass wurde Tortour. Bei diesen harten Wetterbedingungen gilt, je schneller im Ziel, desto weniger lange sind wir dem nasskalten Wetter ausgesetzt. Wir sind eigentlich ohne Ambitionen gestartet, weil wir bei der Premiere nicht wussten, was und welche Konkurrenz uns erwartet. Als sich dann heute abzeichnete, dass wir durchaus gewinnen können, wollten wir definitiv nichts anbrennen lassen und haben Vollgas gegeben», sagt Frischknecht und fügt an: «Die Bedingungen waren wirklich hart – fast grenzwertig. Ohne meinen Teampartner wäre ich die zweite Etappe womöglich gar nicht gefahren. Aber im Team, insbesondere mit einem engen Freund wie Urs, war es ein geniales Erlebnis, wir haben uns das Rennen hindurch gegenseitig motiviert und so schlussendlich auch gewonnen.»

Gelungene Premiere
Trotz den herausfordernden Wetterbedingungen mit viel Schnee und Schlamm zieht OK-Präsident Roy Bruderer ein positives Fazit: «Klar zwang die Kälte einige Fahrer zur Aufgabe – was bei so langen Etappen, wie es sie in normalen Radquer-Rennen nicht gibt, jedoch wenig überraschend ist. Die meisten Teilnehmer waren trotz der Strapazen aber vom Rennen begeistert – und wir damit zufrieden. Unser Ziel mit Tortour Cyclocross ist es, passionierten Ausdauer-Radsportlern auch im Winter eine innovative Ultra-Rennplattform bieten. Das ist uns mit dem neuen Format definitiv gelungen!»

Etwas ganz Besonderes ist bei dieser Weltpremiere auch die Stimmung unter den Athleten und Athletinnen. Die internationale Cyclocross-Community aus zehn Nationen bildet eine verschworene Gemeinschaft, in der Fairness und Freundschaft gross geschrieben wird. Kurz: Bei Tortour Cyclocross zählt nicht nur der Sieg, sondern vor allem das grandiose Winter-Radabenteuer mit Gleichgesinnten. Ein schlicht unvergessliches Erlebnis.

www.tortour.com/de/cyclocross