Vom E-Leiterwagen zum schiebenden Bike-Anhänger | Ride MTB

Vom E-Leiterwagen zum schiebenden Bike-Anhänger

eCarla Fahrrad E-Anhänger 7500 Watt

Du willst etwas mit Mobilität machen? Dann häng vorne ein E- an etwas, das schon fährt. Zum Beispiel an einen Bollerwagen. Und es gibt auch Veloanhänger mit Motor – und was für welche.

Schon mal einen schwer beladenen Leiterwagen bergauf gezogen, womöglich noch auf einem Waldweg? Ein Spass ist das nicht. Zugleich ist es sehr viel angenehmer, das Material für die Waldparty oder das Underground Bike Race in einem Karren zu bewegen, als alles zu tragen.

Eigentlich erstaunlich, dass sich diese Idee nicht schon lange ausgebreitet hat. Schliesslich gibt es bald alles mit E-, das sich fortbewegt. Im professionellen Bereich gibt es natürlich schon lange Transportwagen mit Motor. Aber für das Picknick am See oder den Shape-Tag auf dem lokalen Trail? Dafür wird jetzt der Navee E-Wagon 4X zum Thema. Ein 3000-Watt-Motor (Herstellerangabe) treibt alle vier Räder an und bewegt so bis zu 350 Kilogramm Last. Da kann sich ein Teil der Schaufler gleich noch mit in den Wagen setzen.

Vierradantrieb, 3000-Watt-Antrieb, 350 kg maximale Zuladung. Wenn das mal nicht der Endkarren ist.

Der Wagen selber lässt sich zusammenfalten und nach erledigter Arbeit oder Party platzsparend im Kofferraum verstauen. Eindrücklich ist auch die Ansage des Herstellers, der E-Bollerwagen schaffe mit 100 Kilogramm Ladung eine Steigung von 50 Prozent. Und ausserdem macht das Teil 16 km/h. Das ist flottes Lauftempo.

Nein, so richtig cool wirkt man nicht, wenn man mit dem SUV der Leiterwagen durchs Gelände holpert, wie das Video unten zeigt. Spass machts wahrscheinlich trotzdem und praktisch ist das in gewissen Situationen definitiv.

Anhänger, die schieben

Nun fragt sich die eine oder der andere vielleicht, was sie als Mountainbiker mit einem Handwagen anfangen sollen. Wo bleibt der E-Fahrradanhänger? Und siehe da, ein Trailer namens eCarla nimmt bis zu 200 Kilogramm Last auf und treibt sie mit 750 Watt Maximalleistung an. Es gibt sogar eine Offroad-Version, womit wir wieder beim Community-Trailbau wären. Alle eCarlas haben eine Auflaufbremse, helfen also nicht nur zu beschleunigen, sondern auch beim Verlangsamen und Anhalten.

Könnte ein Anhänger dann vielleicht sogar mehr, als nur sich selbst anzutreiben – nämlich auch das Fahrrad, an dem er befestigt ist? Und wäre das dann noch ein Anhänger und nicht eher ein Anschieben?

Tatsächlich gibt es ein solches Produkt, es nennt sich Electrail und stammt von einem Erfinder in Oberbayern. Er bietet seine Schubanhänger als Umrüst-Kit an, wobei lediglich das Rad mit dem Nabenmotor ausgetauscht wird. In seinem Webshop gibt es zudem serienmässige Anhänger mit dem Electrail-Antrieb. An eine Pedale kommt eine Streichholzschachtel-grosse Box namens «Pedalfunk». Diese errechnet aufgrund der Umdrehung die nötige Unterstützung und sendet den entsprechenden Befehl an den Motor. Zudem hat der Tüftler eine Gestensteuerung entwickelt: Mit gewissen Rückwärtspedal-Bewegungen kann die Person im Sattel zwischen verschiedenen Unterstützungsstufen wechseln und den Motor ein- und ausschalten. Der Bayerische Rundfunk zeigt eine Seniorin, die 50 Kilogramm schwere Honigkisten darin über Berg und Tal befördert.

In Deutschland ist so ein Anschieber erlaubt, sofern er nicht auf über 25 km/h beschleunigt. In der Schweiz hingegen nicht, wie das Astra auf Anfrage mitteilt. Hier darf der Anhänger höchstens bis 6 km/h antreiben, ist also bloss Schiebehilfe im Schritttempo. 

Aus eCarla wird Brutala

Und dann nimmt diese Recherche noch eine Wendung. Sie beginnt mit einer Anfrage an den Hersteller der eCarla. Der Mann, der das Unternehmen führt, teilt mit, er sei mit Familie aus Deutschland nach Portugal emigriert, weil sie hier mit ihren Bikes mehr Airtime erhielten, sprich, in ihrem Backyard nach Belieben Kicker schaufeln können. 

Dabei sei ihnen eine Weiterentwicklung der eCarla von grossem Nutzen. Dieser Prototyp des Offroad-Anhängers hat zwei Motoren, die je 800 Watt und rund 100 Newton leisten. Das Kraftpaket trägt familienintern den Namen den Namen «Brutala». Der sprungfreudige Erfinder beschreibt: «Sie transportiert Wasser, feine Erde, große Steine oder einfach Schaufeln, Hacken, Rechen und Gießkannen. Im Grunde ist sie eine elektrische Schubkarre – nur mit deutlich mehr Ladevolumen, Motorunterstützung und einem entscheidenden Vorteil: Sie kippt nicht um.»

Zusammenfassend: Leiterwagen und Fahrradanhänger mit Elektromotor gibt es von der Stange. In Portugal verrichtet ein superpotenter Prototyp namens Brutala seine Dienste beim Bau von Bikejumps. Und kurz vor der Fertigstellung dieses Beitrags ist mir auf einer steilen Strasse ein Paar mit einem Kinderwagen begegnet, der ein charakteristisches Summen von sich gab.