WM: Italien jubelt zum Auftakt, Schweizer glänzen beim Nachwuchs
Die Mountainbike-Weltmeisterschaften im italienischen Val di Sole haben gleich zum Auftakt zahlreiche enge Entscheidungen und mehrere bemerkenswerte Sieger hervorgebracht. Italien eröffnete die Titelkämpfe mit Gold in der Teamstaffel, Frankreich und Österreich setzten sich bei den Elite-Rennen im Short Track durch. Dazu kamen starke Auftritte der Nachwuchsfahrer, bei denen Australien und die Schweiz mehrere Medaillen holten.
Italien beendet lange Durststrecke
Den emotionalen Auftakt lieferte Italien in der Cross-Country-Teamstaffel. Juri Zanotti, Martina Berta, Fabio Bassignana, Valentina Corvi, Paolo Costa und Giorgia Pellizotti bescherten dem Gastgeber den ersten Weltmeistertitel in dieser Disziplin seit 13 Jahren. Die Schweiz holte Silber, die Vereinigten Staaten Bronze.
Italien begann offensiv. Elite-Fahrer Juri Zanotti setzte sich auf der ersten Runde leicht von Nicolas Halter ab und übergab mit wenigen Sekunden Vorsprung. Österreich versuchte es derweil mit einer ungewöhnlichen Taktik und schickte seine Männer bereits auf den ersten drei Positionen ins Rennen. Mario Bair und Junior Michael Hettegger brachten das Team damit zwischenzeitlich an die Spitze.
Doch Italien blieb dran. Paolo Costa und Martina Berta vergrösserten den Vorsprung auf die Schweiz, ehe Anina Hutter die Eidgenossen wieder näher heranführte. Die Entscheidung fiel auf der fünften Runde. Valentina Corvi fuhr die stärkste Runde des Rennens, nahm Österreichs Johanna Piringer 1 Minute und 35 Sekunden ab und verschaffte Schlussfahrer Fabio Bassignana einen komfortablen Vorsprung.
Bassignana brachte diesen ungefährdet ins Ziel und liess sich von den heimischen Fans feiern. Die Schweiz erreichte das Ziel 51 Sekunden später, die Vereinigten Staaten folgten mit 1 Minute und 31 Sekunden Rückstand. Österreich zahlte für die offensive Startstrategie und fiel auf den sechsten Rang hinter Kanada und Dänemark zurück.
Das italienische Team widmete den Sieg Chiara Teocchi, die sich nach ihrem Sturz beim Weltcup in La Thuile noch in der Genesungsphase befindet.
Grossmann dominiert von Beginn weg
Am Donnerstag standen zunächst die Cross-Country-Rennen der Junioren auf dem Programm. Bei den Frauen liess die Schweizerin Anja Grossmann keinen Zweifel daran, wer an diesem Tag die stärkste Fahrerin war. Die 17-Jährige übernahm von Beginn weg die Kontrolle und führte das Rennen praktisch vom Start bis ins Ziel an.
Einzig Barbora Bukovska aus Tschechien konnte zu Beginn mithalten. Nach einer Runde musste aber auch sie abreissen lassen. Grossmann vergrösserte ihren Vorsprung kontinuierlich und fuhr souverän zum Weltmeistertitel. Bukovska sicherte sich mit 48 Sekunden Rückstand Silber, die Französin Agathe Vauchamp folgte 1 Minute und 29 Sekunden dahinter auf Rang drei.
Für Grossmann ist es bereits der zweite grosse Titel der Saison. Zuvor hatte sie in Monteceneri die Europameisterschaft gewonnen. Dass die junge Schweizerin nicht nur auf dem Mountainbike zu den grössten Talenten gehört, hatte sie bereits 2025 gezeigt, als sie bei der Strassen-Weltmeisterschaft in Kigali Bronze holte.
Wright fährt Europas Junioren davon
Bei den Junioren setzte sich Connor Wright eindrücklich durch. Der Australier bestimmte früh das Tempo und liess die europäische Konkurrenz bereits in den ersten Runden hinter sich. Zu Beginn versuchten mehrere Fahrer, darunter Michael Hettegger und Mathieu Ghibaudo, seinem Hinterrad zu folgen. Doch Wright verschärfte das Tempo weiter und setzte sich entscheidend ab.
Nach fünf Runden erreichte er das Ziel mit 1 Minute und 16 Sekunden Vorsprung auf den Österreicher Michael Hettegger. Der Schweizer Marwan Barhoumi kämpfte sich aus einer hinteren Position nach vorne und sicherte sich mit 1 Minute und 43 Sekunden Rückstand die Bronzemedaille.
Wright gehört ebenfalls zu jener Generation junger Fahrer, die erfolgreich zwischen verschiedenen Radsportdisziplinen wechseln. Der Australier steht vor dem Wechsel ins Nachwuchsteam von Tudor Pro Cycling.
Boichis bestätigt seine Hochform
Am Nachmittag gehörte die Bühne den Short-Track-Rennen. Bei den Elite-Männern unterstrich Adrien Boichis seine aktuelle Ausnahmestellung. Der 23-jährige Franzose hatte wenige Tage zuvor beim Weltcup in Les Gets Mathieu van der Poel geschlagen und bestätigte seine starke Form nun auch auf WM-Niveau.
Frankreich kontrollierte das Rennen mit Boichis, Luca Martin und Mathis Azzaro beinahe nach Belieben. Einzig der Brite Charlie Aldridge konnte sich dauerhaft zwischen die französische Übermacht schieben. Im letzten Umlauf setzte Aldridge insbesondere an den Anstiegen unter Druck, doch Boichis blieb dran und entschied den Sprint auf der Zielgeraden für sich.
Aldridge gewann Silber, Luca Martin komplettierte als Dritter das Podest. Für Boichis ist Val di Sole ohnehin ein besonderer Ort. Bereits 2021 hatte er hier sowohl in der Teamstaffel als auch bei den Junioren einen Weltmeistertitel gewonnen.
Stigger schlägt Richards im Fotofinish
Noch knapper fiel die Entscheidung bei den Elite-Frauen aus. Laura Stigger setzte sich nach einem hochspannenden Rennen im Fotofinish gegen die Britin Evie Richards durch. Sina Frei holte für die Schweiz Bronze.
Das Rennen blieb bis weit in die Schlussphase offen. Jenny Rissveds bestimmte über weite Strecken das Tempo an der Spitze. Eine Unachtsamkeit von Ronja Blöchlinger hatte zwischenzeitlich auch Auswirkungen auf Titelverteidigerin Alessandra Keller, die dadurch Zeit verlor und zu einer Aufholjagd gezwungen wurde.
In der letzten Runde übernahm Richards die Führung. Die Britin kam als Erste aus der letzten entscheidenden Passage, doch Stigger zog auf der Zielgeraden nochmals vorbei und schob ihr Vorderrad im letzten Moment nach vorne. Für die 26-jährige Österreicherin ist Val di Sole ein gutes Pflaster. Bereits beim Weltcup 2023 hatte sie hier ein Short-Track-Rennen gewonnen.
Die Halters schreiben Familiengeschichte
Für einen der aussergewöhnlichsten Momente der bisherigen Weltmeisterschaften sorgten Nicolas und Monique Halter. Die Schweizer Geschwister gewannen innerhalb kurzer Zeit beide den Short-Track-Weltmeistertitel in der Kategorie U23.
Nicolas Halter musste sich bis auf die letzten Meter mit dem Deutschen Paul Schehl auseinandersetzen. Das Duo setzte sich gemeinsam ab und entschied den Titel im Sprint. Halter behielt die Oberhand, Schehl gewann Silber. Bronze ging an Rens van Manen Teunissen aus den Niederlanden.
Wenig später machte Monique Halter das Familienmärchen perfekt. Das Rennen der Frauen blieb lange kompakt, ehe die Schweizerin zwei Runden vor Schluss attackierte. Bethany-Ann Jackson aus Grossbritannien und Makena Kellermann aus den Vereinigten Staaten konnten nicht mehr folgen. Halter brachte ihren Vorsprung ins Ziel und holte ebenfalls das Regenbogentrikot.
Damit entwickelte sich der zweite Wettkampftag im Val di Sole zu einem aussergewöhnlich erfolgreichen Tag für die Schweiz: Gold durch Grossmann sowie Nicolas und Monique Halter, dazu Bronze durch Barhoumi und Frei. Bereits tags zuvor hatte die Schweizer Mannschaft Silber in der Teamstaffel gewonnen.
Nun wartet die Black Snake
Auf der legendären «Black Snake» haben die Downhill-Fahrer in der Qualifikation erstmals die Karten auf den Tisch gelegt. Bei den Elite-Männern sorgte Lachlan Stevens-McNab für die Bestzeit. Der Neuseeländer setzte sich in 3 Minuten und 34,010 Sekunden knapp vor Landsmann Oliver Davis und dem kanadischen Titelverteidiger Jackson Goldstone durch. Weltcup-Leader Jordan Williams wurde Siebter, Troy Brosnan belegte Rang 14 und Amaury Pierron Rang 20.
Bei den Elite-Frauen setzte Lisa Baumann ein starkes Ausrufezeichen. Die Schweizerin fuhr in 4 Minuten und 2,591 Sekunden die schnellste Zeit und verwies Harriet Harnden aus Grossbritannien sowie die vierfache Weltmeisterin Valentina Höll aus Österreich auf die nächsten Plätze. Marine Cabirou wurde Achte.
Auch bei den Junioren zeigten mehrere Medaillenkandidaten ihre Form. Jonty Williamson aus Neuseeland war bei den Männern der Schnellste, der Schweizer Noé Forlin fuhr auf Rang drei. Bei den Frauen setzte die Dänin Rosa Jensen die Bestzeit.
Die Entscheidung fällt am Samstag. Dann werden auf der technisch anspruchsvollen und traditionell schwer berechenbaren Black Snake die vier Downhill-Weltmeistertitel der Elite und Junioren vergeben.
Medaillenspiegel WM 2026
- Schweiz: 3 Gold, 3 Silber, 2 Bronze
- Österreich: 2 Gold, 1 Silber, 1 Bronze
- Frankreich: 2 Gold, 3 Bronze
- Italien: 1 Gold
- Australien: 1 Gold
- Grossbritannien: 3 Silber
- Tschechien: 1 Silber
- Deutschland: 1 Silber
- Vereinigte Staaten: 2 Bronze
- Niederlande: 1 Bronze