Zirkus Maximus im Rennsport | Ride MTB

Zirkus Maximus im Rennsport

In der heutigen Zeit scheinen Singletrails, Schotter und Wiesenpassagen nicht mehr für eine Cross-Country-Strecke zu reichen. Immer häufiger werden die Strecken mit künstlichen und teilweise gefährlichen Hindernissen gespickt. Zahlreiche Stürze von guten Fahrern geben Anlass zur Diskussion.

In den früheren Jahren war der Aufwand, eine Cross-Country-Rennstrecke auszustecken mehr oder weniger gering, da bauliche Massnahmen nicht nötig waren. Das Weltcup-Rennen im Schottischen Fort William war eines der ersten welches auf einer nahe zu 100 Prozent gebauten Strecke stattfand. Brücken, Stege, Steingärten, Anliegerkurven und kleine Wellen gab es damals zu überwinden. Heute, zehn Jahre später hat dieses Modell Schule gemacht und wurde noch gesteigert – nicht immer zur Freude der Fahrer – das Publikum bekommt jedoch viel geboten. Dies teilweise zum Leidwesen der Fahrer. Manche Passagen und Sprünge sind so angelegt, dass man bei einer anderen Linienwahl teilweise rennentscheidende Zeiteinbussen in Kauf nehmen muss. Bei der direkten Linienwahl oftmals viel Risiko.

Sprünge und Steingärten sorgen für Spektakel, fordern aber auch Opfer. Beim Weltcup im tschechischen Nove Mesto stürzt Olympiasieger Jaroslav Kulhavy mitten in einem Steingarten und fällt deswegen zurück. Weitere Athleten hatten an verschiedenen Rennen weniger Glück. Diesbezüglich kommen einige Fragen auf. Müssen die heutigen Cross-Country-Fahrer springen können? Muss jede Rennstrecke künstlich angelegte Steingärten beinhalten? Bieten die sonst schon spannend gewordenen Rennen zu wenig Spektakel? Nationaltrainer Bruno Diethelm spricht klare Worte: «Sprünge sind oft eine Mutsache. Man kann solche in eine Strecke einbauen, muss aber nicht unbedingt sein. Was mich wirklich stört sind die übermässigen Steingärten. Es gab Rennen wo man die Steine noch kantig angeordnet hat. Das ist meiner Meinung nach viel zu gefährlich. Man könnte mit weniger gefährlichen Bauten, gleichviel Attraktivität erreichen. Im allgemeinen kann es nicht sein, dass Fahrer stundenlang vor schwierigen Passagen rätseln, ob sie im Rennen ohne Sturz durchkommen oder nicht.»

Gemischte Meinungen der Rennfahrer

Nichts gegen künstlich angelegte Steingärten hat Schweizermeisterin Katrin Leumann: «Steingärten gehören dazu, sie vermitteln dem Fernsehpublikum die Schwierigkeiten der Strecken, was gerade im Weltcup wichtig ist. Sprünge finde ich ebenfalls ok, solange sie gut und sicher gebaut sind. Dennoch sollten sich die Streckenbauer bewusst sein, dass wir keine Protektoren tragen und nicht mit Downhillbikes die Rennen bestreiten.»

Fabian Giger, der zu den weltbesten Cross-Country-Fahrern gehört, äussert sich im allgemeinen kritisch über künstlich angelegte Strecken: «Wenn man sich das Springen nicht gewohnt ist, wird es gefährlich. Das mag für die Zuschauer spektakulär sein, für die Fahrer aber weniger. Man würde besser die Strecken schwieriger gestalten indem man zum Beispiel mehr Wurzelpassagen einbaut. Auch gegen natürliche Steingärten habe ich nichts. Momentan scheint es mir, als liefern sich einige Streckenbauer ein Rennen, wer die schwierigste Strecke baut. Ich hoffe schwer, dass dies nicht ausartet. Ich bin der Meinung man sollte besser auf natürliche Strecken setzen und die dort vorhandenen Schwierigkeiten nutzen.»

Fakt ist, auch wenn alle Fahrer solche Passagen und Sprünge beherrschen, je extremer die Strecken werden, desto grösser werden die Folgen, sollte es doch einmal zu Stürzen kommen. Stürze gab es schon immer und wird es immer geben, dennoch gilt es sich auf Seiten der Veranstalter und Verbände zu überlegen, ob man die Rennfahrer noch grösseren Risiken aussetzen will. Die Cross-Country-Rennen sind zurzeit so attraktiv und spektakulär wie nie zuvor. Steigerungen sind immer willkommen – einen Zirkus Maximus wie im alten Rom braucht es dazu jedoch nicht.

 

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Dieser spektakuläre Sturz ging zum Glück glimpflich aus.

©Ego-Promotion - Armin Küstenbrück