Bike-Dealer drücken die Schulbank
Einen Startschuss zur Weiterbildung gibt der Schweizer Shimano-Distributor Fuchs-Movesa ab. Das Branchen-Schwergewicht – auch als FuMo bezeichnet - ist als Service-Partner von Elektrobike-Antriebs-Marktführer Bosch tätig und lädt dazu die Schweizer Fachhändler ein, die Schulbank zu drücken. Von Oktober bis März steigen in der Deutschschweiz, der Romandie und dem Tessin dutzende ganztägige Seminare, bei denen erfahrene Bosch-Mitarbeiter den Fachhändlern den neuesten Schliff verpassen.
Hunderte von Fachhändlern lassen sich in der Wintersaison bei Bosch in der Weiterbildung zum Spezialisten ausbilden.
Darüber reden, wo der Schuh drückt
Bei der Bosch-Weiterbildungsrunde 2015/2016 steht das Thema Online-Diagnosetool, individuell gestaltete Serviceprotokolle- und Intervalle weit oben und das funktionspralle Display Nyon bildet einen Schwerpunkt. Am wichtigsten ist aber, dass Fachhändler einen direkten, persönlichen Draht zum E-Bike-Marktführer bekommen und Fragen stellen können. «Weshalb kann man das Nyon-Display nur ganz ersetzen und nicht reparieren, wenn bloss die Halterung defekt ist?» - solche und noch zahlreiche Fragen mehr, die während der Saison für rote Köpfe sorgten, können endlich gestellt, und mal mehr oder mal weniger befriedigend beantwortet werden. Aus diesen Seminaren nimmt auch der Hersteller neues Wissen mit, das sich nicht selten in der Verbesserung der Produkte, Anwendungsvorschriften oder Abläufe niederschlägt.
Bei Fuchs-Movesa ist übrigens mit Bosch nicht Schluss beim Weiterbilden. Auch für das Shimano-Elektrovelo-Antriebssystem Steps geht der Anbieter auf Achse und empfängt die Fachhändler in drei Landesteilen auf drei Sprachen zum Wissenstransfer. Für die Fox-Federelemente, die auch bei FuMo im Angebot sind, gibt es ebenfalls Kurse für Einsteiger und Fortgeschrittene.
Wissen ist Macht
Besagte Fuchs-Movesa ist selbstverständlich nicht das einzige Unternehmen, dass die Händler die Schulbank drücken lässt. Denn auch zahlreiche weitere Distributoren und Hersteller umsorgen die Händler, damit diese auf den neuesten Wissensstand kommen. Hier ein paar Beispiele - ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
Zahlreiche Bike-Hersteller- und Distributoren nuzten gerne sogenannte Vororder-Termine - ein spätsommerliches Treffen zwischen Lieferant und Händler, um die Neuigkeiten des kommenden Modelljahrs zu zeigen und die Bestellung vorzubereiten - um auf neue Produktmerkmale hinzuweisen und direkt zu schulen.
Beim Anbieter Velok können Fachhändler diesen November eine Schulung besuchen, bei der rund um die Sicherheitsstufen bei den Humpert-Komponenten informiert wird und die Neuheiten des Lichtexperten Busch + Müller im Detail geschult werden.
Auch betriebswirtschaftliche Themen und Marketing-Aspekte sind für Fachhändler zugänglich. So schult diesen Winter beispielsweise der à la carte-Velobauer TDS Rad AG seine Händler, wie man mit Erfolg das individuelle Velo noch besser verkauft.
Ein zentrales Anliegen von Sram-Distributor Amsler + Co: Den Fachhändler mit Kompetenz und Fachwissen ausstatten, hier beim 2104er «Tech+Ride-Camp» in Lenzerheide.
Beim Distributor Amsler + Co. ist die Weiterbildung der Händler nicht nur Pflicht, sondern diese Disziplin wird zur Kür erhoben. So lädt der Sram-Distributor seine Händler alljährlich in ein «Tech+Ride»-Seminar ein, in dem der Wissenstand aufs neueste Niveau erhoben wird und der Erfahrungsaustausch zwischen den Händlern sowie der gesellige Teil nicht zu kurz kommt.
Auch Einladungen zur Weiterbildungsreise ins nahe Ausland erreichen die Schweizer Fachhändler. So wird bespielsweise der Cannondale-Dealer zum Lefty-Seminar in Freiburg im Breisgau eingeladen. Oder Schwalbe macht ebenfalls Halt in Südbaden und bringt den Teilnehmern der Roadshows alles bei, was es über neue Reifentechnologien zu wissen gilt.
Höhepunkt im Januar
Die Schulungssaison der Velohändler erreicht ihren Höhepunkt traditionsgemäss im Januar: Jeweils rund 600 Fachhändler und 200 Mitarbeiter aus der Distributions- und Herstellerszene treffen sich im AAL, dem Armee Ausbildunszentrum in Luzern. Der Branchenverband Velosuisse lädt kurz nach dem Jahreswechsel zur Infotech – und zahlreiche Seminare locken dazu, das Wissen im technischen und betriebswirtschaftlichen auf Vordermann zu bringen.
Beim Branchenstelldichein Infotech dreht sich alles um Know How und Wissensvorsprung.
Die Seminarräume im AAL, die an Schulzimmer erinnern, eignen sich für Gruppengrössen von circa 15-50 Personen. Die für viele Teilnehmer längst vergangene, aber wohl bekannte Athmosphäre aus Schulzeiten verlockt die Referenten stets zum Frontalunterricht, Zuhören ist angesagt.
In diesen Infotech-Seminaren holt sich der Fachhändler Tipps, wie die Federgabel zu tunen ist, die Bremse zu entlüften oder mit drei Laufradgrössen im Verkauf umzugehen ist. Aus den dutzenden Workshops kann er sich während zwei Tagen genau die Mixtur an Themen zusammenstellen, die er bei der Arbeit im Fachgeschäft anwenden kann. Das Resultat ist allermeist, das der Bike-Dealer in der Werkstatt mit den neuesten Tricks und Tipps ausgestattet ist und den Kunden bestens beraten kann.
Sendet wichtige Signale in die Fahrradbranche: Die Podiumsdiskussion an der Infotech-Weiterbildung.
Must be there: Infotech
Auch hat sich die Infotech als Szenetreffpunkt etabliert, die wichtige Inputs oder gar Richtungswechsel für die gesamte Branche etabliert. So wurde im Podiumssaal in einer Diskussion beispielsweise die Velobranche mit der Automobil- oder Fahrradbranche verglichen und daraus abgeleitet, wo die Velohändler Potential haben, sich professioneller aufzustellen und zu präsentieren. Auch wurde folgenreich darüber im Podium diskutiert, dass sich Velohändler mit deren tiefen Stundeansätzen unter ihrem Wert verkaufen.
Ausländischer Blick auf das Schweizer Ausbildungsniveau
Übrigens: Die Weiterbildungsplattform Infotech wird von deutschen Fahrradhändlern neidisch beobachtet. Die Händler im grossen Kanton haben in der Winterzeit quer durch die Republik zu gondeln, um sich das Wissen zu beschaffen. Der zentrale Wissenstransfer wie an der Infotech fehlte lange in Deutschland. Doch die Messemacher der Eurobike springen seit diesem Jahr in die Bresche: mit der Eurobike Academy steigt seit 2015 auch in Deutschland eine zentrale Weiterbildungsveranstaltung, die sich ganz und gar an der Schweizer Infotech orientiert.