Das Trailcenter am Luzerner Stadtrand ist ein Schrittchen weiter
Es sind definitiv dicke Bretter, die jene zu bohren haben, die im Bireggwald ein kleines Trailnetz bauen wollen. Stadt und Kanton Luzern sowie die Gemeinde Horw haben schon vor Jahren bekannt gegeben, dass sie das Projekt realisiert sehen wollen, damit am kleinen Hügel an der Grenze der beiden Gemeinden das Mountainbiken in geordnete Bahnen gelenkt wird und – so die Hoffnung – Ruhe einkehrt.
2022 äusserte Andy Stalder, Präsident von Mountainbike Luzern und der Imba Schweiz die Hoffnung, dass 2023 mit dem Bau begonnen werden könne. «Mit Einsprachen von bis zu 30 Seiten wurde das Projekt aufgehalten», erzählt er. Auf diese hätten sie mit Stellungnahmen an die Einsprechenden reagiert, die darauf wieder ihre Vorwürfe geltend machten, erzhält der Mountainbike-Vertreter.
Kritische Fragen zu solchen Vorhaben gehören zum Geschäft, nicht zuletzt für Lokalpolitiker, die die Interessen des Umweltschutzes vertreten. Der Grüne Urs Steiger hat als Horwer Einwohnerrat (Parlamentsmitglied) eine Interpellation mit 13 Fragen an den Gemeinderat eingereicht. Diese bieten einen Überblick über die Einwände, die Gegner des Projekts schon als Einsprachen nach Veröffentlichung der Pläne geltend gemacht haben. Die Interpellation und die Antworten liegen Ride vor.
Im Wesentlichen stellt Steiger die Grössenordnung mit vier Abfahrten und zwei quer dazu verlaufenden Rundwegen infrage und befürchtet, dass dadurch zusätzlich zu den lokalen Mountainbikern auch solche von ausserhalb angezogen werden könnten. Er will auch wissen, wie die anderen Nutzungsgruppen in die Projektierung einbezogen worden sind und scheint an der angemessenen Abwägung der verschiedenen Interessen zu zweifeln. Zudem sorgt er sich um den Lebensraum der Tiere im Bireggwald und scheint sich daran zu stören, dass künftig kommerzielle Bike-Guides gegen Bezahlung Gäste über die öffentlichen Trails im Bireggwald führen könnten sowie an der Tatsache, dass es einzelne von ihnen unter den Initianden des Projekts zu finden sind.
Klare Antworten der Gemeinde Horw
Die Antworten des Horwer Gemeinderats lassen keinen Zweifel daran, dass er überzeugt ist, mit der noch ausstehenden Baubewilligung für das Projekt (und dessen finanziellen Unterstützung) das Richtige zu tun. Gebikt wird auch ohne offizielle Strecken, aber halt im totalen Wildwuchs. Die anderen Nutzenden sind in einem halben Dutzend Veranstaltungen informiert und zur Kenntnis genommen worden. Auf Konflikte sind die Gemeinden und der Kanton vorbereitet, die Frequenzmessung läuft bereits und ein Nutzungsziel oder ein Nutzungsmaximum ist nicht Teil des Vorhabens. Für den Gemeinderat steht zudem fest, dass die Wildtiere schon lange mit der Situation im nicht nur von Mountainbikenden intensiv genutzten Naherholungsraum Bireggwald leben müssen und dass sich daran nichts ändert, wenn illegale Singletrails durch legale ersetzt werden.
Dass Bike-Guides auf den öffentlichen Trails Fahrtechnikkurse anbieten und damit Geld verdienen ist für die Gemeinde-Exekutive kein Problem. Wieso auch? Das tun Wanderleiter und Auto-Fahrlehrerinnen genau so. Wenn sie dafür bezahlen, dann über Einkommens- oder Gewinnsteuern, und nicht für die Nutzung von Wegen oder Strassen. Auf den unterschwellig mitgelieferten Verdacht, es könnten sich Guides mit dem Projekt auf Kosten der öffentlichen Hand eine Einkommensgrundlage schaffen, geht die Horwer Exekutive gar nicht erst ein. Sollte jemand einen Business Plan haben, der auf dem Trailnetz im Bireggwald beruht, braucht er einen langen Atem, bis er zum ersten Mal Umsatz generieren kann.
Andy Stalder interpretiert die Antworten als Hinweis darauf, dass die Gemeinde Horw dem Baugesuch zustimmen wird. Der Entscheid werde nach der Sommerpause zugestellt. Dagegen kann dann noch rekurriert werden. «Wenn wir Glück haben, nehmen die Gegner des Projekts die überaus klaren Antworten der Gemeinde als Zeichen dafür, dass ihre Einsprachen erfolglos sein werden und nur Geld kosten.» Aber der Bike-Lobbyist macht sich keine Illusionen.
Rekurse sind zu erwarten – vielleicht bis vor Bundesgericht
Einsprachen gegen den Entscheid der Gemeinde Horw würden vom Verwaltungsgericht behandelt, das sich wieder mit den Fragen befassen müsste, die die Gemeinden soeben beantwortet haben. Ein halbes Jahr schätzt Stalder, wird es dauern, bis diese Instanz urteilt. «Wenn die Gegner diesen Entscheid vors Bundesgericht ziehen, sind es weitere eineinhalb Jahre», rechnet er vor, der auch als Architekt Erfahrung mit Baubewilligungsverfahren hat.
Geht ihm und seinen Mitstreiterinnen nicht langsam der Schnauf aus? «Hätten wir nur dieses Projekt, dann vielleicht schon. Aber nein, es tut sich so viel auf allen Ebenen und es gibt immer wieder irgendwo einen Erfolg.» Er gibt ein Beispiel: Im September nehmen die anderen Nutzergruppen Stellung zur Mountainbike-Strategie des Kantons Luzern. Stalder ist als Bike-Vertreter in der Arbeitsgruppe, die die Strategie formuliert hat. «Jene Organisationen, die im Echoraum Stellung nehmen können , sind am kürzeren Hebel», ist er überzeugt und fügt an: «Für die Planung und den Bau von Velorouten für die Freizeit, sprich von Mountainbikerouten, ist der Kanton mit dem Eidgenössischen Veloweggesetz verpflichtet.»
Ziel der Strategie ist unter anderem, dass Projekte wie jenes im Bireggwald in Zukunft schneller bewilligt werden können. Doch auch Andy Stalder weiss: «Schnell geht es nur, wenn touristische Entscheidungsträger dahinter stehen. In den Naherholungsräumen der Städte wird es immer zäh bleiben.»