Die Basler Velomesse Twoo ist Geschichte, Teil 2 | Ride MTB

Die Basler Velomesse Twoo ist Geschichte, Teil 2

Mit der fünften Ausgabe stand die Fahrradschau Twoo bereits sichtbar im Abseits – nicht nur räumlich auf dem Messegelände, auch der Rückhalt durch die Aussteller war vor, während und nach dem Anlass stark rückläufig. Vier Monate nach der Twoo 2012 gibt der Veranstalter Fairmeetings AG bekannt, dass das Projekt Twoo abgebrochen wird.

Nach der für eine Velomesse ungewöhnlichen Dauer von zehn Tagen im Jahr 2011, geht der Veranstalter auf die Wünsche der Aussteller ein: Die Messedauer wird verkürzt und die Twoo 2012 geht an zwei Wochenenden im April über die Bühne. Der Anlass rutscht vom Februar ins Frühjahr – womit der Zeitpunkt verloren geht, der von Ausstellerseite als passend bezeichnet wurde, um die Velosaison früh zu lancieren. Vom bisherigen Messetermin im Februar war abzurücken, da durch Bauaktivitäten der Messe Schweiz in Basel erst zum Frühling 2012 hin genügend Aussteller-Flächen zur Verfügung gestanden haben. Für die in den früheren Jahren zahlreich vertretenen lokalen Händler ist der Termin im April auf der ungünstigen Seite, da dann das Frühjahrs-Tagesgeschäft auf Hochtouren läuft.  

2012: Twoo steht im Abseits
Erstmals kann die Twoo, durch den späteren Termin nicht mehr auf Kollisionskurs mit dem Prestige-Anlass Baselworld, in der Halle 1.0 durchgeführt werden. Das moderne und helle Ambiente des neuen Austragungsortes verkommt jedoch zur Besucherfalle. Durch die Bauaktivitäten für eine neue Messehalle gerät der Weg zum Eingang der Twoo-Halle zum Spiessroutenlauf und selbst Ortskundige mussten sich den Weg zur Velomesse zeigen oder erklären lassen. Dieses Manko erkennend hat der Veranstalter nachträglich die Signalisation zur Halle angepasst. Doch die Besucherführung auf dem Messeplatz war derart chaotisch durch die grosse Baustelle, dass der Velointeressierte den Weg zur Twoo weiterhin zuverlässig verpassen musste.  

Erstmals hatte sich die Basler Veloausstellung wegen dieser Abseits-Stellung ohne Rückendeckung der Publikums-wirksamen Muba-Messe zu behaupten. Waren im Zug der Muba noch in den Vorjahren mehrere zehntausende Besucher in die Hallen geströmt, hinterliess die Twoo 2012 ein tristes Bild, der äusserst starke Rückgang der Laufkundschaft war augenfällig.

Aussteller bekunden Unzufriedenheit
Da sich die Aussteller mit den guten Besucherzahlen der Vorjahre an die fünfte Twoo locken liessen, war an den Ständen der Aussteller ein grosser Unmut über den diesjährig äusserst schwachen Besucherstrom spürbar. Die hohen Standgebühren seien beim geringen Publikumsaufmarsch nicht gerechtfertigt, war bei mehreren Ausstellern zu hören. Dieses Argument liess der Veranstalter dann auch gelten, und machte den Austellern eine Gutschrift für die Standgebühren.  

Der Veranstalter Fairmeetings AG liess nach der Messe durchblicken, dass es sich nicht bewährt habe, auf die Ausstellerwünsche einzugehen. Mit dem neuen Messestandort in der Halle 1 war der gewünschte grosse Testparcours möglich, doch die unmittelbare Nähe zum Publikumsmagneten Muba ging verloren und damit auch die zahlreiche Laufkundschaft.  

Vollständiger Fokus auf Elektromobilität kann den Anlass nicht retten
Um den Fortbestand der Twoo breit abzustützten formulierte der Projektleiter Raphael Oerer im Vorfeld des Anlasses Pläne für eine tragende Rolle der Messe im Elektromobilitätsmarkt. Der Veranstalter beabsichtigte die Gründung einer Interessensgemeinschaft, um die Teilnehmer der Twoo sowie weitere Marktteilnehmer im Bereich Elektrovelo miteinander zu vernetzten. Während einer im Rahmenprogramm der diesjährigen Twoo stattfindenden E-Bike-Fachtagung erläuterte Oerer nochmals dieses Konzept, welches bei den Tagungsteilnehmern jedoch durchfiel.

Diskutiert wurde jedoch der Ansatz, für die Basler Velomesse aus den Reihen der E-Bike-Branche einen Beitrat zu bestellen. Dieser Beirat, bestehend aus Branchenvertretern und Ausstellern, sollte die Geschicke der Messe auf neue Bahnen leiten und den Fortbestand sichern. Um die Besetzung des Beirats wurde es nach dem Abschluss der Messe jedoch ruhig und der Twoo-Projektleiter Oerer verliess den Arbeitgeber Fairmeetings AG kurz nach der Twoo 2012.  

Geringes Interesse aus der Branche
Um die Zukunft der Basler Velomesse zu diskutieren, lud der Veranstalter die Aussteller sowie Medienvertreter für den 23. August 2012 zu einem Twoo-Workshop nach Winterthur ein. Dieses Treffen musste jedoch abgesagt werden, da das Interesse gemäss Yasmine von Hassler, bei der Fairmeetings AG neu für die Fahrradmesse zuständig, sehr gering ausgefallen sei. Von Hassler berichtet in einem Schreiben an die Interessenten des Twoo-Workshops: «Einige der Firmen, die beim Debriefing im Juni in Basel noch ihr Engagement für die Twoo zugesagt haben, sind heute nicht mehr bereit, sich weiter dafür einzusetzen, und haben sich kurzfristig zurückgezogen. Telefonische Recherchen in der Branche haben ergeben, dass das allgemeine Interesse, die Messe weiterzuführen, gering ist».  

Für den Veranstalter eröffnet sich nur eine Möglichkeit und von Hassler berichtet am 17. August 2012, vier Monate nach der fünften Twoo-Messe: «Deshalb bleibt uns leider nur eine Konsequenz: Wir brechen das Projekt Twoo ab».  

Von Hassler betont gegenüber Ride, dass zwischen der Messe Schweiz und der Fairmeetings AG keinerei Unstimmigkeiten bestünden und dass man es an beiden Stellen bedauere, dass der Anlass nicht in eine weitere Zukunft geführt werden könne. Weiter betont von Hassler, dass die Muba in Basel weiterhin eine interessante Plattform für die Zweiradbranche darstelle.  

Velomessen-Landschaft Schweiz
Obwohl die Twoo 2012 beim Publikum durchfiel, konnte die parallel stattfindende Muba mit circa 300'000 Eintritten die Besucherzahlen konstant auf dem Vorjahresniveau halten. Der Messe Schweiz bricht mit der Aufgabe des Twoo-Projekts kein nennenswerter Beitrag zum Publikumsaufmarsch während der Muba weg.  

Das Velo-begeisterte Publikum aus der Schweiz und dem nahen Ausland wird vermutlich wie bisher zahlreich an den Bike Days in Solothurn erscheinen. Das bewährte Konzept des Veranstalters FAF AG sowie der Rückhalt des Branchenverbands Velosuisse wird ohne Zweifel wiederum dazu beitragen, einen Pflichtermin für die Branche wie für das Velo-affine Publikum in die Agenda einzutragen. Auch wittert die FAF AG für deren Hauptanlass freestyle.ch im Jahr 2012 erstmals die Chance, Bike-affines Publikum sowie Aussteller aus der Schweizer Velobranche mit Dirtjump-Wettkämpfen auf die Landwiese zu locken.  

Neben den Bike Days in Solothurn stehen mit dem Testride in Lenzerheide oder dem Bike Test in Gryon noch weitere Anlässe zur Verfügung, um Fahrräder aus allen Sparten zu bestaunen und zu testen. Mit dem Ende der Twoo im Jahr 2012 ist nun das Vorhaben gescheitert, eine Messe zum Erfolg zu führen, die vollkommen auf Elektromobilität fokussiert. Und das, obwohl das Elektrovelo weiterhin den starken Umsatzträger darstellt und als Innovationsmotor der Branche gilt.  

www.twoo.ch

(Der Verfassser dieses Artikels war für die Twoo-Ausgaben in den Jahren 2008, 2009 und 2010 als freier Mitarbeiter im Auftrag für die Messe Schweiz zuständig für die Organisation von Side Events wie BMX- und Trial-Shows, Dirt-Jump-Competitions und Mountainbike-Team-Präsentationen. Zudem war der Autor als Geschäftsführer eines Fahrradfachgeschäfts mit einem Stand an den Twoo-Messen der Jahre 2008, 2009 und 2010 als Aussteller präsent.)


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