Die Schweiz hat wieder einen Downhill-Weltmeister!
Die Black Snake macht ihrem Ruf bei den Downhill-Weltmeisterschaften im Val di Sole einmal mehr alle Ehre. Tausende Fans, Motorsägen im Wald und ohrenbetäubender Lärm am letzten Sprung bilden die Kulisse für den wichtigsten Downhill-Tag des Jahres. Am Ende setzen sich mit Jackson Goldstone und Valentina Höll die beiden Titelverteidiger durch. Bei den Junioren gehen die Regenbogentrikots an den Schweizer Raoul Schneeberger und die Australierin Tilly Boadle.
Goldstone dreht das Finale
Bei den Elite-Männern entwickelt sich der Kampf ums Regenbogentrikot zum Krimi. Qualifikationssieger Lachlan Stevens-McNab bestätigt seine starke Form und legt mit 3:29.480 Minuten eine Zeit vor, an der sich die folgenden Fahrer die Zähne ausbeissen. Asa Vermette kommt auf Rang vier, noch knapper scheitert Jordan Williams: Der Brite fährt 3:29.487 Minuten und verpasst Stevens-McNab um gerade einmal sieben Tausendstelsekunden.
Damit liegt der Neuseeländer weiterhin vorne, als nur noch Titelverteidiger Jackson Goldstone oben im Starthaus steht. Der Kanadier liefert einen nahezu fehlerfreien Lauf, findet auf der Black Snake seine eigenen Linien und stoppt die Uhr nach 3:28.785 Minuten. Stevens-McNab fehlen 0.695 Sekunden zum Titel, Williams auf Rang drei lediglich weitere sieben Tausendstel.
Goldstone verteidigt damit sein Regenbogentrikot und baut seine beeindruckende Bilanz im Val di Sole weiter aus. Es ist sein vierter Sieg auf der Black Snake, wenn Weltcup und sein Junioren-WM-Titel von 2021 mitgezählt werden. «Diese Strecke passt perfekt zu meinen Eigenschaften», sagt Goldstone nach seinem Sieg. Für den 22-Jährigen ist es der zweite Elite-WM-Titel in Folge.
Aus DACH-Sicht liefert Andreas Kolb ein starkes Rennen. Der Österreicher fährt mit 2.622 Sekunden Rückstand auf Rang fünf. Henri Kiefer sorgt als Achter ebenfalls für ein deutsches Top-Ten-Resultat. Sein Landsmann Max Hartenstern kann nach seinem Trainingssturz mit gebrochener Kniescheibe nicht antreten.
Höll macht die Fünf voll
Bei den Frauen führt auch bei dieser Weltmeisterschaft kein Weg an Valentina Höll vorbei. Die Österreicherin baut ihren Sieg vor allem im mittleren Streckenabschnitt auf und stoppt die Uhr nach 4:01.558 Minuten. Damit gewinnt die 24-Jährige aus Saalbach zum fünften Mal in Folge den Elite-WM-Titel. Seit 2022 trägt niemand anderes das Regenbogentrikot.
Historisch ist diese Serie aussergewöhnlich. In der Geschichte des Frauen-Downhills steht einzig die Französin Anne-Caroline Chausson noch vor Höll. «Ich hätte nicht gedacht, dass es möglich ist, fünf Weltmeisterschaften in Folge zu gewinnen», sagt Höll im Ziel. Der permanente Erfolgsdruck habe sie während der WM-Woche körperlich und mental stark gefordert.
Doch Lisa Baumann macht es spannend. Die Schweizerin hatte bereits in der Qualifikation mit Bestzeit aufhorchen lassen und bestätigt ihre Form im Finale. Mit 4:03.286 Minuten gewinnt sie Silber, 1.728 Sekunden hinter Höll. Harriet Harnden folgt mit lediglich 0.318 Sekunden Rückstand auf Baumann auf Rang drei. Nina Hoffmann verpasst als Vierte das Podest um 1.301 Sekunden.
Einen besonderen Moment erlebt das italienische Publikum mit Eleonora Farina. Die langjährige Weltcup-Fahrerin bestreitet auf der Black Snake ihr letztes Rennen. Rang 26 gerät dabei zur Nebensache: Farina wird im Ziel von den Zuschauern mit grossem Applaus verabschiedet. Nicht am Start steht Myriam Nicole wegen einer Grippe. Die Französin ist ausgerechnet im Val di Sole 2021 die letzte Fahrerin gewesen, die Höll bei einer Weltmeisterschaft schlagen konnte.
Schneeberger überrascht alle
Für den Schweizer Coup des Tages sorgt Raoul Schneeberger. Der 17-Jährige war in der Qualifikation lediglich auf Rang 15 gefahren und gehört damit nicht zu den ersten Namen auf der Favoritenliste. Doch im Finale auf der nach dem Regen vom Freitagabend noch tückischen Black Snake passt alles.
Schneeberger bringt seinen Lauf in 3:47.477 Minuten ins Ziel. Der Brite Felix Griffiths kommt ihm nochmals gefährlich nahe, bleibt aber 0.450 Sekunden zurück. Bronze geht an Lokalmatador Filippo Gilardino mit 1.170 Sekunden Rückstand. Besonders bemerkenswert: Der Italiener fährt den letzten Teil seines Laufs mit gerissener Kette.
Ganz aus dem Nichts kommt Schneebergers Erfolg allerdings nicht. Der Schweizer hatte in dieser Saison bereits mehrfach seine Geschwindigkeit gezeigt. Auf der grössten Bühne folgt nun der bisher bedeutendste Erfolg seiner Karriere.
Boadle krönt ihr Comeback
Bei den Juniorinnen sorgt Tilly Boadle für eine kleine Überraschung. Die Australierin war bereits mit einem dritten Rang bei ihrem allerersten Weltcup stark in die Saison gestartet, wurde danach aber von einer ausgekugelten Schulter zurückgeworfen. Selbst eine Woche vor der WM in Les Gets machte ihr die Schulter nochmals Probleme. Auf der Black Snake folgt nun das perfekte Comeback.
Dabei hatte in der Qualifikation noch Rosa Jensen den Ton angegeben. Die Dänin war mehr als drei Sekunden schneller als Boadle, während die Weltcup-Dominatorin Aletha Ostgaard nur Rang elf belegte. Im Finale werden die Karten auf der nach dem Regen schwierigen Strecke jedoch neu gemischt.
Boadle startet bereits als zehnte der 20 Finalistinnen und setzt mit 4:13.323 Minuten früh die entscheidende Bestzeit. Ostgaard kommt ihr am nächsten, verliert aber 7.636 Sekunden. Indy Deavoll aus Neuseeland sichert sich trotz eines Sturzes mit 16.895 Sekunden Rückstand Bronze. «Ich kann es nicht glauben. Weltmeisterin. Damit habe ich nicht gerechnet», sagt Boadle nach ihrem überraschenden Triumph.
Für die Schweizerin Gianna Nef endet die WM dagegen bitter. Die 17-Jährige war nach Rang vier beim Weltcup in Les Gets mit Ambitionen ins Val di Sole gereist und qualifizierte sich als Neunte sicher für das Finale. Dort kommt Nef jedoch zu Fall. Bilder nach dem Rennen zeigen deutliche Sturzspuren an ihrem Helm. Über mögliche Verletzungen liegen zunächst keine Informationen vor.
Damit endet der Downhill-Tag im Val di Sole mit zwei erfolgreichen Titelverteidigungen bei der Elite und zwei neuen Junioren-Weltmeistern. Höll schreibt mit ihrem fünften Titel in Serie weiter Geschichte, Goldstone bestätigt seine aussergewöhnliche Beziehung zur Black Snake. Und aus Schweizer Sicht sorgen Baumanns Silbermedaille und insbesondere Schneebergers überraschendes Regenbogentrikot für einen herausragenden WM-Tag.