Ein Trailcenter soll das Treiben im «Sex-Wäldli» beenden | Ride MTB

Ein Trailcenter soll das Treiben im «Sex-Wäldli» beenden

Sex-Wäldli Kriessern SG Trailcenter Rheintal

Das «Sex-Wäldli» bei Kriessern im Sanktgaller Rheintal ist der Bevölkerung seit Jahren ein Dorn im Auge. Ein Trailcenter soll den Treffpunkt für Open-Air-Geschlechtsverkehr unattraktiv machen und den Mountainbikern einen vielseitigen Übungsplatz bieten. Die Gemeinde unterstützt das Vorhaben, bewilligt ist es aber noch nicht.

Das «Sex-Wäldli» ist praktisch erreichbar vom Rastplatz Kriessern SG der Autobahn A13 im Rheintal – ideal für Menschen, die den schnellen Geschlechtsverkehr unter freiem Himmel suchen. Die Gemeinde Oberriet SG hat daran wenig Freude. Die Rodung von über 50 kranken Bäumen im Frühjahr 2023 hatte nicht den erhofften Effekt. Und auch im Winter 2026 werden wieder Bäume gefällt, die aufgrund ihres Zustands ein Sicherheitsrisiko sind.

Das Kriessener Wäldli von seinem zweifelhaften Ruf befreien sollen nun die Mountainbiker. Im dreieckigen Waldstück zwischen Autobahn, Landstrasse und dem östlichen Dorfrand Kriesserns sollen sie ein Trailcenter bauen – so steht es auf der Website der Ortsgemeinde Kriessern, Teil der politischen Gemeinde Oberriet SG. «Der etwas schmuddelige Ruf des Standorts hat für uns zwei Vorteile», erklärt Bruno Breitenmoser, Bikeshop-Besitzer in Oberriet und Präsident des Vereins Trailcenter Kriessner Wäldli auf Anfrage, «Erstens kennen die meisten Rheintaler die Location. Zweitens unterstützt die lokale Bevölkerung die ‚Umnutzung‘ des Geländes.»

Ein Dreieck mit einer Seitenlänge von gut 400 Metern steht dafür zur Verfügung – eine Fläche von rund 42’000 Quadratmetern. Darauf will der Verein eine Kids Zone (grüne Trails), mehrere blaue und rote Trails, einen noch etwas anspruchsvolleren Tech Trail sowie eine Jumpline realisieren. Das Waldstück ist mehrheitlich flach, Zwei Anlaufhügel geben Schwung für die Trails und Sprünge. Streng genommen ist es eher eine Skill Area als ein Trailcenter. Aber Spass machen wird die Fläche mit Sicherheit. Für den länger anhaltenden Abwärts-Flow gibt es die zahlreichen Singletrails an den Hängen des St. Galler Rheintals.

Im Wäldchen befindet sich auch ein Vita-Parcours – für Nicht-Schweizer: ein Trimm-dich-Pfad – der vom Trailcenter nicht tangiert werden soll. Dessen Wege sollen zudem für den Bike-Verkehr gesperrt werden, wie Breitenmoser einer Lokalzeitung erklärt hat.

Noch keine Bewilligung

Auf 300’000 Franken schätzen die Initianten die Baukosten. «Wir arbeiten sehr eng mit in der Region verankerten Firmen zusammen und können einen grossen Teil der Kosten über Sponsoring abdecken», verrät Bruno Breitenmoser. Dass er als Veloladeninhaber in Oberriet Teil des lokalen Gewerbes ist, dürfte helfen, andere Firmen zu einem finanziellen Engagement zu bewegen. «Dennoch sind wir weiterhin auf zusätzliche finanzielle Unterstützung angewiesen», räumt er ein. Zu einem kleinen Teil finanziert die Gemeinde Oberriet mit. Die Ortsgemeinde Kriessern stellt das Gelände gratis zur Verfügung.

Eine Bewilligung für das Bauprojekt liegt noch nicht vor, auch wenn das Vorhaben online und in der Lokalpresse als beschlossene Sache dargestellt wird. So ist offen, wann das Trailcenter im Kriessener Wäldli in Betrieb geht. Vorerst ist es einfach eine von verschiedenen Seiten gutgeheissene Idee. Um den Wildtieren Nachtruhe zu gönnen, ist zudem keine Beleuchtung geplant. Nach Einbruch der Dunkelheit ist das Wäldli also weiterhin sich selber überlassen. Und solange das Trailcenter nicht steht sowieso.


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