Elektrovelopiloten fahren weniger Auto | Ride MTB

Elektrovelopiloten fahren weniger Auto

Das Bundesamt für Energie präsentiert eine detaillierte Studie über die Verbreitung, Nutzung und die energetischen Auswirkungen von E-Bikes in der Schweiz. Gut 60% der befragten E-Biker, die ein Auto besitzen, gaben zu Protokoll, dass sie das Auto viel seltener benutzen. Der Bericht geht auch darauf ein, wie gross das Wachstumspotential für den E-Bike-Markt ist und wie E-Biker der Verkehrsüberlastung vorbeugen.

Im Auftrag des Bundesamts für Energie (BFE) untersuchten die Ecoplan AG und das Institut für Marketing und Unternehmensführung der Universität Bern die Verbreitung, Nutzung und energetischen Auswirkungen von E-Bikes in der Schweiz. Datengrundlage bildete eine Online-Befragung bei E-Bike-Besitzerinnen und -Besitzern sowie E-Bike-Nutzerinnen und -Nutzern. In einer Begleitgruppe waren für den Schlussbericht Mitglieder des ASTRAs, Pro Velo, Newride und dem E-Bike-Hersteller Biketec vertreten. Nun präsentiert das BFE den Bericht «Verbreitung und Auswirkungen von E-Bikes in der Schweiz».

Hier gibt es sämtliche Ergebnisse in einer Zusammenfassung des BFE, hier ist der über 160 Seiten umfassende Bericht einzusehen, nachfolgend die wichtigsten Fakten direkt aus dem Bericht des BFE:

Wer ist der durchschnittliche E-Biker?
Der durchschnittliche E-Bike Besitzer ist männlich und 53.5 Jahre alt, also im Erwerbsalter (wobei Rentner/innen fast einen Viertel der E-Bike-Besitzer/innen stellen). Er hat das E-Bike 2012 oder 2013 gekauft und verfügt über ein mittleres Erwerbseinkommen. Sein Bildungsniveau liegt leicht über dem Schweizerischen Durchschnitt und er lebt in einem Zweipersonenhaushalt oder in einer Familie mit Kindern in einem Dorf oder in der Agglomeration. Er ist eher sportlich, pflegt einen gesunden Lebensstil und besitzt neben dem E-Bike mindestens ein weiteres Fahrrad.

Was sind die Kaufgründe?
Hauptgründe für den Kauf eines E-Bikes sind der Spass am Fahren, das Erhalten und/oder Verbessern der körperlichen Gesundheit sowie die Vorteile des E-Bikes (weniger Anstrengung beim Fahren, Fahrstrecken schneller zurücklegen, grösserer Komfort, grössere Distanzen zurücklegen). Die wichtigsten Entscheidungsfaktoren für die Wahl eines bestimmten E-Bikes sind die Reichweite, die Serviceleistungen und das Akkusystem (integrierter oder abnehmbarer Akku).

Für was wird das E-Bike genutzt?
Für 80% der E-Bike-Besitzer/innen ist das E-Bike das wichtigste oder das zweitwichtigste Verkehrsmittel in der Alltagsmobilität. Sie legen im Durchschnitt rund 2'600 km pro Jahr mit dem E-Bike zurück. Zum Vergleich: Die durchschnittlich pro Person und Jahr mit dem Auto zurückgelegte Distanz beträgt rund 10'000 km.

Personen im Erwerbsalter nutzen das E-Bike am häufigsten für den Arbeitsweg. Bei Personen über 65 steht klar die Nutzung für Fahrradtouren im Vordergrund. Neben diesem Hauptzweck wird das E-Bike von beiden Nutzergruppen vor allem für Einkaufsfahrten verwendet sowie für Fahrten zu Freizeitbeschäftigungen (z.B. für die Fahrt zu Freunden oder ins Fitnessstudio). Personen über 65 Jahre nutzen das E-Bike seltener bei schlechten Wetterbedingungen als Personen bis 65 Jahre.

Das Verhältnis Auto - Elektrovelo
Über 90% der E-Bike-Besitzer/innen haben Zugang zu einem Auto. Gut 60% der Personen, die ein Auto besitzen geben an, das Auto «viel seltener» oder «seltener» zu nutzen. Die Nutzung des öffentlichen Verkehrs sowie die zu Fuss zurückgelegten Wege haben sich bei den meisten befragten Personen weniger stark verändert. Nur ein gutes Drittel der E-Bike-Besitzer/innen nutzt den öffentlichen Verkehr seltener oder geht seltener zu Fuss als vor dem E-Bike Kauf.

Welches Potentail hat das E-Bike?
Der Bericht bietet eine grobe Abschätzung des Potenzials an zukünftigen E-Bike-Besitzer/innen, das zwischen 2.8 und 7.9 Mal höher liegt als die aktuelle Verbreitung von E-Bikes in der Schweiz:

Bei der erwerbstätigen Bevölkerung kann je nach Szenario von einem Potenzial zukünftiger E-Bike-Besitzer/innen von 450'000 bis 1'400'000 Personen ausgegangen werden. Bei den Rentner/innen liegt das Potenzial zwischen 182'000 und 364'000 Personen.

Wo liegt der Nutzen des E-Bikes beim Verkehr?
Neben der energetischen Wirkung hat die E-Bike-Nutzung auch Auswirkungen auf die Belastung der Verkehrsinfrastruktur. Die grosse Mehrheit der befragten E-Bike-Besitzer/innen unternimmt die Hin- und Rückfahrt zur Arbeit während den Spitzenzeiten am Morgen und am Abend, also in den gleichen Tagesganglinien, wie bei der Nutzung der übrigen Verkehrsmittel. Aufgrund ihres geringeren Flächenbedarfs können E-Bikes daher einen Beitrag zur Entlastung der Strassen- und Schieneninfrastruktur während Spitzenzeiten leisten. Dies ist umso wichtiger, weil sich E-Bikes aufgrund der Streckenlänge für rund 60% der Arbeitswege eignen würden. Darin liegt ein hohes noch nicht ausgeschöpftes Potenzial.

Wie kann das Potential weiter genutzt werden?
Die grössten Hindernisse (Zustimmung von mehr als 50% der befragten Personen) für eine häufigere Nutzung von E-Bikes sind die fehlende Strassenverkehrssicherheit, die mangelnde Reichweite des E-Bikes und das Fehlen von grossen Steigungen, die bewältigt werden müssten, um eine Nutzung des E-Bikes zu rechtfertigen. Weitere wesentliche Hindernisse (Zustimmung von mehr als 25% der befragten Personen) sind die fehlende Diebstahlsicherheit, das zu hohe Gewicht des E-Bikes und die zu grosse Distanz zum Arbeitsort.

BFE liefert Handlungsempfehlungen
Der Bericht listet aufgrund der Ergebnisse auch gleich Handlungsempfehlungen für die Hersteller, Strassenverkehrsinfrastrukturbetreiber und die Förderung des E-Bikes im Allgemeinen auf:

Hersteller: Gute Serviceleistungen anbieten, Fokus auf die Reduktion des Gewichts und die Erhöhung der Reichweite der E-Bikes.

Strassenverkehrsinfrastrukturbetreiber: Erhöhung der Verkehrssicherheit für Zweiräder, möglichst direkte, sichereund gut "lesbare" Velokorridore, Winterdienst auf den von Zweirädern genutzten Wegabschnitten verbessern.

Förderstrategien: Verkehrssicherheit der E-Bike-Besitzer/innen durch ein ausgebautes Angebot an Weiterbildungsveranstaltungen verbessern, besondere Anreize zur Nutzung des E-Bikes bei schlechtem Wetter und im Winter (z.B. Informationen über gute Regenkleidung), Bereitstellen öffentlicher Ladestationen, Zusammenarbeit mit Unternehmen zur Förderung der Nutzung von E-Bikes für den Arbeitsweg.

Quelle: Pressemitteilung BFE


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