Eurobike Gold Award: Das Mountainbike geht (fast) leer aus | Ride MTB

Eurobike Gold Award: Das Mountainbike geht (fast) leer aus

Die Mountainbike-Industrie hat mit 27.5 Zoll, Plus-Pneus und Boost (um nur einige Markneuheiten zu nennen) in den letzten Jahren ein regelrechtes Innovationsfeuerwerk abgefeuert. Jetzt scheint der Innovationstaumel etwas abzunehmen – und das widerspiegeln auch die Eurobike Gold Awards. Dort ist gerade mal ein Helm für aus dem Sektor Mountainbike unter den Gewinnern vertreten.

Abnehmbarer Kinnbügel: Nicht wirklich innovativ

Uvex räumt einen goldenen Eurobike Award ab, für einen Mountainbike-Helm, der einen abnehmbaren Kinnbügel hat. Das ist wahrlich nichts Neues – das kann Giro, Met oder Casco schon seit Jahren. Immerhin auch interessant fürs Mountainbike ist die goldig prämierte Innovation von Bike Ahead Composites: Eine NSA, eine no-slip-application, aus einer Art Kautschuk wird im Fertigungsprozess mit dem Carbon-Bauteil verbacken und sorgt für den Ausgleich von Toleranzen und einer Erhöhung der Reibung. Das Resultat ist die Reduktion von bis zu 60 % der Anzugsmomente, was Knacken und brechende Carbon-Lenker oder Sattelstützen aus der Welt schaffen sollte.

Gravel-Bikes auf der Award-Überholspur

Zweifach berücksichtigt bei den Gold Awards sind die Gravel-Bikes: Hier lässt das Mountainbike wenigstens etwas DNA spüren, denn die Rennräder wildern ja auf unbefestigten Wegen. Das Gravel Bike 3T Exploro fährt Gold ein, und der WTB Reifen Horizon Road Plus lässt immerhin auch ans Mountainbike denken, denn das sind schliesslich 27.5 Plus-Reifen (650x47) fürs Quer- oder Gravel-Velo.

Mit Rennradschuhen, einer Leistungsmesskurbel, einer elektronischen Strassengruppe, einem verdrehbaren Vorbau, einem Hupen- und Fernlichttaster hat die Jury die Gold Awards abseits des Mountainbikes vergeben. Auch das prämierte Triathlonrad, der Helm mit eingebauter Dioden-Leuchte und ein Rollentrainer zeigen auf, dass die Jury in der Award Saison 2016 das Mountainbike nicht zu oberst auf dem Innovationstreppchen sieht.

Individuell, handgemacht, superleicht: So mag die Jury Mountainbikes

Interessant wird es dann doch noch: bei den «normalen» Eurobike Awards. Hier lässt sich auch ein Trend ablesen. Mit Stoll, AX Lightness und White Stone räumen Anbieter Preise ab, die auf hochgradig individualisierte, handgemachte und superleichte Bikes setzen. Die Jury erteilt dem Massen-Moutainbike damit eine Abfuhr und setzt ein Statement für das Individuelle: Bei Stoll ist gar der Laminataufbau auf den Kunden massgeschneidert, beim ultraleichten AX Lightness-Hardtail wiegt der Bolide nur knapp über 7 Kilo und Farben gibts auf Kundenwunsch und beim Hardtail von White Stone steht der Kundenwunsch auch auf oberster Priorität und die Handarbeit im Zentrum.

Die Jury

Sechs Köpfe bestimmten für den Eurobike Award 2016 die Gewinner. Mit Thomas Hellriegel, einer der besten deutschen Triathleten, Lotte Kraus, einer Ergonomie-Expertin und Marcus Schröder, einem Fahrradtester, ist in der Jury viel Expertenwissen versammelt. Mit Kevin Quad, Gründer des kanadischen Design-Studios KQS, der italienischen Fachjournalisten Marcella Crisanti und Rik De Bruin, Inhaber eines sich seit 60 Jahren in Familienhand befindenden niederländischen Fahrradgeschäftes war weiteres Fahrrad-Know-How vertreten.

www.eurobike-award.de