Franken-Kurs, Teil 1: Wie es die Fahrradbranche trifft
Durch die Aufgabe des Mindestkurses droht eine übermässige Aufwertung des Frankens. Die Schweiz wird für ausländische Gäste teurer, der Tourismus und die Exportwirtschaft dürften den Frankenkurs deutlich zu spüren bekommen.
Günstiger aus EU importieren
Wer Produkte aus dem EU-Raum in die Schweiz importiert, wird künftig weniger dafür zahlen, derzeit rund 20 Prozent. Dadurch wird zumindest der Import günstiger - ob die Importeure diesen Preisvorteil weitergeben, steht auf einem anderen Blatt.
Auch zu berücksichtigen sind Vorräte, die zu einem höheren Eurokurs eingekauft wurden. Werden diese Bestände an die Franken-Euro-Entwicklung preislich angepasst, entspricht das derzeit einem Abschreiber von circa 20 Prozent.
Was geschah im Sommer 2011?
Die Euro-Franken-Parität ist nichts neues: Aufgrund des Franken-Euro-Gleichstands im August 2011 meldeten mehrere Bike-Shops in Grenznähe zu Deutschland, dass die Preisschere zwischen In- und Ausland so weit auseinander gehe, dass es bisweilen unmöglich werde, hochpreisige Fahrräder zu verkaufen. Zwischen der Schweiz und Deutschland beliefen sich die Preisunterschiede für Fahrräder auf bis zu 70 Prozent.
Da von der Situation namhafte, solid aufgestellte Fahrrad-Fachhandelsbetriebe in der Substanz getroffen wurden, regte sich Widerstand bei Händlern aus der Ostschweiz. Die Gruppe «Fairprice 2012» - bestehend aus Fachhändlern aus den Regionen Winterthur, St. Gallen, Thurgau und dem Engadin - behielt sich Massnahmen vor, um gegen unpartnerschaftliches und Wettbewerb-feindliches Verhalten von international tätigen Bike-Herstellern vorzugehen.
Im Anschluss zeigte sich unterschiedliches Verhalten in der Lieferantenszene: Einige Anbieter stellten sich umgehend und unkompliziert auf die neue Währungssituation ein und reduzierten ohne Verzug die Preise. Einige Anbieter zeigten sich stoisch und reagierten nur abwartend und zögerlich damit, die Preise anzupassen.
Anpassungsfähigkeit beweisen: Runde zwei
Die Schweizer Fahrradbranche kennt also die Herausforderungen der Währungsschwankungen. Beim Kräftemessen zwischen dem Fachhandel und der Lieferantenszene im Sommer und Herbst 2011 wurden zwischen den Markteilnehmern erste Spielregeln definiert, wie die Preisgestaltung zu geschehen hat. Es kommt dem Velofachhandel wohl zu gute, dass erst Januar ist – und der Saisonstart noch einige Wochen entfernt. So bleibt noch Zeit und ein hoffentlich kühler Kopf, um sich ideal auf die aktuelle Situation und die bevorstehende Saison einzustellen.
Wie der Dollar-Kurs sich auf die Schweizer Velobranche auswirkt sowie exklusive Statements von Vertretern der Schweizer Fahradbranche folgen in Kürze auf ride.ch