Ist 27.5 Zoll schon bald Schnee von gestern?
An vorderster Front bei der Plus-Grösse: der US-Bike- und Zubehörhersteller Surly, hier der Reifen Dirt Wizard 26x2.75, auch zu haben in 29x3.0
Vielfalt vs. Verwirrung
Drei Radgrössen fürs Mountainbike: Das gibt es schon und der Fatbike-Trend schiebt nochmals neue Standards bei Naben, Tretlagern und Reifenbreiten voran. Und jetzt – als wäre die Vielfalt im Moment nicht ausreichend – waren in der Saison 2014, vornehmlich an der Eurobike, aber auch schon an den Bike Days die ersten Bikes mit Reifen in sogenannten Plus-Grössen zu sehen.
Bei dieser Plus-Grösse ist die Rede von Breiten zwischen 2.75 und 3.25 Zoll. Dadurch bauen im Aussendurchmesser (inklusive Pneu) die Laufräder nicht nur breiter, sondern auch höher. (Etablierte Mountainbike-Reifenbreiten bewegen sich meist zwischen 2.25 über 2.35 Zoll bis 2.5 Zoll , beim Fatbike sind das circa 4 bis 4.8 Zoll). Wirklich viele Produkte dieser Plus-Grösse sind nicht am Markt, geschweige denn käuflich, überhalb des Radars bewegen sich die Plus-Grössen-Produkte von Rock Mountain, Surly, WTB und Vee Tire.
Mischt auch ganz vorne mit: Der taiwanesische Reifenexperte Vee Tire, hier mit dem Pneu Trax Fatty, erhältlich in 29x3" und 27.5x3.25"
Krieg der St...andards
Bei breiten Reifen kommt das Thema Kettenlinie ins Spiel - denn ist die Walze richtig breit, dann kommen sich Kette und Reifenstollen in die Quere. Beim Fatbike hat das neue Innenlager/Q-Faktoren- und Nabenbreiten provoziert, bei Plus-Grössen wird jetzt der Hinterradnaben-Standard Boost 148 ins Spiel gebracht. (Boost 148 hat im Sommer 2014 Trek mit Sram vorgestellt, um 29er-Hinterräder steifer zu bauen, Achsbreite 148mm, für Achsformat 12mm) Die breitere Hinterradnabe bringt eine passende Kettenlinie, die dem Reifen mehr Platz lässt. Mit breiteren Naben lassen sich, eine grössere Flanschdistanz vorausgesetzt, auch steifere Laufräder bauen, was bei breiten Walzen sicherlich vorteilhaft ist. Besonders bei einem 29+-Laufrad ist eine stabile Laufradkonstruktion wichtig, damit die Räder nicht «schwammig» zu fahren sind.
Bereits an den Bike Days 2014 in Solothurn zu sehen: Rocky Mountains Konzeptbike Sherpa, das auf Plus-Bereifung setzt und im
Einsatzbereich «Adventure» angesiedelt ist.
Die Vision?
Mit der Plus-Grösse könnten mehrere Trends zusammen kommen und sich quasi multiplizieren. Breite Felgen sind im Enduro-Sport angesagt und bilden eine Voraussetzung für Plus-Size Reifen. Mit den drei präsenten Laufradgrössen sind die Biker bereits auf dieses Thema eingeschossen und sensibilisiert. 650b+-Räder könnten beispielsweise in einem 29 Zoll Bike gefahren werden – und ein und demselben Bike mit zwei Laufradsätzen (also 650b+ für grobes Terrain und unerreichte Traktion bergauf und Grenzbereich bei Kurven und der konventionelle 29er Radsatz für die schnellere Gangart) einen sehr grossen Einsatzbereich bescheren. Das selbe ist denkbar mit einem 650b-Bike, das mit 26+ bereiften Laufrädern das trendige Fatbike-Feeling bringt.
Ein mögliches Fazit
Wenn beim Endkunden das Laufrad-Wirrwarr beendet (und auf die Grössen 27.5 und 29 Zoll reduziert) ist, der zusätzliche Plus-Breiten-Standard inklusive neues Nabenachsmass im Markt angekommen sind sowie die breiteren Felgen mit Maulweiten rund um 30 bis 35 Millimetern längst normal am Bike sind – dann könnte das Mountainbike einen Quantensprung machen, was Fahrspass, Einsatzbereich und Vielseitigkeit anbelangt.
Die Plus-Grösse könnte die eierlegende Wollmilchsau auf Stollenpneus der Realität ein gutes Stück näher bringen.