Treudler ist U23-Weltmeister, Keller holt Bronze hinter Rissveds
Treudler zeigt ein perfektes Rennen
Schon früh im Cross-Country-Rennen der U23-Männer setzen sich Finn Treudler (SUI), Gustav Pedersen (DEN) und Adrien Boichis (FRA) vom Feld ab. Doch lange hat das Trio nicht Bestand. Topfavorit, der im Weltcup bei der Elite startende Boichis, fällt langsam zurück und auch Pedersen verliert etwas an Boden. Stattdessen schliesst Cole Punchard (ebenfalls Weltcup-Elite-Fahrer) zu Treudler auf und setzt ihn in der dritten von acht Runden unter Druck.
Treudler lässt sich davon nicht beeindrucken und kontert noch in der vierten Runde mit einer Tempoverschärfung. Bis zu deren Ende liegt der Schweizer bereits 19 Sekunden vorne. Von nun an baut Treudler seinen Vorsprung sukzessive aus, bis auf etwas über eine Minute ist es in der letzten Runde. Kraftvoll bergauf, unaufgeregt und kontrolliert bergab bringt der 22-Jährige seine Führung ins Ziel und wird vom heimischen Publikum als neuer U23-Weltmeister gefeiert.
«Es gibt wohl nichts Besseres, als vor heimischem Publikum Rennen fahren zu dürfen und dieses noch zu gewinnen, das ist schlicht überwältigend», sagt Finn Treudler, nachdem er die ersten Freudentränen aus den Augen gewischt hat. «Mein Plan war es, nach der dritten Runde zu attackieren, um danach meinen Rhythmus zu fahren. Ich ging berghoch superhart und konnte die Abfahrten sicher und ohne unnötiges Risiko bewältigen», erklärt Treudler seine Renntaktik und schliesst mit den Worten: «Nun habe ich von diesen Weltmeisterschaften einen kompletten Medaillensatz, das ist unglaublich, und da haben auch die Fans kräftig mitgeholfen. Die Stimmung war unglaublich und teilweise so laut, so etwas habe ich noch nie erlebt, das wird mir in spezieller Erinnerung bleiben.»
Cole gewinnt die Silbermedaille, mit komfortablem Abstand zum Dänen Pedersen mit 2:14 Minuten Rückstand. Weitere 20 Sekunden zurück freut sich Paul Schehl (GER) über Rang vier, vor dem nächsten starken Dänen, Mikkel Lose. Mit Khalid Sidahmed schafft es ein weiterer Schweizer in die Top-Ten, das dank einer starken zweiten Rennhälfte.
Bilder U23 Männer
Entscheidung in der fünften Runde
Im Rennen der Frauen macht sich Jenny Rissveds sogleich auf und davon. Schon Mitte der ersten Runde liegt die Schwedin fast 20 Sekunden vor ihren Verfolgerinnen Puck Pieterse (NED), Martina Berta (ITA), Alessandra Keller (SUI) und Samara Maxwell (NZL). Doch so schnell geben sich Letztere zwei nicht geschlagen. Während Pieterse und Berta zurückfallen, schaffen Keller und Maxwell den Anschluss an Rissveds wieder.
Keller muss abermals um den Anschluss kämpfen, als sie in Runde zwei in Führung liegend stürzt. Bis Runde fünf von sieben ist der Kampf um die Goldmedaille unter den drei Fahrerinnen noch offen. Dann aber bringt Rissveds eine Lücke zwischen sich und ihre beiden Konkurrentinnen, von denen keine sie zu schliessen vermag. Danach verliert Alessandra Keller auch den Anschluss an die Neuseeländerin und büsst zunehmend Boden gegen die herannahende Evie Richards (GBR) ein.
Rissveds fährt die letzten Abschnitte im Waldstück in Crans-Montana scheinbar unbeeindruckt und schliesslich zum Weltmeistertitel, 18 Sekunden vor Samara Maxwell. Keller feuert ihre letzten Körner raus und lässt sich von den heimischen Fans für Bronze feiern. Richards begeht beim Versuch, Keller einzuholen, Fahrfehler und landet am Ende zwölf Sekunden hinter Keller auf dem vierten Rang.
«Das war brutal hart, ich bin mega glücklich, dass es zum dritten Platz gereicht hat! Es war definitiv nicht das reibungsloseste Rennen. Als ich stürzte, verlor ich auch meine Gels, bekam wieder welche, verlor den nächsten aber aus dem Mund. Die ständigen Handorgeleffekte während des Rennens zerrten ziemlich an meinen Kräften, aber ich kämpfte bis zum Maximum. Als ich in der letzten Runde noch Krämpfe bekam, motivierten mich die super Fans verbal ins Ziel. Am Ende hatte ich sogar noch etwas Zeit, die Zieleinfahrt zu geniessen. Zwei Medaillen an dieser WM, das ist besser, als ich es je erhofft hatte», sagt Keller überglücklich.
Als zweitbeste Schweizerin freut sich Ramona Forchini über Rang acht. Die 31-Jährige beendet die erste Runde auf Position 19 und macht danach schnell Plätze gut. Sie steuert als Zehnte in die Schlussrunde, in der sie sich dank einem starken Finish nochmals zwei Plätze erkämpft. Ein ähnliches Rennen fährt Nina Graf. Von Position 21 kämpft sich die Deutsche bis auf Platz neun und beendet das Rennen auf dem neunten Rang, unmittelbar vor Nicole Koller.
Sina Frei und Jolanda Neff belegen die Plätze 13 und 15, Laura Stigger fährt als beste Österreicherin auf Platz 16.