«Warum disqualifiziert die UCI Azzaro, aber nicht Rissveds?»
Es passiert auf der letzten Runde. Die drei Franzosen Adrien Boichis, Luca Martin und Mathis Azzaro liefern sich einen packenden Kampf um den Sieg. Bei der letzten Passage der Tech & Feed Zone zweigt Azzaro in den parallel verlaufenden Kanal der Tech-Zone ab, ohne aber etwas an seinem Bike machen zu lassen und setzt das Rennen in Führung liegend fort. Das Video zeigt den entscheidenden Moment auf der letzten Runde.
Das Reglement der UCI sagt dazu: «Falls eine Boxengasse eingerichtet wird, ist es den Fahrern untersagt, diese zu nutzen, um sich im Rennen einen Vorteil zu verschaffen. Sollten die Fahrer die Boxengasse ohne triftigen Grund befahren, können die Kommissäre sie disqualifizieren.» (Übersetzt durch Deepl).
Mathis Azzaro ging also ein Risiko ein, als er ausscherte. Allerdings ist nicht ersichtlich, welchen Vorteil er sich mit diesem Manöver verschuf. Er lag davor in Führung und tat das auch, als er wieder auf die Hauptlinie einbog. Seine Erklärung, er sei einer am Boden liegenden Flasche ausgewichen stützen die TV-Bilder allerdings auch nicht. Bestenfalls hat er im roten Bereich pedalend halluziniert.
Jenny Rissveds kommt ungeschoren davon
Was die Netz-Gemeinde erzürnte und auch unter Cross-Country-Journalisten für Stirnrunzeln sorgte, war, was sich wenige Stunden vorher im Rennen der Frauen abgespielt hatte: Da kollidiert Jenny Rissveds in der ersten schlammigen Abfahrt mit er vor ihr liegenden Savilia Blunk, diese stürzt, die Schwedin kommt kurz von der Strecke ab, rollt wenige Meter weiter unten auf diese zurück – übertritt also zweimal und an zwei verschiedenen Stellen die Streckenbegrenzung – und fährt fünf Runden später als überlegene Siegerin über die Ziellinie. Im Video der Crash auf der Startrunde. Auch die Kommentatoren sehen die Schuld bei Jenny Rissveds.
Auf den TV-Bildern sieht es klar so aus, dass Rissveds versucht, sich auf der Kurven-Innenseite an der vor ihr liegenden und ihre Linie haltenden Blunk vorbeizudrängen. Dabei bringt sie die Amerikanerin zu Fall. Das kann man durchaus als Regelverstoss sehen. Unmittelbar danach begeht die Weltmeisterin und Olympiasiegerin einen weiteren, indem sie nicht wie vom Reglement vorgeschrieben exakt an der Stelle auf die Rennstrecke zurückkehrt, an der sie diese verlassen hat, sondern mehrere Meter weiter unten. Die Renn-Jury klassiert das Ereignis als Race Incident, der innerhalb der Toleranz liege.
Der Top-Kommentar auf Pinkbike hält dazu fest: «Rissveds verstösst innerhalb einer Sekunde zweimal gegen die Regeln (sie verursacht einen Crash und verlässt die Strecke) und kommt ungeschoren davon ... Der andere Fahrer hat lediglich eine falsche «Drive-Through»-Strafe ohne jeglichen Vorteil verbüsst und wird disqualifiziert.» (Übersetzung durch Deepl).
Azzaro erfährt erst unmittelbar vor der Siegerehrung von seiner Disqualifikation
Nicht zum ersten Mal gerät die UCI unter Verdacht, die grossen Namen zu bevorzugen. Berüchtigt ist der Last-Minute-Entscheid vor der WM 2023, dass die Strassenprofis Tom Pidcock und Mathieu van der Poel weiter vorne starten durften, als ihnem von ihren Weltranglistenpunktestand her zugestanden hätte. Auch Jenny Rissveds hat als Olympiasiegerin und amtierende Weltmeisterin ein anderes Standing als Mathis Azzaro, auch wenn dieser in seiner jungen Karriere schon mehrere Short-Track-Rennen gewonnen und mehrere Cross-Country-Podestplätze herausgefahren hat.
Savilia Blunk, die nach dem Sturz und dem Richten ihres Lenkers auf den letzten Platz des Rennens zurückfällt, bringt das Kunststück fertig, noch bis auf Rang 5 vorzufahren. Azzaro hingegen erfährt erst auf dem Weg zur Siegerehrung, dass er disqualifiziert ist. Er verlässt Leogang ohne Punkte im XCO-Weltcup, dafür mit einer Menge Wut und Enttäuschung im Bauch.