Yuan abgwertet, Euro stärker: Ändern die Velopreise? | Ride MTB

Yuan abgwertet, Euro stärker: Ändern die Velopreise?

Jüngst hat China seine Währung abgewertet, der Euro hat zum Franken an der 1.10er-Marke gekratzt. Was bewirken dieses Währungsschwankungen für die Bike-Preise? Ride hat bei zwei Distributionsprofis nachgefragt.

Was Währungen angeht, heisst wohl die gültige Devise: Der Wandel ist die einzige Konstante. Die Nationalbank gab am 15. Januar 2015 die Kursuntergrenze zum Euro von 1.20 frei und in den nachfolgenden Tagen und Wochen reagierten die Schweizer Anbieter von Fahrrädern und Zubehör mit der Weitergabe des starken Frankens in Form von Preissenkungen.

Nun bewegt sich mit der Abwertung des chinesischen Yuans ein Faktor, der auf die Preisgestaltung im Fahrradmarkt Auswirkungen haben könnte. Der Yuan verliert derzeit zum Dollar an Wert und verunsichert die internationalen Finanzmärkte. Der Euro bewegt sich derzeit auf ein höheres Niveau, als das nach den Turbulenzen nach der Frankenfreigabe der Fall war.

Die Preisgestaltung in Deutschland rückt in den Fokus, da der Euro im Vergleich zum US-Dollar innerhalb eines Jahres stark nachgegeben hat. Preiserhöhungen für deutsche Anbieter und Konsumenten werden unumgänglich sein. Die Frage ist bloss, wie stark die Preise für Fahrräder im EU-Raum steigen, oder wo an Ausstattung gespart wird, um Eckpreislagen halten zu können.

Dollar als dominanten Einkaufswährung
Silas Obrist, Geschäftsführer der TST Trading GmbH, hat mit Yeti, Intense und neu Marin ein gut gefülltes Portfolio mit US-Bikes. Zur aktuellen Situation sagt er: «Wir kaufen alle unsere Fahrräder in US-Dollar ein. Die Preise für 2016 sind bereits gemacht und ich gehe davon aus, dass von unseren Lieferanten keine Anpassung kommen wird. Für 2016 haben wir bereits Absicherungen im Umfang des Jahresbedarfs an US-Dollar, die uns stabile Preise machen lassen für die ganze Saison.»

Unsichere China-Situation
Während von Obrist für Bikes Signale für Preisstabilität kommen, erscheinen dennoch Unsicherheiten am Währungshorizont. «Die Chinasituation ist allerdings beängstigend und könnte doch zu einer unerwarteten Anpassung führen, da sehr viele von unseren Carbon-Modellen in China - teilweise auch Vietnam und Taiwan - gefertigt werden. Im Moment habe ich dafür aber noch keine Anzeichen von Seiten Lieferanten erhalten», sagt Obrist. Weiter führt Obrist aus, dass durch die Abwertung der chinesischen Währung die Exporte günstiger werden und daher die Preise sinken könnten. Dieser Preisvorteil werde aber gleichsam vom ansteigenden Lohnniveau in China kompensiert.

Änderungen erst, wenn der Euro stabil auf 1.10 oder 1.15
Ebenfalls schwer einzuschätzen sind die Auswirkungen der Bewegungen des Yuans für Stefan Bührer, Geschäftsführer des Distributionsunternehmens Amsler & Co. Mit Marken wie Felt, Sram, Tern, Magura, Vredestein oder BBB hat Amsler ein umfangreiches Portfolio, das Währungsschwankungen ausgesetzt ist.

Bührer sagt: «Was die Abwertung des chinesischen Yuans für eine Auswirkung auf unsere Einkaufspreise hat, kann ich im Moment nicht sagen.» Bezüglich des leicht erholten Euros gibt Bührer eine Perspektive: «Auswirkungen auf die Konsumentenpreise wird der Verlauf des Euros erst haben, wenn dieser stabil über 1.10 oder 1.15 gehen wird oder würde. Die momentane Situation hat aber keine direkte Auswirkung auf die Endverbraucher oder Händler. Preise werden in Zukunft viel flexibler nach oben oder unten gehen.»


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