2-Meter-Regel UND Trails: Baden-Württemberg steckt fest
166 Seiten stark ist der Koalitionsvertrag den die Grünen und die CDU zwei Monate nach der Wahl geschlossen haben. Zwei Sätze lassen die Mountainbike-Community aufhorchen:
«Die Zwei-Meter-Regel zum Radfahren auf Waldwegen behalten wir bei. Wir unterstützen die Kommunen bei der Durchführung Runder Tische zur Einführung von Single-Trails mit dem Ziel, diese flächendeckend zu etablieren.»
Hinter den Kulissen diskutieren Mountainbike-Vereine schon lange mit lokalen Exekutiven, um ihr Hobby legal pflegen zu können. Das zeigt etwa die Berichterstattung von Ride aus Stuttgart (N°92, N°101). Offenbar ist das Bedürfnis nach Singletrails nun in der Regierung angekommen. Dass die Zwei-Meter-Regel deswegen nicht angetastet werden soll, ist typisch für ein Regierungsprogramm, dass es allen recht machen will. Es entspricht zudem der Vision der Mountainbike-Skeptiker, dass diese ihren Platz haben sollen, aber streng eingegrenzt auf definierte Strecken.
Optimistisch betrachtet ist die Ankündigung, «Single-Trails» flächendeckend etablieren zu wollen, der staatliche Trailbefehl, den das Schweizer Parlament vor einigen Jahren ausgegeben hat. Die Euphorie beiseite gelegt sagt die schwarz-grüne Regierung freilich nur, dass sie runde Tische zum Thema Singletrails unterstütze. Den Rest müssen die Kommunen und die Community selber schaffen.
Am Deutschen Mountainbike-Kongress soll die Regierung Farbe bekennen
Das Singletrail-Ziel ist Thema des Deutschen Mountainbike-Kongresses vom 16.–19. Juni in Aalen, am Nordfuss der Schwäbischen Alb. Wenn es gut läuft, liefern Regierungsvertreterinnen am Kongress Details zu ihrem Singletrail-Versprechen, auf die ihre Wähler sie behaften können. Interessant zu wissen wäre dann etwa: Wie sieht die Unterstützung der Runden Tische aus – finanziert die Landesregierung diese? Macht sie diese gar zur Pflicht? Wer kümmert sich darum, dass aus den Worten am Runden Tisch Singletrails werden?
Eine Stunde räumt das Kongressprogramm dem «Politischen Panel» am 17. Juni ein. Wer die neue Regierung auf dem Podium vertritt, ist laut Veranstalter noch nicht klar. Sicher wird Janet Weick von der DIMB IG Rems-Murr dort sein. Sie ist schon mal nicht begeistert vom Hochhalten der Zwei-Meter-Regel im Koalitionsvertrag durch die Koalition.
Eine breite Palette weiterer Themen bekommen am Mountainbike Kongress Platz. Zu den Speaker gehört auch Ride-Herausgeber Thomas Giger, der über «Werte, Bilder und Deutungen des Mountainbikes» referieren und im Anschluss an einem Panel zum Thema Kulturgut Radfahren teilnehmen wird.
Der Deutsche Mountainbike-Kongress ist eine Fachtagung mit Eintrittspreisen von mehreren hundert Euro. Es gibt aber für Vertreterinnen von Vereinen, Verbänden, lokalen Initiativen ein Kontingent an Gratis-Eintritten – «Community-Tickets». Hier gehts zum Mail-Button für die Anfrage (ganz nach unten scrollen).